08. November 2012, Berlin

BDEW zum Festlegungsverfahren "Redispatch" der Bundesnetzagentur:

Hildegard Müller: "Von Angemessenheit keine Spur"

Neuregelung der Vergütung von Redispatch-Maßnahmen weist gravierende Mängel auf / Branchenverband rechnet mit Klagen

"Die Festlegungen der Beschlusskammern 6 und 8 der Bundesnetzagentur gefährden die Wirtschaftlichkeit thermischer Kraftwerke zusätzlich." Das sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasser-wirtschaft (BDEW), nach den Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur im Festlegungsverfahren "Redispatch". "Statt einer adäquaten und fairen Vergütung für ihre unerlässlichen netzstabilisierenden Redispatch-Einsätze werden thermischen Kraftwerken unverhältnismäßige Lasten auferlegt. Von Angemessenheit findet sich keine Spur", kritisierte Müller.

Die Gefährdung der Systemstabilität der deutschen Stromnetze im Zuge der Energiewende, insbesondere durch die vorzeitige Stilllegung von acht Kernkraftwerken, veranlasste die Bundesnetzagentur bereits im Frühjahr 2011, ein Festlegungsverfahren zur Neuregelung von Redispatch-Maßnahmen einzuleiten. Parallel dazu beschloss die Bundesregierung eine von der Energiewirtschaft ebenfalls stark kritisierte Novellierung des Paragraphen 13 im Energiewirtschaftsgesetz.

Die nun von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Beschlüsse für die Neuregelung der Vergütung von Redispatch-Maßnahmen weisen nach Einschätzung des BDEW gravierende Mängel auf: "Obwohl die zunehmend angespannte Situation unserer Stromnetze insbesondere ein Ergebnis der tiefen energiepolitischen Eingriffe in den Stromerzeugungsmarkt ist, sollen vor allem die systemstützenden thermischen Kraftwerke die Zeche zahlen. So wird nach wie vor die zentrale Forderung nicht erfüllt, dass die Vergütungsregelung einen Kraftwerksbetreiber, dessen Kraftwerke zu Redispatch-Maßnahmen aufgerufen werden, im Vergleich zu den anderen Akteuren am Strommarkt so stellen muss, als hätte es diese Aufrufe nicht gegeben. Eine faire und adäquate Vergütung ist nicht gegeben, solange wichtige Kosten- und Aufwandspositionen nicht anerkannt und vergütet werden", betonte Müller.

"Damit nicht genug, legt die Behörde auch noch eine Bagatellgrenze fest, bis zu der die zu Redispatch-Maßnahmen aufgerufenen Kraftwerke nur eine Pauschalvergütung erhalten sollen, die sich an historischen Strompreisen aus den letzten vier Wochen ableitet", erläuterte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Der BDEW hatte in den letzten Monaten schon mehrfach Vorschläge unterbreitet, wie eine faire, adäquate und den realen Kraftwerksbetrieb berücksichtigende Regelung für die Vergütung von Redispatch-Maßnahmen entwickelt werden könnte, die von der Bundesnetzagentur zum überwiegenden Teil nicht aufgegriffen wurden.

Darüber hinaus weist der Branchenverband darauf hin, dass durch Redispatch-Maßnahmen bei Speicheranlagen eine erhebliche Einschränkung in deren Flexibilität erfolgt. Müller: "Die Wirtschaftlichkeit von Speichern ergibt sich aber gerade aus dem optimalen Einsatz dieser Flexibilität, die nun durch Redispatch-Maßnahmen eingeschränkt wird. Die Festlegung sieht allerdings auch hier keine angemessene Vergütung dieser Einschränkungen vor." Vor dem Hintergrund des zukünftig erforderlichen Speicherbedarfs stelle dies keine adäquate Regelung dar. Aufgrund der besonderen energiewirtschaftlichen Bewertung von Pumpspeicher-Kraftwerken, die nicht in die Verordnungssystematik passt, sollten diese Kraftwerke von der Verordnung ausgenommen werden, schlägt der BDEW vor.

"Zusammenfassend ist daher nicht hinzunehmen, dass auf der einen Seite Stromeinspeisungen aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, die eine wesentliche Ursache für die übermäßigen Netzbelastungen darstellen, in diesem Jahr durchschnittlich mit dem Sechs- bis Achtfachen des Börsenstrompreises an der EPEX vergütet werden, während auf der anderen Seite den thermischen Kraftwerken, die diese kritischen Netzsituationen abwenden sollen, dafür eine auskömmliche, faire und adäquate Vergütung verwehrt wird. Es ist davon auszugehen, dass es von Seiten der betroffenen Kraftwerksbetreiber zu Klagen gegen dieses Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur kommen wird", so Müller.

Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.

Ansprechpartner

Mitglieder können hier nach dem Login die Kontaktdaten der Ansprechpartner zu den jeweiligen Themen einsehen