Drucken

Klimaschutz und Versorgungssicherheit sind gleich wichtig

Um die Klimaschutzziele 2020 und 2030 zu erreichen, darf die Versorgungssicherheit nicht gefährdet werden.

Solaranlage vor Heizkraftwerk

© Fotolia/Andy Ilmberger

Die Energiewirtschaft hat es geschafft, ihre CO2-Emissionen kontinuierlich zu reduzieren ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Aufgrund bisher vorhandener Überkapazitäten im konventionellen Kraftwerkspark war die Stromversorgung in Deutschland auch in Phasen so genannter "Dunkelflauten" jederzeit gewährleistet. Mit dem endgültigen Kernenergieausstieg und angesichts etlicher Stilllegungen von Kohle- und Gaskraftwerken aus Altersgründen oder wegen Unwirtschaftlichkeit, wird das Überangebot an gesicherter Kraftwerksleistung Ende 2022 abgebaut sein. 

Stefan Kapfer:

Die heute noch bestehenden Überkapazitäten werden in wenigen Jahren nicht nur vollständig abgebaut sein. Vielmehr laufen wir sehenden Auges spätestens im Jahr 2023 in eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung.

Dossier Klimaschutz Grafik Versorgungssicherheit

Nach derzeitigem Stand ist ein Zubau an Kraftwerkskapazitäten in Höhe von etwa 4,4 Gigawatt bis 2023 geplant. Dem gegenüber stehen angezeigte Stilllegungen von ca. 18,6 Gigawatt. Damit sinkt bis 2023 die konventionelle Kraftwerkskapazität von heute knapp 90 Gigawatt auf 75,3 Gigawatt. Die Jahreshöchstlast hingegen wird laut Prognose der Bundesnetzagentur dann etwa 81,8 Gigawatt betragen.

Dossier Klimaschutz Grafik gesicherte Leistung

Europaweiter Rückgang von konventionellen Kapazitäten

Die Lücke an gesicherter Leistung kann nicht vollständig durch Stromimporte aus dem Ausland geschlossen werden. Denn auch in den europäischen Nachbarländern geht die gesicherte Leistung weiter zurück, so dass Deutschland mit Blick auf künftige Stromimporte vor großen Unsicherheiten steht.

Der BDEW hat aktuell analysiert, wie sich der Kraftwerkspark in Europa entwickeln wird. Die angekündigten oder diskutierten Planungen in den betrachteten Staaten zeigen einen allgemeinen Trend des Abbaus von Kohlekapazitäten sowie von Kernenergie bei gleichzeitigem starken Zuwachs von Erneuerbaren Energien. Dies entspricht den absehbaren Entwicklungen in Deutschland. Die derzeit noch vorhandenen Überkapazitäten an gesicherter Leistung schmelzen damit überall in Europa mittel- bis langfristig ab. Damit stehen auch die Nachbarländer vor der Herausforderung, die Versorgungssicherheit bei steigenden Anteilen volatiler Kapazitäten zu gewährleisten. Laut des wissenschaftlichen Dienstes der EU (JRC - Joint Research Center) ergibt sich von 2016 bis 2025 in der EU ein Rückgang der installierten Leistung von Kohlekraftwerken von 150 Gigawatt (GW) auf 105 GW und ein weiterer Rückgang auf 55 GW bis 2030. Das entspricht einer Abnahme von 63 Prozent. Auch der Anteil der Kernenergie geht in vielen Ländern zurück. 

Die Analyse können Sie am Ende der Seite als PDF herunterladen. 

Gesicherte Leistung notwendig

Damit das Klimaziel 2030 nicht gefährdet wird, müssen jetzt zügig die Voraussetzungen zur Bereitstellung von gesicherter Leistung oder mehr Flexibilitäten geschaffen werden.

Ende 2022 befinden sich nach jetzigen Prognosen noch etwa 41 Gigawatt installierter Leistung an Kohlekraftwerken im Markt. Zur Erreichung des Sektorziels 2030 ist eine Halbierung dieser installierten Leistung erforderlich. Im Gegensatz zur heutigen Situation können Stilllegungen konventioneller Kraftwerke nach 2022 in Phasen von "Dunkelflauten", nicht mehr durch andere, bestehende konventionelle Kraftwerke kompensiert werden.

20 Gigawatt Kohlekapazitäten sind nicht verlässlich durch ein Instrument alleine auszugleichen. Es bedarf vielmehr ein Bündel an Maßnahmen, um nach 2022 weitere Kohlekraftwerke stilllegen zu können und die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Hier geht es zu den Maßnahmen im Detail.

Zurück zur Dossier-Übersicht

Suche

Anmelden für BDEW plus

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen | Impressum