Nationales Forum Energiewende

Wie eine neue Politik zu einem Erfolg werden kann: Ein Aufruf von WWF und Energiewirtschaft.

Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des BDEW und Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klima und Energiepolitik beim WWF. (v. l.)

Frau Günther, Frau Müller: Mit Ihrer Initiative, ein „Nationales Forum Energiewende“ einzurichten, gehen Sie eine völlig neue Allianz ein. Energiewirtschaft und Umweltverbände haben bisher eher unterschiedliche Positionen beim Thema Energieversorgung eingenommen. Welche gemeinsamen Interessen verfolgen Sie mit Ihrer Initiative?

Hildegard Müller: Wir haben das gleiche Ziel: das Gelingen der Energiewende. Wir sind uns einig, dass dieses Ausnahmeprojekt nur im Schulterschluss erfolgreich zu bewältigen ist. Dazu haben wir bereits viele Gespräche geführt; zum Teil sehr kontroverse, aber auch viele verbindende. Aber genau darum geht es. Nur wenn wir aus verschiedenen Blickwinkeln Probleme gemeinsam diskutieren, werden wir praktikable Lösungen für eine intelligente und nachhaltige Energieversorgung finden, von denen am Ende Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft profitieren.

Regine Günther: Mit der Energiewende ergibt sich eine neue Qualität von Herausforderungen und Chancen. Der Großkonflikt Atomausstieg ist dauerhaft abgeräumt, der nun notwendige Einstieg in ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien erfordert neue Ideen, konstruktives Handeln und vor allem konkrete Ergebnisse. Gerade weil es darum geht, die Energiewende zu einem dauerhaften gesellschaftlichen Projekt zu machen und die Gestaltung der Energiewende mit allen relevanten Akteuren voranzutreiben, können wir uns ein Verharren in den alten Gräben nicht leisten. Auch wenn wir natürlich in einer Reihe von Punkten auch zukünftig unterschiedliche Interessen und Positionen vertreten werden, können und müssen gerade bisher ungewöhnliche Formen der Zusammenarbeit das gesellschaftliche und politische Moment für den Erfolg der Energiewende verstärken.

Das geplante „Nationale Forum Energiewende“ klingt ähnlich komplex und herausfordernd wie die Energiewende selbst. Alle wichtigen Akteure, Interessierte und Betroffene sollen im Forum zusammengebracht werden. Wie wollen Sie insbesondere der Bevölkerung die Idee des Forums näherbringen und die Bürger für die Mitarbeit gewinnen?

Müller: Wir sollten die Bevölkerung nicht unterschätzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Bürger großes Interesse und Bereitschaft zeigen, sich mit der Energiewende auseinanderzusetzen. Über das Forum wollen wir ihnen dazu die Möglichkeit geben. Wir wollen die Bürger umfassend und verständlich über die Energiewende informieren. Und wir wollen den intensiven Dialog mit ihnen fortsetzen und sie an der Umsetzung der Energiewende aktiv teilhaben lassen.

Günther: Eine breite Verankerung der Energiewende in unserer komplexen Gesellschaft ist nun einmal eine komplexe Aufgabe. Gerade weil es um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmen für riesige Investitionen geht, um Innovationstempo in bisher ungekannter Größenordnung und vielfältige Formen der Teilhabe. Als Umweltverband erleben wir hautnah, wie groß das Bedürfnis nach umfassender Beteiligung ist. Es geht um die Bündelung von Themen und die konzertierte Suche nach fairen Lösungen.

Ihr Konzept liegt auf dem Tisch. Welche konkreten Schritte folgen jetzt? Wann kann und muss das Forum – realistisch gesehen – an den Start gehen und seine Arbeit aufnehmen?

Müller: Unser Vorschlag liegt nun auf dem Tisch. Wir haben darin klargemacht, dass es eines starken, nationalen Mandats bedarf. Am besten ein Beschluss des Deutschen Bundestages. Ob und wie es weitergeht, liegt nun also in der Hand der Politik. Wir stehen auf jeden Fall für Gespräche zur Verfügung. Wenn der Wille da ist, kann es ganz schnell gehen.

Günther: Wir wünschen uns, dass das Forum spätestens direkt nach der nächsten Bundestagswahl ins Leben gerufen wird – gerne aber auch früher. Wir müssen jetzt die Zeit für breite Diskussionen über die genaue Strukturierung und die verschiedenen Beteiligungsformen nutzen.

Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.

Weitere Informationen

Artikel vom 06.12.2012 in Die Zeit von Regine Günther und Hildegard Müller:
Energiepolitik: Rettet die Wende!

Konzept-Papier:
Nationales Forum Energiewende (PDF)
Eine gemeinsame Initiative von BDEW und WWF Deutschland

Interview entnommen aus dem BDEW-Magazin "Streitfragen!" (04/2012).