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Netzanschluss im Verteilnetz

Die Zahl und unterschiedliche Art der Netzanschlussanfragen in den deutschen Verteilnetzen steigen rasant. Der Grund: Der beschleunigte Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen, der Boom von Batteriespeichern, Wärmepumpen und die wachsende Zahl von Wallboxen und Elektrofahrzeugen. Wie kann trotzdem ein zügiger Netzanschluss gelingen?

Netzanschluss im Verteilnetz

© BDEW

Boom bei den Netzanschlussanfragen

Die Energiewende verändert die Anforderungen an die Verteilnetze grundlegend. Immer mehr Verbrauchende werden gleichzeitig zu Prosumern, die selbst Strom erzeugen und ins Netz einspeisen. Hinzu kommen energieintensive Anwendungen wie Rechenzentren, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen. Die Folge: Netzanschlussanfragen erreichen Rekordwerte. VNB müssen deutlich mehr Anfragen prüfen und umsetzen als noch vor wenigen Jahren. Um dieser Dynamik gerecht zu werden, reicht der herkömmliche manuelle Prozess nicht mehr aus – digitale Werkzeuge und Automatisierung sind unverzichtbar.

Was die Verteilnetzbetreiber bereits geschafft haben

Die VNB haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt: Trotz monatlicher Rekordwerte können die allermeisten Anschlussanfragen schnell bearbeitet und zeitnah umgesetzt werden. Viele Betreiber setzen digitale Zwillinge ein, um Netzanschlussbegehren schneller zu prüfen und Netzkapazitäten präzise zu simulieren. Kunden können in vielen Regionen bereits online prüfen, welche Anschlusspunkte verfügbar sind und wie viel Leistung dort möglich ist. Digitale Portale bieten einfache Antragsprozesse, Statusabfragen und transparente Kommunikation. Damit sind wichtige Grundlagen geschaffen, um Prozesse zu beschleunigen, Transparenz zu erhöhen und den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Was noch vor den VNB liegt

Trotz der Fortschritte bestehen zentrale Herausforderungen:

  • Massiver Anstieg der Anfragen: Wärmepumpen, Speicher, Ladepunkte und PV-Anlagen treiben die Anschlusszahlen in neue Dimensionen.
  • Komplexität der Netzplanung: Um Engpässe zu vermeiden, müssen Netzkapazitäten präzise bewertet und effizient genutzt werden.
  • Uneinheitliche digitale Standards: Unterschiedliche Datenmodelle und Schnittstellen erschweren durchgängige, automatisierte Prozesse.
  • Kundenerlebnis: Kundinnen und Kunden   erwarten schnelle, transparente und einfach zugängliche Informationen. Ohne nahtlos digitalisierte Schnittstellen drohen Verzögerungen und Frustration.

Es wird deutlich: Digitalisierung an der Schnittstelle zum Netzkunden ist nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern eine Voraussetzung für effiziente Prozesse und Kundenzufriedenheit.

Was Politik und Regulierung tun können

Damit die Digitalisierung der Kundenschnittstellen gelingt und Netzanschlüsse künftig schneller realisiert werden können, braucht es einen klaren politischen Rahmen. Immer mehr und immer detailliertere Vorgaben für Netzanschlussprozesse sind hingegen kontraproduktiv: Eingespielte und lokal optimierte VNB-Prozesse werden so verlangsamt und begrenzte Kapazitäten der VNB gebunden. Politik und Regulierung sollten sich darauf beschränken, bürokratische Hürden abzubauen   und Rechtssicherheit in allen Phasen des Anschlussprozesses zu schaffen.

Fazit

Die Digitalisierung der Kundenschnittstellen ist ein Schlüssel, um Netzanschlussprozesse schneller, transparenter und effizienter zu machen. Mit digitalen Zwillingen, automatisierten Auskünften und neuen Portalen haben die VNB bereits viel erreicht. Damit sie den wachsenden Anforderungen gerecht werden, braucht es nun verlässliche Regulierung und gezielte Investitionen. So können Netzanschlüsse künftig schneller umgesetzt und die Energiewende entscheidend beschleunigt werden.

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