01. November 2012

BDEW-Umfrage zum Angebot der Energieversorger an Energieberatung

Eine im Sommer 2012 bei den BDEW-Mitgliedsunternehmen durchgeführte Befragung zeigt die hohe Qualität und die gute Kundenakzeptanz des Angebotes von Energieberatungen der Energieversorger auf. Einige Auszüge aus den Ergebnissen werden im Folgenden dargestellt.

Energiedienstleistungen und hier speziell Energieberatungsangebote rücken zunehmend in den Fokus der politischen Debatte. Vor diesem Hintergrund hat der BDEW eine Erhebung bei seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt, um die Qualität und das aktuelle Angebot an Energieberatungen der Energieversorger zu ermitteln.

Von den 978 angeschriebenen Unternehmen konnten 368 gültige Rückmeldungen ausgewertet werden. Die antwortenden Unternehmen decken etwa 70 Prozent des Strommarktes und 50 Prozent des Gasmarktes ab. Insgesamt ergab die Auswertung der Befragung ein sehr positives Bild des Beratungsangebotes. In Verbindung mit der bereits 2011 durchgeführten Studie zum Internetangebot der Unternehmen (BDEW direkt 5/2012) zeigt sich, dass Kunden der Energieversorger auf ein breites und fachlich fundiertes Beratungsangebot zurückgreifen können.

Unter anderem wurden auch die Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) abgefragt. 52 Prozent der Energieversorger gaben an, bereits bei der Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) auf der Liste der Anbieter von Energieaudits vertreten zu sein oder die Eintragung vorzubereiten. Von den 21 Prozent der Unternehmen, die keine Eintragung planen, waren dies zu 90 Prozent Unternehmen der kleinsten Kategorie (weniger als 50.000 Kunden).

Informationen zur Anbieterliste der BfEE sowie zu weiteren Beratungsangeboten geben 60 Prozent der Unternehmen durch einen Hinweis im Rahmen der Abrechnung des Energieverbrauchs. Bislang noch gar keinen Hinweis geben nur etwa 25 Prozent der Unternehmen.

Breites Angebot an Energieberatung
Die Energieversorger bieten Energieberatung in vielfältiger Form an. Den Spitzenplatz nimmt die stationäre Energieberatung mit einem Anteil von 70 Prozent ein. Jeweils etwa gleich stark vertreten mit 60 Prozent sind Vor-Ort-Beratungen im Bereich Gewerbe und Industrie sowie bei Wohngebäuden. Am wenigsten verbreitet sind Angebote zur Erstellung von Energiekonzepten sowie kommunale Energie- und Beratungskonzepte mit jeweils knapp über 30 Prozent.

Betrachtet man die Beratung nach Kundensegmenten, so sind grundsätzlich alle Bereiche zu mindestens 50 Prozent vertreten, wobei kommunale Unternehmen und Industriekunden mit etwa 50 Prozent tendenziell die kleinere Zielgruppe sind. Gewerbe, kleinere und mittlere Unternehmen (76 Prozent) sowie private Haushalte (86 Prozent) werden als die Hauptzielgruppen angesehen.

Bei der Durchführung derartiger Beratungsmaßnahmen vertraut die große Mehrzahl mit 85 Prozent der Unternehmen auf die Qualität und die Erfahrung der eigenen Mitarbeiter. Externe Fachleute (z.B. Energieberater, Ingenieurbüros) nutzen 46 Prozent der Unternehmen.

Die Abhängigkeit der Nachfrage nach Energieberatung von staatlichen Förderprogrammen wird als eher gering angesehen, was sich sehr einfach daraus erklärt, dass Energieversorger und ihre Mitarbeiter von staatlichen Förderprogrammen für Energieberatung in der Regel ausgeschlossen sind. Beratungsangebote von Energieversorgern müssen sich in der Regel ohne staatliche Förderung durchsetzen, vielleicht ein Grund für den hohen Qualitätsstandard und die ebenfalls in der Befragung zurückgemeldete große Kundenzufriedenheit.

Die Kundensicht auf die Beratungsangebote der Energieversorger wird durchweg positiv beschrieben. Die meisten Kunden sehen ihren Energieversorger als zuverlässigen und kompetenten Partner. So liegt die Akzeptanz bei privaten Haushalten und Gewerbekunden im Bereich von 60 bis 70 Prozent. Bei den Industriekunden und kommunalen Unternehmen ist die insgesamt positive Haltung zu dem Beratungsangeboten mit rund 55 Prozent geringer, hier ist aber nach Aussagen der befragten Unternehmen insgesamt das Beratungsangebot weniger bekannt.

Ein spezielles Interesse galt der Frage nach einem eigenen Beratungsangebot für Kunden mit bestehenden Zahlungsrückständen. Dieses Angebot besteht bei 147 der 368 antwortenden Unternehmen. Umgerechnet in den realen Marktanteil entspricht dies einer Marktabdeckung von 61 Prozent. Somit hat bereits mehr als jeder zweite Energiekunde theoretisch Zugang zu dieser besonderen Form der Beratung. Berücksichtigt man die regionale Verteilung, ergibt sich für die Ballungsräume der Großstädte ein nochmal dichteres Angebot. Da es sich hierbei weniger um eine Energieberatung, sondern vielmehr um eine Schuldnerberatung handelt, arbeiten die meisten Unternehmen mit anderen Organisationen wie Schuldnerberatungen und der Caritas zusammen.

Qualifizierte Mitarbeiter sind gefordert
Für die Analyse der verschiedenen Anforderungen der Energieversorgungsunternehmen an ihre Mitarbeiter bzw. Energieberater wurden drei Hauptkategorien abgefragt - einmal hinsichtlich der fachlichen Qualifikation, der beruflichen Erfahrung und eventueller Zusatzqualifikationen beziehungsweise Weiterbildungen. Die fachliche Qualifikation ist mit 75 Prozent die wichtigste Anforderung an die Berater. Dazu gehört mit etwa 60 Prozent die Qualifikation als Handwerksmeister. Ein Studienabschluss (37 Prozent) bzw. eine Ausstellungsberechtigung für Energieausweise (44 Prozent) sind ebenfalls vertretene Anforderungen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Kategorie der Berufserfahrung, welche zu 71 Prozent als ein Kriterium mit hoher Bedeutung eingestuft wird. Die Erweiterung auf eine mindestens dreijährige Berufserfahrung als Energieberater wird von 59 Prozent der Unternehmen als entscheidend angesehen. Die offene Kategorie „andere Anforderungen“ spielt mit über 36 Prozent auch noch eine Rolle. Diese Kategorie umfasst jedoch viele divergierende Anforderungen, sodass sich kein einheitliches Bild zeichnen lässt.

Aus der detaillierten Auswertung ergibt sich, dass die Anforderungen an Mitarbeiter, die in der Energieberatung eingesetzt werden, durchweg hoch sind. Der Kunde kann in der Regel auf einen erfahrenen und fachlich qualifizierten Berater zurückgreifen.

Die Mehrzahl der Energieversorgungsunternehmen nimmt das Thema Energieberatung sehr ernst und bietet eine qualifizierte und kundenorientierte Beratung an. Auch sind viele Unternehmen bereit, das Beratungsangebot weiter auszubauen, nicht zuletzt weil bei den befragten Unternehmen die Nachfrage nach Energieberatung 2011 im Vergleich mit 2010 um ca. 13 Prozent angestiegen ist. Vor dem Hintergrund des wachsenden Beratungsbedarfes, auch angesichts der aktuellen politischen Forderungen, ist es daher um so unverständlicher, dass Energieunternehmen und ihre Mitarbeiter nach wie vor von staatlich geförderter Energieberatung ausgeschlossen sind. Hier steht ein großes Potenzial an fachlich qualifizierten Beratern mit direktem Kundenzugang bereit, die bestehenden Informationsdefizite der Kunden bei der Energienutzung auszugleichen.

Die detaillierte Auswertung kann beim BDEW angefordert werden.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kaemper@bdew.de

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