12. Juli 2010

Energielabel und energieeffiziente Gebäude

Europäisches Parlament verabschiedet Gesetzespaket zur Energieeffizienz

Das Europäische Parlament hat ein Gesetzespaket zur Energieeffizienz verabschiedet. Dabei handelt es sich zum einen um eine Richtlinie zur Energieeffizienz von Häusern, die vorschreibt, dass alle Gebäude, die ab Ende 2020 errichtet werden, hohen Energiesparvorgaben entsprechen müssen. Zum anderen um eine Richtlinie zu neuen Energielabels für Haushaltsgeräte und andere Produkte. Für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen werden zusätzlich Klassen eingeführt, um die besonders sparsamen Geräte wieder hervorzuheben.

Das Parlament hat am 19. Mai 2010 einem neuen Design der EU-Energielabel mit zusätzlichen „Plus“-Klassen zu dem bereits bestehenden Farbschema zugestimmt. Darüber hinaus muss bei jeder Werbung, die den Energieverbrauch eines bestimmten Haushaltsgerätemodells angibt, die Energieeffizienzklasse des Produktes deutlich erkennbar sein.

Das bereits vorhandene Energielabel hilft Verbrauchern bereits, die laufenden Kosten beim Kauf eines neuen Haushaltsgerätes einzuschätzen. Dazu zählen u.a. Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Spülmaschinen, Herde und Klimaanlagen. Hersteller sind verpflichtet, den jährlichen Energieverbrauch, unabhängig davon, ob das Produkt gute (dunkelgrüne „A“ Klasse) oder schlechte (rote „G“ Klasse) Leistungen erzielt hat, anzugeben. Je nach Art des Produktes, zeigt das Label auch den Wasserverbrauch, den Geräuschpegel oder die Heizleistung an.

Neue Bestnoten
Unter der neuen Gesetzgebung ermöglicht die Kennzeichnung der Energieeffizienz bis zu drei neue Energieklassen, die den technologischen Fortschritt wiedergeben, aber die Gesamtanzahl der Energieklassen auf sieben beschränkt. Die bisherige Palette reicht von „A“ bis „G“und könnte künftig wie folgt aussehen:

  • Wenn ein neues Produkt, dass weniger Energie als das bereits existierende verbraucht, mit „A+“ klassifiziert wird, gilt für das am wenigsten energieeffiziente Produkt die Klasse „F“,
  • Wenn ein neues Produkt, dass weniger Energie als das bereits existierende verbraucht, mit „A++“ klassifiziert wird, gilt für das am wenigsten energieeffiziente Produkt die Klasse „E“,
  • Wenn ein neues Produkt, dass weniger Energie als das bereits existierende verbraucht, mit „A+++“ klassifiziert wird, gilt für das am wenigsten energieeffiziente Produkt die Klasse „D“.


Die Kennzeichnungsfarbpalette, von Dunkelgrün für die energieeffizientesten Produkte bis Rot für die am wenigsten energieeffizienten Produkte, wird entsprechend angepasst, so dass die höchste Energieeffizienzklasse weiterhin Dunkelgrün und die am wenigsten energieeffiziente Klasse Rot sein wird.

Die Energieklassen und speziellen Produkte, die gekennzeichnet sein müssen, werden von einer Arbeitsgruppe der Kommission bestimmt.

Werbung muss auf die Energieeffizienz hinweisen
Bei jeder Werbung, die den Energiever-
brauch oder den Preis eines bestimmten Haushaltsgerätemodells angibt, muss die Energieklasse des Produktes deutlich erkennbar sein. Werbung mit zusätzlichen Informationen soll dem Verbraucher helfen, die Wahl auf Produkte zu lenken, die bei ihrem Gebrauch am wenigsten Energie verbrauchen und die die Energiekosten auf lange Sicht reduzieren.

Die gleichen Bestimmungen gelten in sämtlichen technischen Werbeschriften, wie beispielsweise in technischen Handbüchern oder in Broschüren der Hersteller, die entweder gedruckt vorliegen oder online verfügbar sind.

Ausweitung auf energieverbrauchs-relevante Produkte
Künftig werden auch energieverbrauchende Produkte gekennzeichnet, die für kommerzielle und industrielle Zwecke genutzt werden. Dazu zählen u.a. Kühlräume, Industriekochgeräte, Verkaufsautomaten und Industriemotoren. Die Energiekennzeichnungspflicht wird zudem ausgeweitet auf energiebezogene Produkte, einschließlich Bauprodukte, die keine Energie verbrauchen, aber einen erheblichen direkten oder indirekten Einfluss auf Energieeinsparungen haben, wie z. B. Fensterverglasung und Rahmen oder Außentüren.

Sobald die neuen Regeln im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden, haben die Mitgliedsstaaten ein Jahr Zeit, sie in nationales Recht umzusetzen.

Die ersten gerätespezifischen Durchführungsmaßnahmen, z. B. für Kühl- und Gefriergeräte und Fernseher, könnten im Herbst des Jahres verabschiedet werden. Diese müssen nicht extra in nationales Recht umgesetzt werden, sie treten direkt EU-weit in Kraft. Nach einem Jahr freiwilliger Einführung wird das neue Label verpflichtend. Händler haben für die Umetikettierung vier Monate länger Zeit.

Energieverbrauch neuer Häuser soll gegen Null gehen
Bereits am 18. Mai hat das Europäische Parlament die neue Richtlinie zur Energieeffizienz von Häusern verabschiedet. Die Mitgliedsstaaten müssen ihre Bauvorschriften anpassen, damit alle Gebäude, die ab Ende 2020 errichtet werden, den hohen Energiesparvorgaben entsprechen. Bereits bestehende Gebäude müssen, sofern durchführbar, an die neuen Vorgaben angepasst werden. Für den Verbraucher bedeutet die neue Richtlinie niedrigere Energiekosten.

Auf Gebäude entfallen 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der Union. Sie stellen damit Europas größte Emissionsquelle dar. Die Verbesserung ihrer Gesamtenergieeffizienz würde folglich helfen, das geforderte CO2-Emissionsziel zu erreichen. Auch soll dadurch ein Beitrag geleistet werden, das EU-Klimaziel von 20 Prozent Energieeinsparung in zehn Jahren zu erreichen.

Die Richtlinie enthält Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz sowohl von neuen, als auch bestehenden Gebäuden. Die Mitgliedsstaaten sind aufgefordert diese Vorgaben kostenoptimal zu erreichen.

Alle Gebäude, die nach Ende 2020 errichtet werden, müssen hohe Energiesparvorgaben erfüllen und zu einem bedeutenden Teil mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Für öffentliche Gebäude soll dies bereits ab 2018 gelten. Die Neuerungen sollen teilweise aus dem EU-Haushalt finanziert werden.

Anpassung von bereits bestehenden Gebäuden
Für bereits bestehende Gebäude gilt, dass größere Renovierungen gleichzeitig die Energieeffizienz verbessern müssen, „sofern dies technisch und wirtschaftlich machbar ist“. Hauseigentümer werden angehalten, im Zuge von Renovierungsarbeiten sog. intelligente Zähler einzubauen und vorhandene Heizungen, Warmwasserrohre und Klimaanlagen durch energieeffiziente Alternativen, wie
z. B. Wärmepumpen, zu ersetzen. Regelmäßige Kontrollen von Heizkesseln und Klimaanlagen werden ebenfalls vorausgesetzt.


Weitere Informationen

Alexander Sperr
E-Mail: alexander.sperr@bdew.de
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Tel.: 030/300 199-1376

Claudia Oberascher
Geschäftsbereich Energieeffizienz
E-Mail: claudia.oberascher@bdew.de
Tel.:030/300 199-1372

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