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Entwicklung der Strompreise

Wie setzt sich der Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland zusammen?


Warum steigen vielerorts die Strompreise?

Energieversorger müssen seit einiger Zeit deutlich mehr für den Einkauf von Strom auf dem Großhandelsmarkt bezahlen. Seit zwei Jahren steigen die Preise an den Energiebörsen erheblich: Bezahlten die Unternehmen im Jahr 2016 für das Lieferjahr 2017 für eine Megawattstunde Strom durchschnittlich noch 33,51 Euro , mussten sie in diesem Jahr für Lieferungen 2019 bereits 50,56 Euro und mehr bezahlen (zeitweise lag der Wert sogar bei bis zu 69 Euro für eine Megawattstunde Strom). Die Beschaffungskosten sind für die Versorger damit im Durchschnitt um mehr als die Hälfte gestiegen. Die Stromvertriebe müssen also selbst höhere Kosten tragen.


Entwicklung der Strompreise an der Leipziger


Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zur Entwicklung der Strompreise in 2018:

Im EU-weiten Vergleich der Strompreise wird eines besonders deutlich: Der deutsche Staat bittet die Haushalte bei den Steuern, Abgaben und Umlagen über Maß zur Kasse.

Preistreiber beim Strompreis sind höhere Beschaffungskosten. Bezahlten die Unternehmen für das Lieferjahr 2017 im Durchschnitt knapp über 30 Euro für eine Megawattstunde Strom, mussten sie in diesem Jahr mehr als 50 Euro bezahlen. Daneben sind fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas teurer geworden. Es gibt deutliche Preissteigerungen beim Emissionsrechtehandel. Der Preis für CO2-Zertifikate habe sich in den vergangenen 12 Monaten mehr als verdreifacht.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sollte prüfen, den Satz bei der Stromsteuer massiv zu senken - und zwar auf das europarechtlich mögliche Minimum von 0,1 Cent. Dies würde 5,5 Milliarden Euro kosten, ist aber angesichts der komfortablen Haushaltslage machbar und würde die Haushalte deutlich entlasten. Der Regelsteuersatz beträgt bei der Stromsteuer bisher 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Alleine die Stromsteuer macht 7 Prozent des Strompreises aus Der Bund nimmt mit der Stromsteuer pro Jahr rund 7 Milliarden Euro ein.

Ein Porträtfoto von Stefan Kapferer zum Download finden Sie hier.


Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Strompreis aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Den Kosten für Strombeschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten: Dies sind die vom Stromlieferanten grundsätzlich zu beeinflussenden Preisbestandteile. Ihr durchschnittlicher Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2018 bei 21 Prozent.

  • Den regulierten Netzentgelten: Die Kosten für die Netzinfrastruktur werden über die Netzentgelte auf die Netznutzer und damit die Letztverbraucher im jeweiligen Versorgungsgebiet verteilt. Die Regulierungsbehörden von Bund (Bundesnetzagentur) und Ländern stellen sicher, dass die Netzentgelte angemessen und diskriminierungsfrei sind. Der dynamische Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hat erhebliche Investitionen in die Übertragungs- und Verteilernetze und steigende Aufwendungen für netzstabilisierende Maßnahmen ausgelöst. Dies führt unter anderem dazu, dass seit 2011 in vielen Regionen Deutschlands steigende Netzentgelte zu verzeichnen sind. Dieser Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2018 im Durchschnitt bei 25 Prozent, kann aber regional stark variieren.

    Neben den Netzentgelten werden auch Entgelte für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung erhoben, wobei aufgrund geänderter rechtlicher Vorgaben die Abrechnungsentgelte ab 2017 nicht mehr gesondert ausgewiesen werden und in den Netzentgelten enthalten sein können. Die Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung werden zu einem Entgelt (für Messstellenbetrieb) zusammengefasst.

  • Den Steuern, Abgaben und Umlagen 2019 (EEG-Umlage, Paragraph 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage (Stromnetzentgeltverordnung), KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, Umlage für abschaltbare Lasten, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer): Diese staatlich veranlassten Preisbestandteile liegen 2018 bei 54 Prozent. Am 15.10.2018 haben die Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage 2019 mit 6,405 Cent/kWh bekannt gegeben (2018: 6,792 Cent/kWh).

Hier können Sie die Presseinformation BDEW zur Bekanntgabe der EEG-Umlage 2019 abrufen.



Warum steigen die Kosten für die Beschaffung von Strom an den Energiebörsen?

Dies hat mehrere Ursachen: Hierzu gehören insbesondere steigende Preise für die Brennstoffe, die zur Erzeugung von Strom eingesetzt werden: Kohle und Erdgas. Zudem steigen die Preise für die Zertifikate, die von den Kraftwerksbetreibern für ihre CO2-Emissionen gekauft werden müssen.

Die Preise für Kohle und Erdgas sind deutlich gestiegen. Zu den wesentlichen Ursachen gehört, dass die Nachfrage nach Kohle insbesondere in Asien und dort vor allem in China und Indien steigt. Auch die Preise für Erdgas sind auf den europäischen Handelsmärkten gestiegen. Hinzu kommt die Abwertung des Dollar, der die Kohle- und Gaspreise in Euro steigen lässt.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Preise für CO2-Emissionszertifikate steigen seit über einem Jahr deutlich. Wer in Deutschland Strom in einem Gas- oder Kohlekraftwerk erzeugt, emittiert Kohlendioxid. Für die Kohlendioxid-Emissionen müssen die Kraftwerksbetreiber Emissionsberechtigungen im Rahmen des europäischen CO2-Zertifikatehandels kaufen. Die Menge an CO2-Zertifikaten und damit die Menge an CO2-Emissionen, die jährlich aus Kraftwerken ausgestoßen werden darf, sinkt jedes Jahr. Der Preis für die Zertifikate ist in den vergangenen zwölf Monaten massiv gestiegen. Dies erhöht die Kosten für die Produktion von Strom. Während der Preis für ein Zertifikat lange bei 4 – 6 Euro lag, hat er sich im Verlauf des Jahres 2018 nahezu verdreifacht: Ein Zertifikat, das zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid berechtigt, kostet derzeit über 20 Euro.



Was sagt der BDEW zu dem Vorwurf, die Versorger würden steigende Beschaffungskosten jetzt an die Kunden weiterreichen, umgekehrt hätten sie die Preise aber nicht gesenkt, als die Beschaffungskosten sanken?

In der Phase niedriger Börsenstrompreise zwischen 2012 und Anfang 2016 sind die Steuern, Abgaben und Umlagen deutlich gestiegen: Zahlte ein Haushalt 2012 durchschnittlich noch 11,6 Cent pro Kilowattstunde für Steuern, Abgaben und Umlagen, waren es 2016 bereits 15,5 Cent - ein Anstieg um 33 Prozent (Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh). Der starke Wettbewerb, der auf dem Strommarkt herrscht, sorgt außerdem dafür, dass Preisanhebungen nur noch dann vorgenommen werden, wenn sie unumgänglich sind. Verbraucher können in der Regel zwischen weit über 400 verschiedenen Tarifen wählen, die die Vielfalt in der Stromversorgung abbilden.

Um das Risiko stark schwankender Börsenstrompreise zu minimieren, beschaffen sehr viele Versorger den benötigten Strom zudem in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten. Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht 1:1 auf den Strompreis für Endkunden aus. Die Strategie der Versorger glättet also die Entwicklungen an den Energiebörsen. Deshalb sinkt der Strompreisbestandteil 'Beschaffung' nicht im gleichen Umfang, wenn die Börsenpreise fallen. Umgekehrt steigt dieser Strompreisbestandteil nicht in gleichem Umfang, wenn die Preise an der Börse deutlich steigen.


Wie haben sich die einzelnen Preisbestandteile in den letzten Jahren entwickelt?

In den vergangenen Jahren waren die Steuern, Abgaben und Umlagen der Treiber beim Strompreis.

Der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen ist in den letzten Jahren gestiegen: Seit Beginn der Liberalisierung des Strommarktes 1998 ist der Anteil der Steuern und Abgaben am Strompreis drastisch gestiegen – um fast 300 Prozent.

Insgesamt beeinflussen mittlerweile acht verschiedene Steuern, Abgaben und Umlagen den Strompreis für die Kunden.


Entwicklung der Strompreise: Steuern, Abgaben und Umlagen


Welche Steuern, Abgaben und Umlagen werden auf den Strompreis erhoben?

Insgesamt gibt es acht verschiedene Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis:


Konzessionsabgabe
(Höhe individuell je nach Netzgebiet)

 

Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt an die Kommune dafür, dass Straßen und Wege für den Betrieb von Stromleitungen benutzt werden können. Ihre Höhe variiert in Abhängigkeit von der Gemeindegröße zwischen 1,32 und 2,39 Cent/kWh
(§2 Konzessionsabgabenverordnung (KAV)).

Stromsteuer/Energiesteuer

Die Stromsteuer/Energiesteuer ist eine durch das Stromsteuergesetz/Energiesteuergesetz geregelte Steuer auf den Energieverbrauch. Sie gilt seit April 1999.

EEG-Umlage

 

Mit der EEG-Umlage wird die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien gesetzlich gefördert. Die aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entstehenden Mehrbelastungen werden bundesweit an die Letztverbraucher weitergegeben.

KWK-Umlage

 

Mit der KWK-Umlage wird die ressourcenschonende gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme gesetzlich gefördert. Die aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Letztverbraucher weitergegeben.

§ 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage

 

Mit der § 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage wird die Entlastung stromintensiver Unternehmen von Netzentgelten gesetzlich finanziert. Die aus diesen Entlastungen entstehenden Kosten werden bundesweit an alle Letztverbraucher weitergegeben.

Offshore-Netzumlage (ehem. Offshore-

Haftungsumlage)

Mit dieser Umlage (§ 17 f des Energiewirtschaftsgesetzes) werden Risiken der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz abgesichert (z. B. verspäteter Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz an Land oder langdauernde Netzunterbrechungen). Die aus der Umlage entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Verbraucher weitergegeben.

Neu: Die Kosten für die Netzanbindung von Offshore-Windparks werden ab 2019 nicht mehr in die Netzentgelte einkalkuliert, sondern vollständig über ein Umlageverfahren refinanziert. Hierzu wird die bestehende „Offshore-Haftungsumlage“ genutzt und umbenannt in „Offshore-Netzumlage“.

Umlage für abschaltbare Lasten
nach §18 AbLaV

 

Hierbei handelt es sich um eine Umlage zur Vorhaltung von Abschaltleistung nach der „Verordnung zu abschaltbaren Lasten“. Mit der Umlage werden die Anbieter von Abschaltleistung aus abschaltbaren Lasten vergütet, falls der Netzbetreiber diese zum Zweck der Systemstabilisierung abruft.

Mehrwertsteuer (i.H.v. 19%)

Die Mehrwertsteuer wird auf den gesamten Strompreis mit all seinen Bestandteilen erhoben.




Wie sieht es mit dem Wettbewerb auf dem Strommarkt aus? Wie viele Stromanbieter gibt es? Wie oft wechseln Verbraucher ihren Anbieter?

Die Strompreise bilden sich im Wettbewerb - der Kunde hat die Wahl:

In keinem anderen Land Europas gibt es so viele Energieversorgungsunternehmen wie in Deutschland. Neben einer Reihe großer Unternehmen ist eine Vielzahl von kleinen und mittleren Energieversorgern tätig.

In jedem Netzgebiet konkurrieren laut Bundesnetzagentur im Durchschnitt 112 Stromanbieter um die Gunst der Verbraucher. Der Wettbewerb am Strommarkt ist sehr intensiv - Deutschland liegt hier europaweit mit an der Spitze. Die Verbraucher können das Angebot mit dem für sie besten Preis-Leistungs-Verhältnis wählen.

Seit der Liberalisierung im Jahr 1998 bis April 2018 knapp 43 Prozent aller Haushaltskunden mindestens einmal ihren Stromversorger gewechselt, viele davon auch schon mehrfach.

Die Kunden können bei ihrem Energieversorger in der Regel zusätzlich zum Grundversorgungstarif unter weiteren Angeboten wählen. Die Produktpaletten der Energieversorger umfassen zudem oft auch Ökostrom-Tarife. Daher gibt es neben dem Wechsel zu einem anderen Anbieter auch viele Kunden, die bei ihrem bestehenden Versorger in einen günstigeren Tarif oder Ökostrom-Tarif wechseln.


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