11. Juli 2011

NERA-Gutachten im Auftrag des BDEW zu Eigenkapitalzinssätzen:

Deutschland verliert international Anschluss bei Investitionsbedingungen für Gas- und Stromnetze

Aktueller Vergleich zeigt: Verzinsung in Deutschland ist nicht attraktiv

Berlin, 11. Juli 2011 - "Für die beschlossene Energiewende in Deutschland sind massive Investitionen in Energienetze notwendig. Deshalb müssen die Investitionsbedingungen für Gas- und Stromnetze attraktiver werden, um das notwendige Kapital aktivieren zu können. Deutschland liegt beim Eigenkapitalzins für Neuanlagen weit unter dem europäischen Durchschnitt. Das zeigt ein aktuelles Gutachten, das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Auftrag gegeben hat. Darin wird deutlich, dass der deutsche Netzmarkt derzeit für Investoren wenig interessant ist. Dies sollte die Bundesnetzagentur bei der neuen Festlegung der Zinssätze für die Gasnetze im Herbst und später auch für die Stromnetze unbedingt berücksichtigen", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Der Finanzanalyst NERA Economic Consulting kommt in dem vom BDEW in Auftrag gegebenen Gutachten "Die kalkulatorischen Eigenkapitalzinssätze für Gasnetze in Deutschland" zu dem Ergebnis, dass andere Regulierungsbehörden in Europa im Gasnetzbereich Nominalzinssätze von bis zu zwölf Prozent gewähren. Auch ein Vergleich mit der amerikanischen Regulierungspraxis zeigt, dass dort Eigenkapitalzinssätze von durchschnittlich fast zwölf Prozent vom Regulierer festgelegt werden. Darüber hinaus werden im Ausland häufig zusätzliche Investitionsanreize gewährt, so das Gutachten. Um Investitionen in Deutschland interessant zu machen, müsste nach Ermittlung von NERA in Deutschland ein vergleichbarer nominaler Eigenkapitalzins zumindest in Höhe von 11,6 Prozent festgelegt werden.

"Die Regulierung in Deutschland hat bisher wenig Investitionsanreize gesetzt und einen Fokus auf Kostensenkungen gelegt", stellte Hildegard Müller fest. Der aktuelle Nominalzinssatz für Neuanlagen liegt bei 9,29 Prozent. "Durch die Anreizregulierung kommen aufgrund des Zeitverzugs letztendlich beim Netzbetreiber derzeit aber nur vier bis fünf Prozent an", erklärte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Das Gutachten zeigt auch, dass die deutschen Energienetzbetreiber höheren Risiken als andere europäische Energienetzbetreiber ausgesetzt sind, da der deutsche Regulierungsrahmen derzeit nicht ausgereift und verlässlich sei. Zum gleichen Ergebnis kam auch eine Studie des europäischen Branchenverbandes Eurelectric aus Brüssel. In Deutschland besteht eine hohe Unsicherheit bei den Netzbetreibern zur Ausgestaltung der heutigen Anreizregulierung. Stetigkeit und damit Planungssicherheit des Regulierungsrahmens ist für die deutschen Netzbetreiber derzeit nicht gegeben, so das Gutachten.

Hildegard Müller: "Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen sich die Investitionsbedingungen verbessern. Investitionen in Energienetze haben verglichen mit vielen anderen Industrieinvestitionen eine besonders lange Bindung. Es ergibt sich eine hohe und langfristige Kapitalbindung von bis zu 40 Jahren und länger. Der Festlegung der Zinssätze im Herbst dieses Jahres durch die Bundesnetzagentur kommt insofern eine besondere Signalwirkung für die Energiewende zu."

Mit dem von der Bundesregierung beschlossenen Gesetzespaket für die Energiewende wird der Weg in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien beschrieben. Die bis in das Jahr 2050 reichende Gesamtstrategie zeigt auf, dass die heutigen Energieversorgungsstrukturen mittel- bis langfristig grundlegend umgebaut werden müssen. Analysen des BDEW gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren allein im Verteilnetz für Strom rund 25 Prozent an zusätzlichen Leitungen gebaut werden müssen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur investieren schon heute Gasnetzbetreiber etwa 840 Millionen Euro und Stromnetzbetreiber etwa 3,1 Milliarden Euro pro Jahr (2009).

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