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Wie setzt sich der Gaspreis für Haushalte zusammen?

FAQ: Wie kommt es zu regionalen Unterschieden im Gaspreis und
wie ausgeprägt ist der Wettbewerb zwischen den Gasanbietern?

Der durchschnittliche Erdgaspreis für Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh), zum Beispiel in einem Einfamilienhaus (EFH), ist Anfang 2018 gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,7 Prozent gesunken und liegt bei 5,69 ct/kWh (2017: 5,73 ct/kWh).

Der durchschnittliche Erdgaspreis für Mehrfamilienhäuser (MFH) mit einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh ist zum Jahresbeginn 2018 gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,6 Prozent gesunken und liegt bei 5,14 ct/kWh (2017: 5,17 ct/kWh).

Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb sind geringfügig angestiegen und liegen derzeit bei 2,67 ct/kWh (EFH) bzw. 2,49 ct/kWh (MFH). 2012 war dieser Preisbestandteil noch rd. 1 ct/kWh bzw. mehr als ein Drittel höher.

Die Netzentgelte für Haushaltskunden sind 2018 weiter gesunken: Um knapp 3,8 Prozent auf 1,53 ct/kWh (EFH) bzw. auf 1,25 ct/kWh (MFH) (2017: 1,59 ct/kWh bzw. 1,30 ct/kWh).

Steuern, Abgaben und Umlagen liegen nahezu unverändert bei 1,49 ct/kWh (EFH) bzw. 1,40 ct/kWh (MFH) (2017: 1,49 ct/kWh bzw. 1,41 ct/kWh). 

Der Anteil von Steuern und Abgaben am Erdgaspreis für Haushalte beträgt derzeit 26 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (EFH)  bzw. 27 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh (MFH).

BDEW-Pressegrafik-Gaspreis-fuer-Haushalte-2018

FAQ Gaspreis 

Bestandteile Endkundenpreis


Wie setzt sich der Gaspreis für Endkunden zusammen?

Der größte Kostenblock entfällt mit 47 Prozent für Einfamilienhäuser und 49 Prozent für Mehrfamilienhäuser auf die Beschaffung und den Vertrieb des Erdgases, wobei der Einkauf des Erdgases einen signifikanten Bestandteil des gesamten Kostenblocks ausmacht. 26 Prozent entfallen bei Einfamilienhäusern auf die Gas- und Umsatzsteuer. Bei Mehrfamilienhäusern beträgt der Anteil 27 Prozent. Die Höhe der Netzentgelte wird durch die Regulierungsbehörden festgelegt und schwankt geringfügig von Jahr zu Jahr. Aktuell liegt der Anteil im Schnitt bei 27 Prozent des Gaspreises für Einfamilienhäuser und 24 Prozent für Mehrfamilienhäuser. Der Anteil kann aber regional variieren. Die Entgelte für die Kosten der Mess- und Steuereinrichtung, den Messstellenbetrieb und die Abrechnung machen 2,5 Prozent des Gaspreises aus. Hinzu kommen 0,5 Prozent Konzessionsabgaben für das Recht auf Nutzung öffentlicher Verkehrswege (Monitoringbericht 2015, BNetzA).

Wie erklären sich die regionalen Unterschiede im Gaspreis (Tarifgebiete)?

Die regionalen Unterschiede beim Gaspreis sind insbesondere auf die regional unterschiedlichen Netzentgelte zurückzuführen. Diese werden durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) anhand regionalspezifischer Faktoren wie der topografischen Beschaffenheit, der Besiedlungsdichte sowie dem Bedarf an Investitionen in den Netzzubau und die Instandhaltung der Infrastrukturen festgelegt. Die Höhe der Netzentgelte wird durch die BNetzA staatlich kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie angemessen und diskriminierungsfrei sind. Dieser Bestandteil des Gaspreises ist somit nicht durch die Gasversorger bei der Preisgestaltung beeinflussbar.

Warum kann es regional zu steigenden Netzentgelten kommen?

Die Netzentgelte basieren auf den von den Regulierungsbehörden geprüften Kosten für den Betrieb, Erhalt und Ausbau der Netzinfrastruktur in den jeweiligen Versorgungsgebieten. Durch die seit 2009 praktizierte Anreizregulierung sind die Netzbetreiber verpflichtet, ihre Effizienz zu erhöhen und Produktivitätsgewinne weiterzugeben. Obwohl Kostensteigerungen grundsätzlich nur alle fünf Jahre erfasst werden, kommt es doch jährlich zu Veränderungen bei den Netzentgelten. Dies liegt an konkreten Netzausbauprojekten, deren Kosten nach Genehmigung durch die Regulierungsbehörden über die Instrumente "Erweiterungsfaktor" oder "Investitionsmaßnahme" auch während einer laufenden Regulierungsperiode berücksichtigt werden. Weitere Netzentgeltanpassungen resultieren aus Veränderungen bei Kostenkategorien, die durch die einzelnen Netzbetreiber nicht zu beeinflussen sind („dauerhaft nicht beeinflussbare Kostenanteile“ gemäß § 11 Abs. 2 ARegV). Dazu gehören insbesondere vorgelagerte Netzkosten.

Wettbewerb

Wie ausgeprägt ist der Wettbewerb zwischen den Gasanbietern auf dem deutschen Markt?

Generell ist der deutsche Energiemarkt durch eine große Akteursvielfalt und hohe Wettbewerbsintensität geprägt. Dies hat kürzlich auch die Monopolkommission in ihrem Sondergutachten zu leitungsgebundenen Energien bestätigt. Im Vertriebssegment hält Deutschland im europäischen Vergleich eine Spitzenposition inne: In nahezu allen Netzgebieten beliefern 21 oder mehr Gaslieferanten die Letztverbraucher. In fast drei Viertel der Netzgebiete stehen mehr als 50 Erdgaslieferanten in Konkurrenz zueinander. In mehr als 20 Prozent der Netzgebiete gab es sogar mehr als 100 Gasanbieter (Monitoringbericht 2015, BNetzA). Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Versorgern von mehreren hundert Euro pro Jahr zeigen den funktionierenden Wettbewerb. Die jeweiligen Preise und Konditionen der Anbieter sind transparent und leicht zugänglich. Dementsprechend haben die Verbraucher die Möglichkeit, den Anbieter mit dem für sie besten Preis-Leistungs-Verhältnis auszuwählen. Seit der Liberalisierung des Gasmarktes 2007 haben immerhin fast 32 Prozent der Verbraucher mindestens ein Mal ihren Anbieter gewechselt, wobei neben dem Preis häufig auch Serviceangebote ausschlaggebend sind. Damit nehmen die Kunden gleichzeitig Einfluss auf den Wettbewerb im Gasmarkt. 

Entwicklung Börsen-Gaspreis / Ölpreisbindung

Der Preis für Rohöl auf dem Weltmarkt ist stark zurückgegangen. Warum ist beim Erdgas kein vergleichbarer Preisrückgang zu beobachten?

Die Entwicklung des Rohöl-Preises hat bei der Entwicklung des Erdgas-Preises nur noch eine untergeordnete Bedeutung, die zudem weiter abnehmen wird. Es handelt sich um zwei eigenständige Märkte, deren Preisentwicklung durch größtenteils voneinander unabhängige Faktoren bestimmt wird. Mit der Liberalisierung der Energiemärkte haben sich für Erdgas zügig Spot- und Terminmärkte entwickelt. Wie auf dem Rohölmarkt ergibt sich auch hier die Preisbildung aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. 

Bis 2010 sorgte die Ölpreisbindung dafür, dass auch der Erdgaspreis sank, wenn Heizöl günstiger wurde. Welche Wirkung hat die Aufweichung der Preiskopplung auf die Gasrechnung der Endkunden in Deutschland? 

Für das Endkundengeschäft hat die Ölpreisbindung de facto keine Bedeutung mehr. Seit der Liberalisierung des Gasmarktes im Jahr 2007 bildet sich der Gaspreis im Wettbewerb der deutschen Gasversorger. Preisanpassungen erfolgen nicht mehr aufgrund von Preisschwankungen am Ölmarkt, sondern ergeben sich direkt aus Veränderungen innerhalb der Kostenbestandteile des Gaspreises. Diese werden zu fast 50 Prozent durch Steuern, Netzentgelte und Kosten für die Messung, den Messstellenbetrieb, die Abrechnung sowie Konzessionsabgaben bestimmt. Damit schrumpft der für die Gasvertriebe beeinflussbare Teil des Gaspreises auf etwas mehr als die Hälfte des Endkundenpreises.

Hat das steigende Erdgas-Angebot aus den USA Auswirkungen auf den gehandelten Preis für Erdgas?

Bisher hat der Anstieg der Schiefergas-Förderung in den USA nur indirekte Auswirkungen auf den Erdgaspreis: Nordamerika fällt aufgrund der Eigenproduktion als Nachfrager aus, so dass den internationalen Märkten ein erhöhtes Angebot an Flüssigerdgas (LNG) zur Verfügung steht. Dies beeinflusst grundsätzlich die Preisentwicklung weltweit. Im Unterschied zu Erdöl gibt es aufgrund der historisch gewachsenen Pipelineinfrastruktur noch keinen etablierten Weltmarkt, so dass Erdgas gegenwärtig noch häufig in regionalen Märkten gehandelt wird. Diese bestehende Struktur wird jedoch durch den Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) zunehmend aufgehoben. Dementsprechend existieren derzeit noch regional unterschiedliche Preise. Für den europäischen Raum hat das steigende Erdgas-Angebot aus den USA daher bisher nur marginale Preiseffekte.      

Wie werden sich die Gaspreise entwickeln? Ist davon auszugehen, dass auch der Gaspreis in Zukunft stärker fallen wird?

Die Entwicklung des Großhandelspreises für Erdgas wird durch sehr verschiedene Faktoren beeinflusst wie die zu- oder abnehmende Erdgasproduktion, neue Fördertechnologien und nicht zuletzt durch nachfrageseitige Entwicklungen, die ihrerseits maßgeblich von den Entwicklungen in der Weltwirtschaft beeinflusst werden. Dadurch sind Prognosen möglicher Preisentwicklungen immer mit großen Unsicherheiten verbunden.  

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