23. November 2010

BDEW zur Netzstudie II der Deutschen Energieagentur (dena):

Ohne Netzausbau kein Wachstum der Erneuerbaren

Müller: Genehmigungsverfahren zum Bau neuer Stromleitungen verkürzen / Forschungsförderung für Netz- und Speichertechnologien intensivieren

Berlin, 23. November 2010 - Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt mit Blick auf die aktuelle dena-Netzstudie II vor dramatischen Engpässen beim Ausbau der deutschen Stromnetze. "Zu dem in der Studie errechneten Ausbaubedarf von 3.600 Kilometern an neuen Übertragungsnetzen bis zum Jahr 2020 muss man noch den Rückstand bei der Umsetzung der dena-Netzstudie I aus dem Jahr 2005 addieren. Wir liegen dabei jetzt schon mit rund 760 Kilometern zurück", so Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Dem Ausbaubedarf bis zum Jahr 2020 stünden gerade einmal 90 Kilometer gegenüber, die in den vergangenen fünf Jahren realisiert worden seien.

"Ohne Netzausbau wird ein weiteres Wachstum der Erneuerbaren Energien unmöglich sein", erklärte Hildegard Müller. Zu den Übertragungsnetzen käme noch der Ausbau- und Modernisierungsbedarf in den regionalen Verteilnetzen hinzu. Darauf hat der BDEW bereits in seinen Anmerkungen zum Energiekonzept der Bundesregierung hingewiesen. Damit die ambitionierten Zielvorgaben des Energiekonzeptes nicht von der Realität eingeholt würden, müssten laut BDEW vier Handlungsfelder höchste Priorität erhalten:

"Erstens müssen die heute bis zu zehn Jahre dauernden Genehmigungsverfahren zum Bau neuer Stromleitungen drastisch verkürzt werden. Zweitens muss die Politik rasch einen breiten öffentlichen Diskussionsprozess zum Netzausbau anstrengen, damit nicht Einzelinteressen vor Ort den volkswirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich notwendigen Ausbau torpedieren. Drittens muss der Ausbau des Verteilnetzes sowohl in die weiteren Berechnungen der dena als auch in die Energiestrategie der Bundesregierung aufgenommen werden. Alleine bis 2030 sind nach Erhebungen des BDEW Investitionen in Höhe von 20 bis 25 Milliarden Euro in das Verteilnetz erforderlich. Und schließlich muss die Bundesregierung die Forschung im Bereich Netz- und Speichertechnologien stärker fördern", erläuterte Hildegard Müller.

Der BDEW werde diese Punkte konstruktiv in die Arbeit der so genannten Netzplattform unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums einbringen. Für die Regulierung der Netze fordert der BDEW ein Umdenken der Politik: "In Deutschland müssen beim Netzausbau wieder international wettbewerbsfähige Renditen zugestanden werden, damit die Milliardeninvestitionen auch finanziert werden können", sagte Müller.

Neben der Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sollte die Bundesregierung geeignete Fördermaßnahmen für die zukünftige Energieinfrastruktur entwickeln und umsetzen, so der BDEW. Hier sollten insbesondere neue Netztechnologien erforscht werden, die zukünftig eine wirtschaftliche Alternative zum konventionellen Netzausbau darstellen könnten. Des Weiteren müssten auch Forschungsprojekte im Bereich neuer Stromspeichertechnologien, wie beispielsweise chemische Speicher, Wasserstoffspeicher oder die Stromspeicherung durch Methanisierung gefördert werden.

Der mit der dena-Netzstudie II identifizierte Bedarf zum Ausbau der Stromnetze stellt laut BDEW nicht nur eine große nationale Herausforderung dar. "Nur in Kooperation mit unseren europäischen Partnern kann der Aufbau einer gesamteuropäischen Energieversorgung auf erneuerbarer Basis erfolgen, um den innerhalb Europas identifizierten Aus- und Umbaubedarf der Stromnetze zu realisieren", sagte Hildegard Müller. Ein erster begrüßenswerter Schritt in diese Richtung sei die Vorlage des Energieinfrastrukturpakets der Europäischen Kommission letzte Woche gewesen.


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