15. Juni 2012, Berlin

Statement für die Presse:

Hildegard Müller zur Verabschiedung der Systemstabilitätsverordnung durch den Bundesrat

"Für das Gelingen des Generationenprojekts Energiewende ist mehr Systemverantwortung der Erneuerbaren Energien von entscheidender Bedeutung. Die jetzt durch den Bundesrat beschlossene Nachrüstpflicht für Photovoltaikanlagen, die vor dem 1. Januar 2012 ans Netz gegangen sind, ist somit ein wichtiger Schritt für mehr Stabilität im Stromnetz und mehr Versorgungssicherheit in Deutschland. Die Energiewirtschaft unterstützt grundsätzlich den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und investiert dafür jährlich Milliardenbeträge. Trotzdem muss nicht nur die Kostenseite, sondern auch die Stabilität der Netze ständig im Auge behalten werden.

Mit der heute verabschiedeten Systemstabilitätsverordnung werden die Stromverteilnetzbetreiber verpflichtet, die erforderlichen Nachrüstungen innerhalb von drei Jahren durch von ihnen beauftragte Fachfirmen auszuführen. Die Kosten sollen je zur Hälfte über die EEG-Umlage und die Netzentgelte weitergegeben werden. Es ist erfreulich, dass der Bundesrat die von der Bundesregierung ursprünglich vorgesehene Systematik der Kostenwälzung abgelehnt hat. Diese hätte die kleinen und mittleren Netzbetreiber benachteiligt. Die Energiewirtschaft begrüßt, dass der Bundesrat die Verordnung angepasst hat, so dass die Kosten für die Nachrüstung für Photovoltaikanlagen auch im sogenannten vereinfachten Verfahren der Anreizregulierung berücksichtigt werden. Der BDEW hatte sich im Bundesratsverfahren für diese aus Sicht der Netzbetreiber bessere Lösung eingesetzt."

Zum Hintergrund: Ältere Photovoltaikanlagen trennen sich bei einer Überschreitung der Netzfrequenz von 50,2 Hertz unverzüglich vom Netz. Damit ergeben sich aufgrund der entstehenden Spannungsschwankungen erhebliche Risiken für den Netzbetrieb. Wird der Frequenz-Schwellenwert zu einem Zeitpunkt mit hoher Photovoltaik-Einspeisung überschritten, schalten sich im Extremfall zeitgleich mehrere Gigawatt an Einspeiseleistung ab. Der resultierende Leistungssprung kann signifikant höher sein als die europaweit vorgehaltene Primärregelleistung, so dass die Leistungsfrequenzregelung die Netzfrequenz nicht mehr stabilisieren kann. Zudem kann ein näherungsweise zeitgleiches Wiederzuschalten der dezentralen Erzeugungsanlagen bei einer Frequenzerholung zu einem erneuten Überschreiten der Frequenz von 50,2 Hz und damit zu einem erneuten Abschalten der Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz führen ("Jo-Jo"-Effekt).

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