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Elektrizitätswerk Hindelang: Mit EU-Förderung zur intelligenten Energiewende im Allgäu

Das lokale, genossenschaftliche E-Werk Hindelang nutzt EU-Förderung, um Erzeugung und Verbrauch im Allgäu intelligent aufeinander abzustimmen.

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© Elektrizitätswerk Hindelang eG

Europäische Förderung als Motor der Innovation

Das Elektrizitätswerk Hindelang eG zeigt mit dem Projekt ESINERGY, wie gezielte EU-Unterstützung regionale Innovation ermöglicht. Mit Mitteln des Interreg-Donauraumprogramms installierte und erprobte der kleine Energieversorger aus dem Alpental von Hindelang im Allgäu ein digitales Steuerungs- und Prognosesystem, das Erzeugung und Verbrauch im eigenen Netzgebiet intelligent verknüpft. ESINERGY ist Teil des europäischen Förderprogramms Interreg Danube Region (2021–2027), das transnationale Projekte entlang der Donau unterstützt. Das Programm fördert Kooperationen zwischen Kommunen, Hochschulen, Unternehmen und Energieversorgern aus insgesamt 14 Ländern und zielt darauf ab, nachhaltige Energieversorgung, Ressourceneffizienz und digitale Lösungen im regionalen Kontext voranzubringen.

Für das Elektrizitätswerk Hindelang war diese Förderung der entscheidende Hebel, um das eigene Engagement für die Energiewende technisch auf eine neue Ebene zu heben. Mit EU-Kofinanzierung konnte das Unternehmen Investitionen in die intelligente Steuerung von Wasserkraft und Ladeinfrastruktur für Elektroautos tätigen. Die Fördersumme ermöglichte nicht nur die Anschaffung und Integration moderner Hard- und Software, sondern auch den Zugang zu internationalem Know-how und den Austausch mit europäischen Partnern.

Fördermittel mit Wirkung

Das ESINERGY-Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 2,5 Millionen Euro, die von 16 Partnerorganisationen aus zwölf Donauraum-Ländern getragen werden. Der EU-Anteil liegt dabei bei rund 80 Prozent der förderfähigen Kosten – eine Förderung, die kleinen und mittleren Energieversorgern die Umsetzung innovativer Projekte erheblich erleichtert.

Dadurch wurde es möglich, eine KI-gestützte Prognoseplattform für die Wasserkraftanlage „Auele“ zu entwickeln, welche die Stromerzeugung mit aktuellen Verbrauchsdaten verknüpft. Ebenso konnte eine intelligente Steuerung für Ladeinfrastruktur im Versorgungsgebiet installiert werden. Beide Maßnahmen dienen dem Ziel, Lastspitzen im Netz zu vermeiden, vor allem auf der Verbindungsleitung aus dem Tal zum vorgelagerten Netz, und den Anteil lokal genutzter, erneuerbarer Energie zu erhöhen.

Die Beteiligung am Interreg-Programm brachte für das Allgäuer Unternehmen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch eine neue Form der Vernetzung. In den regelmäßigen Partnertreffen, Workshops und technischen Austauschformaten werden Erfahrungen geteilt und Lösungen gemeinsam weiterentwickelt.

Impulse für die Zukunft

Aus den Erfahrungen, die das Elektrizitätswerk Hindelang bei diesem Projekt gemacht hat, hat es zusammen mit dem zweiten deutschen Projektpartner, der Münchner B.A.U.M. Consult GmbH, Vorschläge erarbeitet, wie mit pragmatischeren Regelungen in Zukunft derartige Projekte leichter umgesetzt werden könnten. Dazu gehört etwa eine unbefristete Sondergenehmigung für die Anwendung in kleinem Maßstab von funktionierenden und in Förderprojekten erfolgreich erprobten, noch nicht allgemein zugelassene Lösungen, und die Ausweitung der Definitionen von und der Freiräume für kleine isolierte Netze und kleine Verbundnetze in der EU-Strombinnenmarktrichtlinie (EMD).

Ein Modell für Förderung mit Weitblick

Das Beispiel des Elektrizitätswerks Hindelang zeigt, wie Förderpolitik konkret wirken kann, wenn sie praxisnah angelegt ist. Die Kombination aus finanzieller Unterstützung, technischer Entwicklung und internationaler Kooperation hat im Allgäu eine Vorzeigelösung entstehen lassen, die wirtschaftlich tragfähig und ökologisch wirksam ist. Das ESINERGY-Projekt steht damit exemplarisch für die Rolle, die Förderprogramme bei der Transformation des Energiesystems spielen – nicht als Top-down-Strategie, sondern als partnerschaftliche Unterstützung lokaler Innovation.

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