08. März 2011

Statement für die Presse

Der BDEW erklärt zur Diskussion um die angeblich zu hohe EEG-Umlage 2011

Berlin, 8. März 2011 - "Wer behauptet, die EEG-Umlage 2011 sei zu hoch, muss entweder über eine Glaskugel oder zumindest über seherische Fähigkeiten zu den künftigen Wetterbedingungen, zum Investitions- und Verbraucherverhalten sowie zu den Börsenpreisen am Spotmarkt bis zum Jahresende 2011 verfügen. Eine exakte Beurteilung der Höhe der EEG-Umlage 2011 ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht möglich.

Richtig ist, dass mit der EEG-Mittelfristprognose der Übertragungsnetz-betreiber für das Jahr 2011 eine EEG-Umlage in Höhe von 3,53 Cent pro Kilowattstunde vorhergesagt wurde. Diese Prognose wurde in Zusammenarbeit mit externen Gutachtern erstellt. Im Übrigen waren die Bundesnetzagentur und das Bundesministerium für Umwelt in die Erarbeitung der Datengrundlagen und Prognosen zur Berechnung der EEG-Umlage eingebunden. Bei der Prognose wurde im Herbst ein Zubau von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 9.500 MW für das Jahr 2010 geschätzt; nach bisher vorliegenden Zahlen betrug der Zubau rund 7.000 MW. Für die Abrechnung ist am Ende jedoch entscheidend, wie viel Strom diese Anlagen erzeugt haben. Erst dann wird sich zeigen, ob die EEG-Umlage 2011 zu hoch geschätzt worden ist oder nicht. Im Übrigen ist die EEG-Umlage 2010 aufgrund der im Jahr 2009 nicht vorhersehbaren Zubauzahlen der Photovoltaikanlagen zu niedrig geschätzt worden. Es entstand eine Differenz von rund 1,1 Milliarden Euro zugunsten der Verbraucher, die mit Hilfe der sogenannten Nachholung mit der folgenden EEG-Umlage verrechnet wurde.

Fakt ist, dass für die Stromkunden in Deutschland kein Nachteil entstanden ist oder entsteht. Ermittelt wird die EEG-Umlage nach klaren Vorgaben des Gesetzgebers von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern. Als zuständige Behörde überwacht die Bundesnetzagentur die Ermittlung, Festlegung und Veröffentlichung der EEG-Umlage. Die Versorgungs-unternehmen profitieren von dieser Umlage nicht, sondern reichen diese weiter. Die Verbraucher bezahlen bundesweit einheitlich über einen Ausgleich immer nur für die tatsächlich erfolgte Erzeugung aus Erneuerbaren Energien. Dies wird, egal ob die EEG-Umlage zu hoch oder wie im Jahr 2010 zu niedrig geschätzt worden ist, nachträglich inklusive möglicher Zinsen für die Kunden in Form der sogenannten Nachholung entweder positiv oder negativ verrechnet und fließt in die EEG-Umlage des jeweiligen Folgejahres ein.

Niemand kann derzeit aber vorhersagen, wie viel Sonne in diesem Jahr scheinen und wie der Wind wehen wird. Außerdem weiß auch noch niemand, wie sich die Börsenpreise für Strom und die Netzentgelte weiter entwickeln werden. Es wird daher auf die weiteren Entwicklungen in diesem Jahr ankommen, ob die Prognose zu den Ausbauzahlen der Erneuerbaren Energien und die EEG-Umlage für 2011 zutreffen werden. Bislang wird von einem Zuwachs der Photovoltaikanlagen von 6.000 Megawatt (MW) in 2011 ausgegangen.

Von diesen Entwicklungen insgesamt hängt dann ab, ob es realistisch ist, von Preissenkungsspielräumen in 2012 auszugehen. Denn die Bildung des Strompreises für Haushaltskunden beruht auf mehreren Faktoren: Neben den staatlichen Belastungen (EEG-Umlage, Umsatzsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe etc. in 2010: rund 41 Prozent) haben auch die Kosten für die Beschaffung von Strom (Anteil am Strompreis rund 35 Prozent) und die Netzentgelte (etwa 24 Prozent) Einfluss auf die Strompreise für Haushaltskunden. Inwieweit die Entwicklungen bei der EEG-Umlage im Einzelnen kompensiert werden können, hängt also auch von der weiteren Entwicklung der anderen Faktoren des Strompreises ab.

Die aktuelle Diskussion um die Entwicklung der EEG-Umlage ändert nichts am strukturellen Reformbedarf in Sachen EEG. Es geht in Zukunft vor allem um drei Punkte:

  1. Allen muss klar sein, dass die Energiewende mit dem stetigen Ausbau der Erneuerbaren Energien viel Geld kostet. Der von allen gewillte Ausbau der Erneuerbaren hat auch Auswirkungen auf die Entwicklung der Strompreise - ganz unabhängig von vorübergehenden Schwankungen nach oben oder unten. Mit der für das Jahr 2012 anstehenden Novellierung des EEG muss das Ziel verfolgt werden, die Förderung der Erneuerbaren Energien effizienter zu gestalten, das heißt sie auf die Erzeugungsformen mit dem höchsten Beitrag zu einer nachhaltigen, sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung zu konzentrieren.

  2. Das EEG hat neben seinen positiven Effekten erhebliche regionale und soziale Verteilungswirkungen. Darüber sollten sich alle Entscheidungsträger angesichts der Finanzflüsse im Klaren sein.

  3. Es ist langfristig eine europaweite Harmonisierung der Fördersysteme für erneuerbare Energien notwendig. Das langfristige Ziel muss sein: Weg von der spezifischen Förderung einzelner Technologien, hin zur kosteneffizienten Erschließung der Potenziale an sinnvollen Standorten. Die Förderung muss künftig einen Anreiz geben, dort in erneuerbare Anlagen zu investieren, wo zum Beispiel viel Wind weht oder oft die Sonne scheint."


Weitere Informationen

Frank Brachvogel
Pressesprecher
Telefon 0 30 / 300 199-1160
E-Mail presse@bdew.de

Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.