02. März 2011

Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz: VDE greift "50,2 Hertz-Problem" auf

Erzeugungsanlagen in den Verteilnetzen haben aufgrund des starken Zubaus - vor allem von Photovoltaikanlagen - einen zunehmenden Einfluss auf die Systemstabilität. Um weiterhin einen sicheren Betrieb des Stromnetzes zu gewährleisten, werden in den technischen Richtlinien systemtechnische Erfordernisse an Erzeugungsanlagen beschrieben. Auch die neue Anwendungsregel für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz, die der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) derzeit erarbeitet, soll entsprechende Anforderungen beinhalten. Insbesondere soll der sog. 50,2 Hertz-Problematik begegnet werden.

Während für Erzeugungsanlagen, die an die Mittelspannungsnetze angeschlossen werden, bereits systemtechnische Anforderungen in der entsprechenden BDEW-Richtlinie beschrieben sind, befinden sich entsprechende Regelungen für den Anschluss an die Niederspannungsnetze noch in Arbeit. Das Fachforum Netztechnik und Netzbetrieb (FNN) im VDE erarbeitet die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4105. Eine Entwurfsfassung war im Juli 2010 im Internet veröffentlicht worden. Der BDEW hatte sich mit einer Stellungnahme an dem öffentlichen Einspruchsverfahren (Frist: 30. September 2010) beteiligt.

Aktuell weist das FNN im Internet darauf hin, dass aufgrund des starken Zubaus von Photovoltaikanlagen die sogenannte "50,2 Hertz-Problematik" zunehmende Bedeutung erlangt und kurzfristig Lösungen erfordert. Die Problematik besteht darin, dass die meisten Photovoltaikanlagen so eingestellt sind, dass sie sich bei einem Anstieg der Netzfrequenz auf über 50,2 Hertz schlagartig vom Netz trennen. Stabilisiert sich die Netzfrequenz wieder und sind die Parameter für die Wiederzuschaltung von Energieerzeugungsanlagen wieder gegeben, schalten sich sämtliche PV-Anlagen annähernd zeitgleich wieder zu. Dadurch kann es zu einem erneuten Anstieg der Netzfrequenz auf über 50,2 Hz kommen und damit zu einer erneuten Abschaltung der Erzeugungsanlagen ("Jo-Jo-Effekt").

Um dieser Problematik zu begegnen, werden in der neuen Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 Anforderungen an die Wirkleistungseinspeisung bei Überfrequenz formuliert. Die Anwendungsregel wird voraussichtlich ab Mitte 2011 gelten und dann verbindlich für alle Neuanlagen sein.

Auch die Politik hat die 50,2 Hertz-Problematik bereits erkannt und im Rahmen der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) aufgesetzten Plattform "Zukunftsfähige Netze und Systemsicherheit" behandelt. Zuständig ist die Arbeitsgruppe 5 (Erhalt eines sicheren Netzbetriebs), an der auch der BDEW beteiligt ist. Das BMWi, das BMU, der VDE/FNN sowie die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die 50,2 Hertz-Problematik näher untersuchen soll. Diese wird von der Universität Stuttgart unter Einbindung der Firma Ecofys durchgeführt und voraussichtlich im Juni 2011 fertiggestellt werden.

Der BDEW wird seine Mitgliedsunternehmen über die Verabschiedung der VDE-Anwendungsregel sowie über die weitere Arbeit der Arbeitsgruppe "Erhalt eines sicheren Netzbetriebs" informieren.


Weitere Informationen

aus dem Geschäftsbereich Energienetze und Regulierung

Benjamin Düvel
Telefon: 0 30 / 300 199-1112
E-Mail. benjamin.duevel@bdew.de

Stefan Manske
Telefon 0 30 / 300 199-1113
E-Mail. stefan.manske@bdew.de

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