06. September 2012, Berlin

Statement für die Presse:

BDEW zum heutigen Start der Konsultation des Netzentwicklungsplans (NEP) Strom der Bundesnetzagentur

"Die Energiewirtschaft wird den von der Bundesnetzagentur eingeleiteten Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit weiter konstruktiv begleiten. Der durch die Bundesnetzagentur am Ende des Konsultationsprozesses zu bestätigende Netzausbauplan wird die verbindliche Grundlage für den Netzausbau der Übertragungsnetzbetreiber. Die darin enthaltenen, bundesländerüber-greifenden und grenzüberschreitenden Höchstspannungsleitungen werden separat erfasst und als Entwurf eines Bundesbedarfsplans der Bundesregierung zugeleitet, der dann vom Deutschen Bundestag zu verabschieden ist. Wir erhoffen uns am Ende von diesem gesetzlichen Verfahren eine hohe Verbindlichkeit und eine Beschleunigung des Netzausbaus in Deutschland, was zum Gelingen der Energiewende existenziell ist.

Der BDEW weist aber auch darauf hin, dass eine wesentliche Rahmenbedingung für den Ausbau auf der Übertragungsnetzebene die Entwicklungen in den regionalen Verteilnetzen sind. Daher sollte im Auge behalten werden, dass nicht nur der Um- und Ausbau des Übertragungsnetzes, sondern auch des Verteilnetzes vorangetrieben wird. Denn nahezu alle Solar-Anlagen und weit über 90 Prozent der Nettoleistung aller Windkraftanlagen sind an das Verteilnetz angeschlossen. Aufgrund der richtungswechselnden und schwankenden Lastflüsse der dezentralen erneuerbaren Erzeugungsanlagen auf dieser Ebene ist deren Einfluss auf die Übertragungsnetze im Verlauf des weiteren Verfahrens unbedingt ausreichend zu berücksichtigen.

Der Netzentwicklungsplan zeigt diejenigen Projekte auf, die in den nächsten drei Jahren für einen sicheren Systembetrieb zwingend umgesetzt werden müssen. Er kann als die Blaupause für den Bundesbedarfsplan zum Netzausbau angesehen werden. Dieser Bundesbedarfsplan muss so schnell wie möglich verabschiedet werden. Wir appellieren daher an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Dazu ist der Netzausbau zu dringlich.

Mit Blick auf die Diskussion über die Grundannahmen des Netzentwicklungsplans zum Übertragungsbedarf von Strom aus den verschiedenen Erzeugungsquellen verzeichnen wir einen rasanten Zubau an Erneuerbaren Energien. Dieser hat bislang alle Erwartungen übertroffen. Es ist deshalb nur konsequent, dieser Entwicklung auch im Netzentwicklungsplan Rechnung zu tragen. Der von den Übertragungsnetzbetreibern ermittelte Bedarf zur Optimierung, Verstärkung und zum Ausbau des Stromnetzes für die Jahre 2022 und 2032 spiegelt richtigerweise auch die Erfordernisse einer jederzeit sicheren Stromversorgung wider. Darauf können wir als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht verzichten.

Der Netzentwicklungsplan weist darüber hinaus zu Recht auf die Wechselwirkung zwischen Übertragungs- und Verteilungsnetz hin. Es müssen jetzt schnellstmöglich die gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die neben dem Um- und Ausbau der Übertragungsnetze auch den zukünftig dringend erforderlichen Aus- und Umbau der Verteilernetze vorantreiben. In der BDEW-Verteilnetzstudie haben die Gutachter alleine durch den Ausbau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen einen Ausbaubedarf des Netzes auf über 380.000 Kilometer ermittelt, wenn das Leitszenario des Bundesumweltministeriums zum Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2020 zugrunde gelegt wird. Die daraus entstehenden Kosten belaufen sich nach den Schätzungen der Studie auf bis zu 27 Milliarden Euro. Die Entwicklungen in den Verteilnetzen müssen aufgrund der vorhanden Schnittstellen daher sachgerecht im Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber abgebildet werden.

Es ist bislang vorgesehen, den Netzentwicklungsplan künftig jährlich vorzulegen. Zusätzlich soll auch der Szenariorahmen, in dem die Übertragungsnetzbetreiber die wahrscheinlichen Entwicklungen bei Energieverbrauch und Erzeugung darstellen, jährlich aktualisiert werden. Hinzu kommt die alle drei Jahre vorgesehene Anpassung des Bundesbedarfsplans. Dieses Verfahren bedeutet eine erhebliche organisatorische Herausforderung für alle beteiligten Akteure, die möglicherweise außer Verhältnis zu den jeweils aktuellen Erkenntnisgewinnen in einem unterjährigen Anpassungszeitraum liegen. Der BDEW regt daher an, zukünftig nur noch alle zwei Jahre einen Netzentwicklungsplan zu erstellen. Dies würde erhebliche organisatorische Erleichterungen bedeuten und den Konsultationsprozess weiter verbessern. Auch die Ergebnisse des ebenfalls alle zwei Jahre vom Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E vorgelegten 'Ten Year Network Development Plan' könnten dann besser berücksichtigt werden."

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