29. Mai 2013

BDEW-Untersuchung zu Einsparverpflichtungssystemen in Europa

Bei der Verbesserung der Energieeffizienz weisen EU-Staaten mit Energieeinsparverpflichtungssystemen keine größeren Erfolge auf als Deutschland, wo es solche Verpflichtungen für Energieversorger nicht gibt. Das ist das Ergebnis einer Analyse entsprechender Daten, die der BDEW als Reaktion auf die Diskussion um Energieeinsparverpflichtungssysteme vorgenommen hat. Viele Erfolgsmeldungen aus Ländern mit Einsparverpflichtungssystemen erweisen sich bei näherem Hinsehen als Luftbuchung.

Die europäische Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet in ihrem Artikel 7 die EU-Staaten dazu, im Zeitraum von 2014 bis 2020 insgesamt 42 Prozent ihres durchschnittlichen jährlichen Endenergieabsatzes der Jahre 2010 bis 2012 einzusparen. Als eine Option zur Erreichung dieser Vorgabe schlägt sie die Einführung sogenannter Einsparverpflichtungssysteme für Energieunternehmen vor. Mit solchen Systemen sollen die Energieunternehmen verpflichtet werden, Maßnahmen bei ihren Kunden umzusetzen, die zu Energieeinsparungen führen können. In einigen europäischen Nachbarstaaten wie Großbritannien, Frankreich, Italien oder Dänemark gibt es bereits solche Systeme, die nach Ansicht ihrer Befürworter als Vorbild für Deutschland dienen können. Dabei bleiben die Aussagen zum Teil sehr an der Oberfläche, insbesondere was Wirkung und Kosten dieser Systeme angeht. Der BDEW hat darum statistische Daten und Fakten zusammengetragen und analysiert, die die Funktionen und Wirkungen der Systeme näher beleuchten. Datenbasis waren vor allem die Publikationen der Statistikbehörde der EU (Eurostat) und der Weltbank, aber auch Veröffentlichungen der jeweiligen nationalen Behörden, die mit Umsetzung und Kontrolle der Einsparverpflichtungssysteme befasst sind.

Das wichtigste Ergebnis vorab: Keines der untersuchten Länder schneidet hinsichtlich der Entwicklung von Energieverbrauch und Energieeffizienz besser ab als Deutschland. Im Gegenteil ist Deutschland in Europa das einzige Land, dem es bisher gelungen ist, Energieverbrauch und wirtschaftliche Entwicklung dauerhaft zu entkoppeln. Die Einsparverpflichtungssysteme in den Nachbarstaaten sind kein Modell für Deutschland. 

Die bisher realisierten Einsparverpflichtungssysteme haben zum Teil erhebliche Schwächen, die, wie zum Beispiel in Großbritannien oder Italien, durch regelmäßige, zum Teil gravierende Systemanpassungen ausgeglichen werden müssen. So haben zum Beispiel in einer ersten Verpflichtungsperiode die britischen Versorger insgesamt 300 Millionen Energiesparlampen kostenlos und zum Teil (ca. 180 Millionen Lampen) unaufgefordert an ihre Kunden verteilt, ohne die weitere Verwendung dieser Geschenke zu überprüfen. Dennoch konnten sich die Energieversorger die dadurch erzielte theoretische Energieeinsparung voll auf ihre Einsparverpflichtung anrechnen lassen. 

In Italien, dem einzigen Land, in dem die erzielten Einsparzertifikate auch gehandelt werden können, kam es in der ersten Verpflichtungsperiode zu erheblichen Kostensteigerungen, weil einzelne Unternehmen mit den gehandelten Zertifikaten spekulieren konnten und sich dadurch der Zertifikatepreis innerhalb kurzer Zeit verdoppelt hat. Dabei waren die zugrunde liegenden Maßnahmen eher unspektakulär. Der Großteil der Maßnahmen bestand aus dem Verteilen von Energiesparlampen (50 Prozent) und wassersparenden Duschköpfen (29 Prozent).

In allen Ländern bestanden die in den entsprechenden Katalogen aufgeführten Maßnahmen ganz überwiegend aus standardisierten, kurzfristigen und geringinvestiven Maßnahmen. Komplexere Maßnahmen, wie sie etwa im Bereich der energetischen Gebäudesanierung notwendig sind, kamen kaum vor bzw. wurden kaum umgesetzt.

Allen Systemen gemeinsam ist, dass sie im Laufe der Zeit zunehmend teurer werden, sowohl für die staatlichen Verwaltungen als auch für die Energieunternehmen und damit letztlich für deren Kunden. Auch müssen alle Länder mit Einsparverpflichtungssystemen ihre Systeme umstellen, wenn sie den Anforderungen der Energiedienstleistungsrichtlinie entsprechend sollen. So gilt zum Beispiel im dänischen System auch die Umstellung auf erneuerbare Energieträger als anrechenbare Einsparung: Dies lässt die Energieeffizienzrichtlinie jedoch nicht mehr zu.

Ein Auszug der Untersuchung steht als Foliensatz zur Verfügung, die Studie selbst kann bei der BDEW-Hauptgeschäftsstelle angefordert werden.

Die Untersuchung zeigt, dass die ablehnende Haltung des BDEW gegenüber solchen Verpflichtungssystemen berechtigt ist. Die weitere Förderung und Entwicklung eines Marktes für Energiedienstleistungen ist kosteneffizienter und langfristig erfolgversprechender.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kaemper@bdew.de

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