08. September 2011

Vorschlag der Bundesnetzagentur über die Höhe der Netzrenditen 2012:

Netzagentur gefährdet Netzausbau in Deutschland

BDEW: Regulierungsbehörde will Investitionsbedingungen für Investoren weiter verschlechtern / Bereits heutige Verzinsung real nicht erreichbar

Berlin, 8. September 2011 - "Die Bundesnetzagentur will auf die dringend notwendigen Investitionen in den Ausbau der Stromnetze mit einer Verschlechterung der Investitionsbedingungen reagieren. Das ist ein erstaunlicher Vorgang. Politik und Wirtschaft sind sich einig: Die Energiewende schaffen wir nur, wenn sowohl die Übertragungs- als auch die Verteilnetze in Deutschland schnellstmöglich und massiv ausgebaut werden. Die jetzt bekannt gewordene Vorstellung der Bundesnetzagentur, die Verzinsung des für Netzinvestitionen eingesetzten Kapitals um über einen Prozentpunkt zu senken, läuft dem Umbau unseres Energiesystems völlig zuwider", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heute anlässlich des von der Bundesnetzagentur eröffneten Konsultationsverfahrens zur Festlegung der Eigenkapitalzinssätze für Strom und Gas. Der Festlegungsentwurf der Behörde sieht einen Eigenkapitalzinssatz in Höhe von 8,2 Prozent für Neuanlagen vor Körperschaftsteuer vor. "Es erstaunt, dass die Bundesnetzagentur eine Konsultation über die Höhe des künftigen EK-Zinssatzes startet, gleichzeitig aber schon die aus ihrer Sicht angemessene Höhe der Verzinsung verkündet."

"Der Vorschlag der Bundesnetzagentur ist eine regelrechte Aufforderung an Investoren, nicht mehr in Deutschland zu investieren, sondern im Ausland, wo sie deutlich bessere Investitionsbedingungen vorfinden. Schon der heutige Nominalzinssatz von 9,29 Prozent liegt zum Teil deutlich hinter den Sätzen in anderen europäischen Ländern zurück: Die Regulierungsbehörden in Europa gewähren im Durchschnitt nominale Eigenkapitalzinssätze um die 10 Prozent. Und in den USA werden Zinssätze von fast 12 Prozent genehmigt", so Müller. Zusätzlich gewährten Regulierungsbehörden in Frankreich, Österreich, Portugal und Italien Investitionszuschläge, die den jeweiligen Zinssatz zusätzlich erhöhen.

"Um die gewaltigen Investitionen finanzieren zu können, braucht die Energiewirtschaft eine marktadäquate Regulierung. Andernfalls lässt sich das notwendige Kapital nicht aufbringen", so die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Müller verwies zudem darauf, dass die heute von der Bundesnetzagentur anerkannte Rendite von 9,29 Prozent in der Realität von den Unternehmen nicht erreicht werden könne. Maßgeblich hierfür ist hauptsächlich der Zeitverzug von bis zu sieben Jahren bis zur Berücksichtigung von Investitionen in der Netzregulierung. "Durch die nur zeitversetzte Anerkennung von Investitionskosten kommen beim Netzbetreiber derzeit nur vier bis fünf Prozent an. Dieser Zinssatz liegt weit hinter anderen Ländern, die deshalb für Investoren im Netzbereich attraktiver sind. Der BDEW wird in dieser Auffassung durch mehrere Gutachten unterstützt."


Weitere Informationen

Jan Ulland
Stv. Pressesprecher
Telefon 0 30 / 300 199-1162
E-Mail presse@bdew.de
Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.