27. April 2012

BDEW-Studie Informations- und Dienstleistungsangebote von Energielieferanten zur Steigerung der Energieeffizienz

80 Prozent der deutschen Energieversorger (EVU) stellen auf ihren Websites Informationen zum Thema Energieeffizienz bereit. Dabei stehen Energiespartipps für Haushaltskunden im Vordergrund. Das geht aus einer neuen BDEW-Studie hervor. Informationen über kostenpflichtige Energiedienstleistungen gibt es in weniger als einem Drittel der untersuchten Internetauftritte. Unter den kostenpflichtigen Angeboten dominiert bisher der Wärmeservice. Auch wenn die Studie bereits zahlreiche EVU-Angebote für Energiedienstleistungen zeigt, bietet sich hier doch noch viel ungenutztes Potenzial.

Im Zeitraum August bis November 2011 hat der BDEW eine Bestandsaufnahme von Informations- und Dienstleistungsangeboten von Energielieferanten zur Steigerung der Energieeffizienz durchführen lassen. Dazu wurden in einer ersten Stufe die Internetauftritte von 300 Energieversorgungsunternehmen auf ihre Informationen und Inhalte zu Energieeffizienz und Energiedienstleistungsangeboten untersucht. Anschließend wurden hieraus 60 Unternehmen ausgewählt und telefonisch zu diesem Angebot und ihren Motiven hierzu befragt. Insgesamt sind die Inhalte und die Motivlage für den Auf- und Ausbau der Internetauftritte sehr heterogen, von allgemeinen Informationen und eher unspezifischen Kundenbindungsgedanken bis zum Ausbau eines segmentorientierten Internetauftritts als zusätzlichen Vertriebskanal für Energiedienstleistungen. Die Studie wurde von der Unternehmensberatung management consult durchgeführt. Die durchschnittliche Auswertungsdauer pro Internetauftritt betrug rund 42 Minuten.

Neben einer Unterteilung nach Regionen und nach Größenklassen wurde zwischen segmentspezifischen und unspezifischen Internetseiten unterschieden. Bei ersteren ist das Angebot nach Kundensegmenten (Privat- vs. Geschäftskunden) unterteilt, bei letzteren nicht.

Ergebnisse der Bestandsaufnahme
Grundsätzlich zeigt sich bei der Analyse, dass 80 Prozent der EVU online Informationen zum Thema Energieeffizienz bereitstellen, wobei große EVU dies mit 85 Prozent häufiger tun als kleine und mittlere Anbieter mit 78 Prozent. Ebenso stellen Mehrsparten-EVU häufiger Informationen zum Thema Energieeffizienz bereit als Einsparten-Anbieter (91 Prozent zu 63 Prozent).

Zu den Motiven für ihr Angebot befragt, zeigte sich in den Interviews, dass für die Unternehmen im Hinblick auf das Thema Energieeffizienz mit 43 Prozent das Thema Kundenberatung bzw. Kundeninformation die zentrale Motivation darstellt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben von nur zwölf Prozent der Befragten als Grund für das Angebot gesehen wird, das heißt die Unternehmen entwickeln ihr Angebote ganz überwiegend aus eigenem Antrieb.

Erst bei einem Viertel der EVU sind die Informationen nach Kundensegmenten differenziert. In diesen Fällen finden sich auf 95 Prozent der Seiten Angebote speziell für Privatkunden und auf 78 Prozent der Seiten Angebote speziell für Gewerbekunden. Inhaltlich stehen Energiespartipps besonders für Haushaltskunden im Vordergrund. Tipps zum Thema Heizen und Lüften sind auf den meisten Seiten vorhanden. Ebenso enthalten die Seiten ein breites Spektrum an Tipps zur Optimierung des (Warm-)Wasserverbrauchs sowie zum Thema Waschen und Trocknen. Auch die Spartipps zu den Themen Kochen, Backen, Küche, Kühlen und Gefrieren, Beleuchtung, Computer und Unterhaltungselektronik sowie Geschirrspülen sind auf über der Hälfte der Websites zu finden.

Konkrete Tipps für Gewerbe- und Industriekunden finden sich auf etwa einem Drittel der segmentspezifischen Internetseiten. Dabei liegt der Fokus auf Tipps zu den Themen Computer / Büroelektronik sowie Beleuchtung. Weitere Querschnittstechnologien oder produktionstechnische Hinweise finden sich selten bis gar nicht.

Erfasst wurden auch die Verweise auf externe Informationsquellen zum Thema Energieeffizienz. Die Top 3 der verlinkten Seiten waren dabei: www.bafa.de, www.dena.de und www.ganz-einfach-energiesparen.de, ein Angebot des BDEW.

Ausbaufähiger Vertriebskanal
Weniger als die Hälfte der Internetseiten enthält Informationen zu Angeboten von kostenpflichtigen Energiedienstleistungen. Diese finden sich vor allem auf segmentspezifischen Seiten für Gewerbekunden. Befragt zur Motivation, geben über 70 Prozent der Unternehmen auch beim Angebot kostenpflichtiger Dienstleistungen Kundenbindung als Hauptmotiv an. Als Hauptgrund, keine Dienstleistungen anzubieten, geben die Unternehmen Kapazitätsprobleme an. Die Mehrzahl der größeren Unternehmen, die derzeit noch keine Leistungen anbieten, befindet sich momentan in der Planungsphase (60 Prozent). Insgesamt plant rund ein Drittel der Unternehmen, die derzeit noch keine entsprechenden Leistungen anbieten, ein zukünftiges Angebot an kostenpflichtigen Energiedienstleistungen.

Bei den bisherigen kostenpflichtigen Angeboten ist Wärmeservice mit fast 60 Prozent die am häufigsten angebotene Dienstleistung. Rund die Hälfte der Websites enthält auch Angebote zum Thema Energieausweis oder Verbrauchsdaten, gefolgt von Gebäudethermografie mit 35 Prozent sowie Beratung, Planung oder Neubau von energietechnischen Anlagen mit 20 Prozent.

Insgesamt lässt die Studie erkennen, dass es bereits viele gute und strukturierte Angebote von Energiedienstleistungen auf den Internetseiten der Energieunternehmen gibt, es bei vielen Unternehmen aber auch noch erhebliches Potenzial für Verbesserungen und Professionalisierung des Angebotes gibt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der politischen Energieeffizienz- und Energieeinsparziele bieten sich hier für die Unternehmen zusätzliches Ertragspotenziale. Die Zusammenfassung der Studie steht unter "Anlagen und Materialien" zum Herunterladen bereit.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kämper@bdew.de

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