25. Oktober 2011, Berlin

50. Gasfachliche Aussprachetagung 2011:

Potenziale von Erdgas für Energiewende nutzen - bestehende Hemmnisse abbauen

BDEW: Wärmemarkt vollständig für Bio-Erdgas öffnen/Erdgas im 1. Halbjahr 2011 mit 50 Prozent Marktanteil bei Heizungsanlagen im Neubau

"Erdgas ist eine starke und unverzichtbare Stütze für den Umbau des Energiesystems in Richtung erneuerbare Energien. Ob in der Stromproduktion, in der Stromspeicherung, mit innovativen Anwendungen im Wärmemarkt oder im Verkehrssektor - Erdgas wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen", sagte Ewald Woste, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heute zum Auftakt der gasfachlichen Aussprachetagung 2011.

Die öffentliche Debatte über die Energiewende in Deutschland konzentriere sich fast ausschließlich auf die zukünftige Stromerzeugung und den dringend notwendigen Ausbau der Energienetze, so Woste. So unbestreitbar wichtig diese Bereiche seien: Ein Thema gerate dabei an den Rand, das für die Erreichung der Klimaziele aber eine enorme Bedeutung habe: Das Kohlendioxid-Einsparpotenzial im Wärmemarkt. "40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf diesen Sektor. Die Bundesregierung will hier immerhin fast die Hälfte der angestrebten Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 erreichen. Das schaffen wir nur durch eine stärkere Einbindung des Gebäudebestandes und eine Verdopplung der Modernisierungsrate bei Heizungen."

Hier spielten Erdgassystemlösungen wie die Erdgasbrennwerttechnik eine Schlüsselrolle. Sie seien ein Treiber für schnelle, wirksame und bezahlbare CO2-Absenkungen und Effizienzsteigerungen im Bestand. Durch den Austausch aller modernisierungsbedürftigen Heizungsanlagen durch moderne Erdgaswärmesysteme könne eine CO2-Reduzierung von rund 93 Millionen Tonnen pro Jahr erreicht werden. Das wäre die Menge, die für den Wärmemarkt im "Integrierten Energie- und Klimaprogramm" (IEKP) als CO2-Einsparung angestrebt wird. Gas-basierte Heizungstechnologien, so der BDEW, bieten die günstigsten CO2-Vermeidungskosten und stellen damit eine effiziente Form des Klimaschutzes dar.

"Damit der Energieträger Erdgas sein Potenzial voll entfalten kann, müssen allerdings einige Hindernisse beseitigt werden. Wir brauchen mehr Öko-Heizungen. Dazu muss das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) technologieoffener werden. Bio-Erdgas sollte ohne Kraft-Wärme-Kopplungs-Pflicht nutzbar sein", forderte der BDEW-Präsident. Nach dem EEWärmeG darf Bio-Erdgas derzeit nur in Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und mit einem Anteil von 30 Prozent an der Wärmeerzeugung als Wärmeenergie in Neubauten eingesetzt werden. Die Verwendung in Brennwertkesseln wird hingegen ausgeschlossen. "Mit diesem Gesetz wird Bio-Erdgas gegenüber anderen Energieträgern aus nicht nachvollziehbaren Gründen klar benachteiligt", kritisierte Woste.

"Wir plädieren deshalb dafür, den Einsatz von Erdgas in Verbindung mit Bio-Erdgas in Brennwertkesseln als klare Erfüllung der Nutzungspflicht im Sinne des EEWärmeG gelten zu lassen. Und: Die notwendige Novelle des EEWärmeG für private Gebäude muss den Bestand in Verbindung mit einer Nutzungspflicht einbeziehen. Die Einbeziehung des Gebäudebestandes in die Regelungen des EEWärmeG trägt wesentlich zur Effizienzsteigerung bei. Dabei müssen natürlich Technologieoffenheit und die Gleichwertigkeit von Bio-Erdgas zur Erfüllung der Vorgaben des EEWärmeG gewährleistet sein."

Der BDEW präsentierte auf der gasfachlichen Aussprachetagung darüber hinaus aktuelle Zahlen zu Beheizungssystemen im Neubau im ersten Halbjahr 2011: Erdgas bleibt nach vorläufigen Berechnungen auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Marktführer mit einem Anteil von 50 Prozent an den in Neubauten installierten Heizungssystemen (Quelle: Statistische Landesämter). Wärmepumpen kamen nach den vorläufigen Zahlen auf einen Marktanteil von 24 Prozent, gefolgt von Fernwärme mit 15 Prozent. Die verbleibenden Anteile entfielen auf Heizöl (2 Prozent), Holzpellet-Heizungen (6 Prozent), Stromheizungen (ein Prozent) und sonstige Heizungssysteme (3 Prozent).

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