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Glossar zu Stromnetzen: Wichtige Begriffe verständlich erklärt

Von Anreizregulierung bis Verteilnetz: Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Stromnetze.

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» Anreizregulierung

Damit Netzbetreiber effizient arbeiten und trotzdem investieren.

Die Anreizregulierung legt fest, wie viel Netzbetreiber für den Betrieb und Ausbau ihrer Netze verdienen dürfen. Sie soll sicherstellen, dass sie Kosten sparen und effizient wirtschaften, ohne dabei wichtige Investitionen in Versorgungssicherheit und Energiewende zu vernachlässigen.

» Automatisierung / Digitalisierung

Störungen erkennen, bevor sie jemand merkt – das ist das Ziel automatisierter Stromnetze.

Automatisierung im Verteilnetz bedeutet, dass Überwachung und Steuerung zunehmend digital und selbstständig ablaufen – etwa durch Sensorik, fernsteuerbare Anlagen und den Einsatz von Künstliche Intelligenz (KI) in der Leittechnik. So können Anpassungen in Echtzeit erfolgen und der Netzbetrieb wird schneller, stabiler und effizienter – gerade bei steigender Einspeisung aus erneuerbaren Energien.

» Bilanzkreismanagement

Damit passen Strommengen von Erzeugern und Verbrauchern am Ende zusammen.

Es stellt sicher, dass Energieversorger immer genau so viel Strom einspeisen oder einkaufen, wie ihre Kunden verbrauchen. Stimmt die Bilanz nicht, gleichen Ausgleichsenergie und entsprechende Zahlungen das System wieder aus – so bleibt das Stromnetz stabil.

» Blindleistung

Die unsichtbare Kraft, die das Netz am Laufen hält.

Sie baut die elektromagnetischen Felder auf, die notwendig sind, damit Strom überhaupt fließen kann. Sie verrichtet keine Arbeit wie Motoren oder Lampen, stabilisiert aber Spannung und Netzbetrieb. Ohne ausreichende Blindleistung würde das Stromnetz instabil und die Spannung „einbrechen“.

» Bundesnetzagentur (BNetzA)

Die Schiedsrichterin im Energiesystem – unparteiisch, aber mit klarer Pfeife.

Sie überwacht den diskriminierungsfreien Zugang zu den Strom- und Gasnetzen, reguliert Netzentgelte, genehmigt Investitionspläne und setzt Vorgaben für Versorgungssicherheit, Markttransparenz und Digitalisierung um. Als unabhängige Behörde ist sie zentraler Akteur zwischen Netzbetreibern, Politik und Öffentlichkeit. 

» DSO 2.0

Der Verteilnetzbetreiber wird zum aktiven Systemmanager.

Die Abkürzung DSO steht für Distribution System Operator, zu deutsch: Verteilnetzbetreiber. Unter dem Begriff DSO 2.0 versteht man die Weiterentwicklung der Verteilnetzbetreiber vom klassischen Netzbetreiber hin zum aktiven Systemmanager. Sie übernehmen zunehmend Aufgaben, die früher nur auf Übertragungsnetzebene lagen: etwa Engpassmanagement, Flexibilitätsnutzung und Systemdienstleistungen im Verteilnetz. Damit sichern sie auch bei steigenden Anteilen Erneuerbarer Energien die Stabilität und Effizienz des Gesamtsystems.

» Engpassmanagement

Die smarte Steuerung, wenn das Netz an seine Grenzen stößt.

Dabei sorgen Netzbetreiber dafür, dass es trotz hoher Last oder starker Einspeisung nicht zu Überlastungen kommt. Sie schalten Erzeugungsanlagen gezielt hoch oder runter, steuern Lasten und nutzen Redispatch-Maßnahmen, um den Stromfluss im Netz im Gleichgewicht zu halten und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

» Flexibilisierung

Flexibilisierung macht das Energiesystem anpassungsfähig – genau dann, wenn es drauf ankommt.

Sie beschreibt die Fähigkeit, Stromerzeugung, Verbrauch und Speicherung zeitlich zu verschieben oder anzupassen, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Besonders wichtig wird das mit zunehmender Einspeisung aus Erneuerbaren Energien – denn Sonne und Wind richten sich nicht nach dem Strombedarf.

» Gateway Administrator

Der digitale Hausmeister im Messsystem – er sorgt dafür, dass alles sicher läuft.

Er übernimmt den technischen Betrieb des Smart Meter Gateways: Einrichtung, Wartung, Updates, sichere Datenkommunikation und Zugriffsverwaltung. Diese Aufgabe kann von zertifizierten Messstellenbetreibern, spezialisierten Dienstleistern oder – sofern entsprechend zugelassen – auch vom Netzbetreiber übernommen werden, ist aber strikt vom Netzbetrieb getrennt und unterliegt hohen Sicherheitsanforderungen.

» Hochspannung

Damit Strom große Strecken verlustarm zurücklegt.

Hochspannung bezeichnet Spannungsebenen zwischen 30 und 110 Kilovolt. Sie wird genutzt, um Strom über regionale Entfernungen effizient zu transportieren und verbindet meist Umspannwerke, Industriekunden oder große Verteilnetze. So kommen große Strommengen verlustarm von A nach B.

» Messstellenbetreiber

Der Stromzähler-Profi und das Rückgrat der modernen Energiedatenwelt.

Er ist verantwortlich für Einbau, Betrieb und Wartung von Stromzählern – klassisch oder digital. Messstellenbetreiber können grundzuständig (in er Regel vom Netzbetreiber gestellt) oder wettbewerblich sein. Beide müssen gesetzliche Vorgaben einhalten und bei Smart Meter zusätzlich zertifiziert sein, etwa als Gateway Administrator.

» Mittelspannung

Das Bindeglied zwischen Hochspannung und Niederspannung.

Mittelspannung umfasst Spannungsebenen von etwa 1 bis 30 Kilovolt und verteilt Strom von den Umspannwerken weiter zu Gewerbe, Industrie und den Ortsnetzen. Damit sorgt sie dafür, dass große Strommengen aus dem Hochspannungsnetz schrittweise heruntertransformiert und nahe an den Verbrauchsort gebracht werden.

» Netzanschlussmanagement

Damit neue Anlagen sicher ans Netz kommen.

Es umfasst alle Schritte von der Planung und Anmeldung über die technische Prüfung bis zur Inbetriebnahme, wenn z.B. Photovoltaikanlagen, Ladeparks oder Wärmepumpen an das Stromnetz angeschlossen werden. So wird sichergestellt, dass diese neuen Erzeuger und Verbraucher netzverträglich eingebunden werden und die Netzstabilität erhalten bleibt – eine zentrale Aufgabe der Verteilnetzbetreiber in der Energiewende.

» Netzausbau

Ohne neue Leitungen keine Energiewende.

Um die Energieversorgung auch in Zukunft zu sichern, muss das Stromnetz ausgebaut werden. Netzausbau bedeutet, Stromleitungen und Netzkomponenten zu bauen oder zu verstärken, um den wachsenden Strombedarf und die volatile Einspeisung aus Erneuerbaren Energien sicher zu bewältigen. Er ist entscheidend, um Engpässe, Abregelungen und hohe Redispatch-Kosten zu vermeiden – und damit Versorgungssicherheit und Klimaziele zu erreichen.

» Netzbildende Stromrichter

Wechselrichter werden selbst zum Taktgeber.

Sie (engl. grid forming inverters) können nicht nur Spannung und Frequenz halten, sondern aktiv vorgeben. Im Unterschied zu klassischen netzgeführten Anlagen stabilisieren sie das Netz, indem sie eine virtuelle Schwungmasse nachbilden – unverzichtbar, wenn immer mehr konventionelle Kraftwerke mit rotierenden Massen wegfallen und das Netz trotzdem stabil bleiben soll.

» Netzbetreiber

Strom kommt aus der Steckdose – aber nur dank der langen Leitung davor.

Netzbetreiber sind Unternehmen, die Strom- oder Gasnetze betreiben und für deren sicheren, zuverlässigen und diskriminierungsfreien Betrieb verantwortlich sind. Man unterscheidet Übertragungsnetzbetreiber (für große Strommengen über weite Strecken) und Verteilnetzbetreiber (für die regionale Verteilung bis zum Haushalt).

Etwa 830 Verteilnetzbetreiber (VNB) arbeiten in Deutschland arbeitsteilig am Betrieb und Ausbau des Stromnetzes. Sie kennen die Anforderungen vor Ort und können am besten damit umgehen. 4 Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) transportieren über große Strecken Strom. ÜNB und VNB arbeiten eng zusammen, um das Gesamtsystem sicher zu betreiben.

» Netzdienliche Flexibilität

Das Netz gibt den Takt vor für Verbrauch, Erzeugung und Speicher.

Diese können so gezielt gesteuert werden, dass sie dem Netz helfen: also Lastspitzen glätten, Engpässe vermeiden und Spannung sowie Frequenz stabil halten. Das ist besonders wichtig in einem Energiesystem mit viel wetterabhängigem Strom aus Wind und Sonne. 

» Netzentgelte

Wie das Porto für den Transport eines Briefes.

Alle Stromkunden zahlen für das Leiten ihres Stroms durch das Versorgungsnetz ein Netzentgelt an den Netzbetreiber. Das Netzentgelt ist Teil des Strompreises und macht dabei für Privatkunden etwa ein Drittel der Kosten aus.

» Netzentwicklungsplan

Das Drehbuch für den Stromnetzausbau der Zukunft.

Er zeigt, wo, wann und wie viel gebaut werden muss, damit das Stromnetz mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und dem steigenden Strombedarf Schritt hält – mit einem Planungshorizont bis 2045. Erstellt wird er von den Übertragungsnetzbetreibern im Auftrag der Bundesnetzagentur. Verteilnetzbetreiber liefern dafür wichtige Daten und Prognosen zur Einspeisung, Lastentwicklung und Netzanschlussplanung und müssen die Ergebnisse in ihre eigene Netzplanung einbeziehen, etwa an den Schnittstellen zum Übertragungsnetz.

» Netzintegration

Damit neue Erzeuger und Verbraucher sicher ins Stromnetz finden.

Es bezeichnet den technischen und regulatorischen Prozess, bei dem Erneuerbare Erzeugungsanlagen, Speicher und flexible Verbraucher in das bestehende Stromnetz eingebunden werden. Ziel ist es, ihre Einspeisung und Last so zu koordinieren, dass Netzstabilität, Versorgungssicherheit und Effizienz erhalten bleiben – auch bei stark schwankender Erzeugung aus Wind und Sonne.

» Netzneutralität

Der technologieoffene Transport von Elektrizität durch das Stromnetz.

Physikalisch werden Strommengen aus erneuerbaren oder konventionellen Quellen gleichbehandelt, sie fließen nach den Gesetzen der Physik und nicht nach Herkunft. Entscheidungen, welchen Strom Erzeuger einspeisen oder Verbraucher beziehen, regelt der Markt – das Netz selbst bleibt neutral.

» Niederspannung

Die letzte Etappe bis zur Steckdose.

Niederspannung bezeichnet Spannungsebenen bis ein Kilovolt und versorgt Haushalte, kleine Gewerbebetriebe und Straßenbeleuchtung direkt. Sie ist das letzte Glied in der Kette, das den Strom aus dem großen Netz sicher und nutzbar bis zu den Verbrauchern bringt.

» Regulatorischer Rahmen

Er setzt die Spielregeln für die Energiewende.

Der regulatorische Rahmen umfasst alle gesetzlichen, wirtschaftlichen und technischen Vorgaben, die den Betrieb, Ausbau und die Finanzierung der Stromnetze steuern – vom Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über Netzentgeltverordnungen bis hin zu EU-Vorgaben. Für Verteilnetzbetreiber ist er maßgeblich dafür, wie Investitionen angereizt, Prozesse gesteuert und Klimaziele rechtssicher umgesetzt werden können.

» Roadmap Systemstabilität

Der Masterplan für ein stabiles Netz.

Die Roadmap Systemstabilität ist ein gemeinsamer Umsetzungspfad des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), der Bundesnetzagentur (BNetzA), der Übertragungsnetzbetreiber und weiteren Branchenakteuren. Ziel es dabei, das Stromsystem bis 2045 vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen und dabei stabil zu halten. Die Roadmap Systemstabilität beschreibt konkrete Maßnahmen, Zeitpläne und Verantwortlichkeiten, etwa beim Ersatz konventioneller Systemdienstleistungen durch neue, netzstabilisierende Technologien.

» Sektorenkopplung

Bringt zusammen, was lange getrennt war: Strom, Wärme und Mobilität.

Die Sektorkopplung verknüpft bisher getrennte Energiesektoren intelligent – etwa durch Wärmepumpen, Elektroautos oder Power-to-X-Technologien, die Strom aus Erneuerbaren Energien in Wärme, Gas oder Bewegung umwandeln. So wird das Energiesystem effizienter, flexibler und ein zentraler Hebel für die Dekarbonisierung und ein wichtiger Baustein für die Umsetzung der Energiewende.

» Smart Grid

Keine Science-Fiction, sondern Smart Grid – ein Stromnetz, das mitdenkt.

Ein Smart Grid ist ein digitales, intelligentes Stromnetz, das Daten in Echtzeit nutzt, um Stromflüsse effizient zu steuern und auf Schwankungen zu reagieren. Es verknüpft Erzeuger, Verbraucher, Speicher und Netzbetrieb so, dass auch bei viel erneuerbarem Strom Versorgungssicherheit und Netzstabilität gewährleistet bleiben.

» Smart Meter

Der digitale Blick ins Stromnetz – in Echtzeit und mit Köpfchen.

Smart Meter sind moderne, digitale Stromzähler, die den Verbrauch minutengenau erfassen und Zählerstände automatisch an Netzbetreiber und Energielieferanten per Fernablesung übermitteln. Sie bilden die Grundlage für flexible Tarife, intelligentes Lastmanagement und eine effizientere Netznutzung – und sind damit ein zentraler Baustein der Digitalisierung der Energiewende. 

» Smart Meter Gateway

Das digitale Herzstück der neuen Messinfrastruktur.

Es verbindet den Smart Meter sicher mit externen Akteuren wie Netzbetreibern, Energielieferanten oder Direktvermarktern – verschlüsselt, standardisiert und fernsteuerbar. So ermöglicht es nicht nur transparente Verbrauchsdaten, sondern auch netzdienliche Steuerung, etwa für flexible Tarife oder den Betrieb steuerbarer Geräte.

» Systemdienstleistung / Redispatch

Wenn’s im Netz eng wird, greifen die Systemdienstleistungen ein.

Erzeugung und Verbrauch müssen immer im Gleichgewicht sein. Systemdienstleistungen durch Netzbetreiber sichern die Stabilität des Stromnetzes, zum Beispiel durch Frequenzhaltung, Spannungskontrolle oder Ausgleich von Lastflüssen. Redispatch ist eine dieser Maßnahmen: Dabei werden Erzeugungsanlagen gezielt hoch- oder runtergeregelt, um Netzengpässe zu vermeiden – möglichst effizient und netzdienlich.

» Übertragungsnetz

Die Stromautobahn Deutschlands.

Das Übertragungsnetz transportiert große Strommengen mit Höchstspannung über große Strecken quer durch Deutschland und Europa – zum Beispiel Windstrom aus dem Norden in die Industriezentren im Süden. Es verbindet Kraftwerke, internationale Strommärkte und die Verteilnetze und ist damit das Rückgrat der nationalen Versorgungssicherheit.

» Verteilnetz

Das Rückgrat der Energiewende vor Ort.

Es transportiert Strom auf Hoch-, Mittel- und Niederspannungsebene vom überregionalen Netz zu Haushalten, Gewerbe und Industrie und nimmt zunehmend Strom aus dezentralen erneuerbaren Anlagen auf.

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