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Klimaziele & Versorgungssicherheit

Welchen Beitrag kann die Energiewirtschaft zur Erreichung der Klimaziele 2020 leisten? Was ist erforderlich, um die CO2-Einsparziele bis 2030 zu erreichen? Wie entwickelt sich die gesicherte Leistung?

Eine aktuelle BDEW-Analyse zeigt: Die Energiewirtschaft kann mit einer energietechnisch verantwortbaren Zusatzanstrengung bis zum Jahr 2020 eine Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 erreichen. Anders als die Sektoren Verkehr oder Landwirtschaft wird die Energiewirtschaft mit großer Sicherheit schon jetzt eine Minderung der CO2-Emissionen um 38 Prozent bis 2020 schaffen. Auch in 2017 werden die CO2-Emissionen der Energiewirtschaft durch einen starken Anstieg des Stroms aus Erneuerbaren und dem Rückgang der Steinkohleverstromung weiter sinken.

Um die verbleibende Lücke zu schließen, ist es aus Sicht des BDEW energiewirtschaftlich verantwortbar, in einem Mix aus Braun- und Steinkohle maximal weitere fünf Gigawatt gegen Entschädigung in 2020 vom Netz zu nehmen. Umgesetzt werden könnte dies durch ein Ausschreibungsverfahren: Wer für den geringsten Euro-Betrag am meisten CO2 einspart, erhält den Zuschlag.

Entwicklung der Emissionen der Energiewirtschaft

Entwicklung der Emissionen der Energiewirtschaft


Damit wird deutlich: Die Energiewirtschaft leistet ihren Beitrag - ganz im Gegensatz zu den anderen relevanten Bereichen wie insbesondere dem Verkehrssektor. Dieser liegt bei der Minderung von Treibhausgasen massiv im Rückstand. Es ist zwar politisch nachvollziehbar, wenn man hofft, die Defizite der anderen Sektoren durch noch massivere Eingriffe in den Kraftwerkspark auszugleichen. Dies wäre aber energiewirtschaftlich nicht verantwortbar: Der in 2020 noch vorhandene Überschuss an gesicherter Leistung wird bis 2023 vollständig abgebaut sein. Ab 2023 besteht dann eine massive Unterdeckung. Die Jahreshöchstlast wird laut Prognose der Bundesnetzagentur im Jahr 2023 bei etwa 81,8 Gigawatt liegen. Die gesicherte Leistung hingegen beträgt dann laut Prognosen des BDEW nur etwa 73 - 75 Gigawatt.(Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung)

Jahreshöchstlast und gesicherte Leistung

 Entwicklung der Jahreshöchstlast (Quelle: Veröffentlichung der Übertragungsnetzbetreiber)

2012

81,8 GW

2013

79,1 GW

2014

78,1 GW

2015

78,2 GW


Prognose der Jahreshöchstlast (Quelle: Bundesnetzagentur)

2020

81,8 GW

2023

81,8 GW


Prognose der gesicherten Leistung (Quelle: Veröffentlichung der Übertragungsnetzbetreiber, BDEW)

2019

82 GW

2020

79-80 GW

2023

73-75 GW

 

Klima-Ziel 2030 ohne veränderte Energiepolitik gefährdet

Die BDEW-Analyse zeigt, dass bereits ab 2018 ein Bündel von Maßnahmen greifen muss, wenn Deutschland nach 2023 weitere Schritte zur Erreichung des Klimaziels 2030 machen will. Zu diesem Bündel gehören neben einem konsequenten Ausbaupfad für die Erneuerbaren, der Fortsetzung der Stärkung der KWK-Anlagen, der Konzentration auf einen möglichst schnellen Netzausbau und der Besserstellung von Speichern auch eine Investitionsoffensive in gesicherte Leistung in Form von emissionsarmen neuen Gaskapazitäten. Stefan Kapferer:

Wenn jetzt nicht zügig die Voraussetzungen zur Sicherstellung von gesicherter Leistung oder mehr Flexibilitäten geschaffen werden, ist vor allem das Klimaziel 2030 gefährdet. Dann wird die Politik in 2027 genauso kurzatmig versuchen, eine Lücke zu schließen. Daher unser Appell an die zukünftige Bundesregierung: Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit Perspektive Klimaziel 2030 zu verbessern ist wichtiger als hektisch die Defizite anderer Sektoren bei der Zielerreichung 2020 im Kraftwerkspark schließen zu wollen."

Gastbeitrag von BDEW-Präsident Johannes Kempmann und BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer in DIE WELT (16.11.2017):

"Bereits heute ist klar, dass die Energiewirtschaft bis 2020 mit großer Sicherheit 38 Prozent Minderung erreichen wird. Und wir sind bereit sowie in der Lage, die verbleibende Lücke zu schließen. Es ist verantwortbar, in einem Mix aus Braun- und Steinkohle weitere fünf Gigawatt gegen Entschädigung in 2020 vom Netz zu nehmen. Damit schaffen wir die so viel diskutierten 40 Prozent weniger CO2 in 2020."

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