28. Oktober 2011

2. Energieeffizienzplan (NEEAP): Deutscher Energiedienstleistungsmarkt entwickelt sich positiv

Im August hat die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) den 2. Nationalen Energieeffizienzaktionsplan (2. NEEAP) veröffentlicht. Darin werden eindrucksvoll die Fortschritte bei der Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland dokumentiert. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit dem Markt für Energiedienstleistungen. Auch hier zeigt der Bericht die sehr positive Entwicklung auf.

Bei der Diskussion um die europäische Energieeffizienzrichtlinie, die derzeit als Entwurf vorliegt (BDEW extra 24/2011 vom 22.6.2011) und in den Ausschüssen des europäischen Parlament diskutiert wird, wird von Seiten der Europäischen Kommission immer wieder angeführt, dass die Erfolge bei der Steigerung der Energieeffizienz hinter den Erwartungen zurückblieben. Dies mag für andere EU-Mitgliedstaaten gelten, für Deutschland hat zuletzt der (NEEAP) eindrucksvoll gezeigt, dass hier die Einspar- und Effizienzziele der EU mehr als erfüllt werden.Die Energiedienstleistungsrichtlinie fordert von den Mitgliedstaaten beim Endenergieverbrauch für den Zeitraum von 2008 bis Ende 2016 eine Minderung von neun Prozent im Vergleich mit dem Verbrauch an Endenergie, der ohne entsprechende Maßnahmen für 2016 zu erwarten wäre. Der von Deutschland bis zum Jahr 2016 zu erfüllende Energieeinsparrichtwert wurde mit 995 Petajoule (PJ) festgelegt (entspricht ca. 280 Terawattstunden [TWh]). Nach der Analyse der Bundesstelle für Energieeffizienz wird die tatsächliche Einsparung, bei 3.123 PJ (868 TWh) liegen. Die Bundesstelle hat dabei neben sogenannten Early Actions aus der Vorperiode staatliche Maßnahmen wie Förderprogramme, aber auch technischen Fortschritt und Marktentwicklungen berücksichtigt. Noch nicht erfasst sind zum Beispiel die vielfältigen kommunalen Programme und Aktivitäten. Damit ist Deutschland auf einem sehr guten Weg bei der Erreichung der EU-Klimaschutzziele. Einen wesentlichen Beitrag hierzu haben auch die Energiedienstleistungen geliefert. Der 2. NEEAP widmet diesem Markt ein eigenes Kapitel.

Danach verfügt Deutschland über den größten und am weitesten entwickelten Markt für Energiedienstleistungen in Europa. Darauf weist auch die EU-Kommission in den Erläuterungen zu ihren Entwurf einer Energieeffizienzrichtlinie hin. Im Annex VII weist sie für Deutschland ca. 250 bis 500 Energiedienstleister mit einem geschätzten Umsatz von 1,8 bis 2,4 Mrd. Euro aus. Das tatsächliche Gesamtvolumen des Marktes ist schwer abzuschätzen, nicht zuletzt weil die Marktteilnehmer sehr unterschiedlich strukturiert sind. Sie reichen vom Ein-Personen-Unternehmen, das Energieausweise anbietet, über Handwerksbetriebe, die weitergehende Services anbieten, bis zum großen Energiedienstleister, der umfassende Contracting-Produkte vermarktet. Hier haben die Energieversorger, aber auch große Gerätehersteller, einen erheblichen Marktanteil. Mehr als 40 Prozent der Contracting-Anbieter sind Energieversorger, darunter viele Stadtwerke. Innerhalb der Gruppe der aktiven Contracting-Unternehmen gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Marktaktivitäten. Kleine Unternehmen mit weniger als fünf laufenden Contracting-Verträgen stehen neben großen Dienstleistungsanbietern mit mehreren hundert laufenden Contracting-Projekten.

Das oben genannte Marktvolumen entspricht etwa 40.000 bis 50.000 laufenden Contracting-Verträgen, diesem Segment wird darüber hinaus ein stetiges Wachstum von jährlich ca. zehn Prozent zugetraut. Für den Spezialbereich des Energieeinspar-Contracting sieht die BfEE ein Marktvolumen von jährlich ca. 250 bis 350 Mio Euro, entsprechend einem Marktanteil von zehn bis 15 Prozent.

Die wichtigsten Kundengruppen für Contracting-Angebote werden im Bereich Industrie und Gewerbe sowie bei der Wohnungswirtschaft gesehen. Für beide Bereiche wird von den Marktteilnehmern ein Marktvolumen von jährlich jeweils etwa 1 Mrd. Euro gesehen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geforderten Steigerung der Sanierungsraten im öffentlichen Gebäudebestand wird erwartet, dass die öffentliche Hand, insbesondere die Kommunen, zukünftig verstärkt auf dieses Instrument zur Steigerung der Energieeffizienz der eigenen Gebäude zurückgreifen wird.

Insgesamt kommt die BfEE in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass der deutsche Contracting-Markt gekennzeichnet ist von einem vielfältigen Angebot mit einer sehr heterogenen Anbieterstruktur sowohl hinsichtlich der Unternehmensgröße als auch des Tätigkeitsschwerpunktes.

Zur Förderung dieses Marktes bedarf es nach Ansicht des BDEW zukünftig der Vereinfachung von gesetzlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel um auch im Segment der Privatkunden noch mehr Potenzial zu erschließen. Staatlich kontrollierte Energieeinsparverpflichtungssysteme, wie sie derzeit in der EU diskutiert werden, sind dagegen für die weitere Marktentwicklung eher kontraproduktiv.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30/300 199-1373
E-Mail hartmut.kaemper@bdew.de

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