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Primärenergieverbrauch in Deutschland deutlich zurückgegangen

Der Primärenergieverbrauch lag im 1. Quartal 2020 mit 3.457 Petajoule (PJ) 6,8 Prozent unter dem Wert des 1. Quartals 2019.

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Wie die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen mitteilte, sind für die rückläufige Verbrauchsentwicklung der konjunkturbedingt geringere Energieverbrauch, die wärmere Witterung im Januar und Februar sowie erste Auswirkungen der Corona-Pandemie verantwortlich. Der diesjährige Schalttag konnte den Verbrauchsrückgang nicht kompensieren. Ferner rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Rückgang des energiebedingten CO2-Ausstoßes um knapp 11 Prozent.

Im 1. Quartal 2020 wurden in Deutschland 338 Mrd. kWh Erdgas verbraucht. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahresquartal einem Rückgang von 5,5 Prozent. In dieser Entwicklung spiegelt sich neben den bereits erwähnten Ursachen wie Witterung und Konjunktur auch die außerordentlich hohe Stromerzeugung der Windkraftanlagen im Februar verbunden mit einem insgesamt jedoch rückläufigen Stromverbrauch wider. Erdgas deckte den Primärenergieverbrauch in Deutschland im 1. Quartal zu 31,8 Prozent und lag damit vor dem Mineralöl.

Der Stromverbrauch (einschließlich Speicherdifferenz und Netzverluste) betrug im Berichtszeitraum 140 Mrd. kWh und ging damit um 1,6 Prozent zurück, wobei ein höherer Verbrauch im Februar aufgrund des Schalttages den Rückgang abmilderte. Kalenderbereinigt betrug das Quartalsminus 2,5 Prozent.
 
Nach der planmäßigen Abschaltung des Kernkraftwerks Philippsburg 2 zum Jahresende 2019 lag die Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland im 1. Quartal 2020 mit 17,3 Mrd. kWh erwartungsgemäß unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (-16,9 Prozent). Der Anteil der Kernenergie an der Deckung des Primärenergieverbrauchs beträgt für das 1. Quartal 5,5 Prozent.

Beim Stromaustauschsaldo kam es einerseits zu einem Rückgang der Stromflüsse ins Ausland und anderseits zu einem Anstieg der Importe, was mit -10,5 Mrd. kWh in Summe zu einer Verringerung des in den zurückliegenden Jahren starken negativen Austauschsaldos führte.

Während alle Energieträger mehr oder weniger kräftige Verbrauchsrückgänge zu verbuchen hatten, erfuhren die Erneuerbaren Energien einen Verbrauchszuwachs. Allein ihr Beitrag zur Deckung des Strombedarfs betrug in den ersten drei Monaten 52 Prozent (Q1 2019: 44 Prozent). Windkraftanlagen an Land lieferten 18,4 Prozent mehr Strom als im Vorjahreszeitraum, Offshore-Anlagen sogar 32,8 Prozent mehr. Aus Biomasse und dem erneuerbaren Anteil des Hausmülls wurde in etwa gleich viel Strom wie im Vorjahresquartal produziert. Die Stromerzeugung der Photovoltaikanlagen stieg um 14,5 Prozent. Wasserkraftanlagen lieferten bisher 3,0 Prozent weniger Strom. Gemessen am Primärenergieverbrauch erfuhren die Erneuerbaren insgesamt einen Zuwachs von 6,0 Prozent; ihr Anteil bezogen auf den Primärenergieverbrauch betrug am Ende des dritten Quartals 17,2 Prozent.

Der Mineralölverbrauch sank um 3,2 Prozent. Während der Absatz von Kraftstoffen rückläufig war, stieg der Absatz von Heizöl um 5,7 Prozent gegenüber dem 1. Quartal des Vorjahres. Dieser Zuwachs dürfte den Bestandsaufstockungen der Verbraucher infolge der stark gesunkenen Preise geschuldet sein.

Der Verbrauch von Steinkohle sank im 1. Quartal 2020 um 22,1 Prozent. In den Kraftwerken wurde rund ein Drittel weniger Steinkohle eingesetzt. Die Stahlindustrie verbrauchte knapp sieben Prozent weniger Koks und Kohle.

Der Verbrauch von Braunkohle nahm in den ersten drei Monaten 2020 um
30,4 Prozent ab. Dieser erhebliche Rückgang hat vor allem drei Ursachen: Die stark
gestiegene Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien, die Überführung weiterer
Braunkohlekraftwerksblöcke in die Sicherheitsbereitschaft sowie der generelle Rückgang des Stromverbrauchs.

Detaillierte Angaben zum Primärenergieverbrauch in Deutschland finden sich auf der Website der AG Energiebilanzen

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