02. Februar 2012, Berlin

BDEW zur Netzanbindung von Offshore-Windparks:

Energiebranche schlägt effizientere Offshore-Anbindung vor

Gesetzgeber muss Grundlage für ganzheitliche Ausbaupläne schaffen / Ohne effiziente Lösung drohen dreistellige Millionenverluste pro Park

Die zunehmend auftretenden Probleme bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks haben zu Recht zu Warnrufen von Seiten der betroffenen Akteure geführt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem Windpark- und Netzbetreiber engagiert sind, hat nun in einer Stellungnahme Vorschläge für einen besseren Ablauf der Planungen vorgelegt. Diese können nach Auffassung des Branchenverbandes zu einem deutlich effizienteren und strukturiertem Ausbau der für die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung wichtigen Offshore-Windenergie führen.

"Grundlage dieser besseren Planung sollte eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sein. Die Pflicht, Anschlussleitungen zu errichten, muss von den Terminplanungen einzelner Offshore-Windparks entkoppelt werden. Dafür müsste der bereits im Energiewirtschaftsgesetz vorgesehene Offshore-Netzplan eine längerfristig ausgelegte Planungsstruktur bekommen und somit eine ganzheitliche Ausbauplanung ermöglichen. Das Ergebnis wäre ein für alle Akteure verbindliches Planungsinstrument, das Terminierung, Kapazitätsauslegung und Reihenfolge für die Errichtung der Cluster-Anschlüsse klar regelt", erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Schließlich müsse es auch gelingen, die Onshore-Aktivitäten mit den Offshore-Aktivitäten schlüssig aufeinander abzustimmen, so Müller. Dafür biete es sich an, den Planungszeitraum im Rahmen eines Zehn-Jahres-Netzplans für Offshore-Parks festzulegen.

Derzeit kann die Netzanbindung erst zu einem Zeitpunkt in Angriff genommen werden, zu dem die Planung des Offshore-Windparks weit fortgeschritten ist, so der BDEW. Damit sei die gesetzlich vorgeschriebene, rechtzeitige Fertigstellung der Netzanbindung zum Zeitpunkt der Inbetriebnahmefähigkeit des Offshore-Windparks nicht mehr sichergestellt. Müller: "Die Ursache hierfür liegt auch in Lieferengpässen von Netzanbindungskomponenten. Ohne eine neue, praktikable Lösung drohen den Betreibern von Offshore-Windparks Verluste im dreistelligen Millionenbereich pro Park. Investoren, die ohnehin durch die Finanzkrise verunsichert sind, verlieren angesichts dieser Risiken zunehmend ihr Interesse an einem Engagement im Bereich der Offshore-Windenergie in Deutschland."

Der BDEW hat nun eine Branchenposition erarbeitet, die auch Bezug nimmt auf die von der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Konsultation vorgelegten Eckpunkte zur Bestimmung von Kriterien für die Genehmigung zur Errichtung von Offshore-Netzanbindungen. Die dort skizzierten Vorschläge können nach Auffassung der Energiewirtschaft das Problem allerdings nicht vollständig lösen, weil die Engpässe bei den Lieferanten bestehen bleiben. In einem seit Sommer 2011 geführten und teilweise sehr kontroversen Dialog zwischen Anlagen- und Netzbetreibern ist der BDEW nun zu dem Ergebnis gelangt, dass beispielsweise die Einführung einer Kautionslösung - wie sie die BNetzA vorschlägt - keine dauerhafte Beschleunigung der Netzanbindung von Offshore-Windparks gewährleistet.

Der von der BNetzA vorgeschlagene Weg würde es zwar Windparkbetreibern ermöglichen, bei Hinterlegung einer Sicherheitsleistung vorzeitig die Netzanbindungszusage zu erhalten. In der Folge könnte der Übertragungsnetzbetreiber auch früher mit der Ausschreibung der für die Netzanbindung erforderlichen Komponenten beginnen. Da aber die Fertigungskapazitäten der Komponentenhersteller ausgelastet sind, kann es dann trotzdem nicht zu der notwendigen Beschleunigung der Netzanbindung kommen, teilte der BDEW mit.

Der Branchenverband hält es für dringend erforderlich, dass verlässliche Grundlagen für eine zügige Planung bei Anlagenbetreibern, Netzbetreibern und Komponentenherstellern geschaffen werden. Die Initiative des Bundeswirtschaftsministers zur Beschleunigung des Offshore-Netzausbaus kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. "Mit dem heute vorgelegten, wertschöpfungsstufen-übergreifenden Positionspapier hat der BDEW einen wichtigen Beitrag für diese Initiative gegeben, um die Probleme schneller lösen zu können", sagte Hildegard Müller.

Netzbetreiber und Betreiber von Offshore-Windparks im BDEW sehen die Chance, dass so am Ende auch Komponentenherstellern Planungssicherheit gegeben werden kann. Mit den Vorschlägen werde eine Ausweitung der Fertigungskapazitäten in diesem Sektor planbarer. Die aufgrund fehlender Investitionssicherheit bestehenden Engpässe könnten damit überwunden werden. "Die Offshore-Frage kann über das Gelingen der Energiewende entscheiden. Aus diesem Grund arbeiten wir als Branche auch in diesem Bereich mit Hochdruck an neuen Lösungen und werden unseren Vorschlag zeitnah konkretisieren", betonte Müller.

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