Warum der Verteilnetzausbau wichtig ist
Die Verteilnetze sind das Rückgrat der Energiewende. Rund 95 Prozent der erneuerbaren Anlagen sind hier angeschlossen – und ihre Zahl wächst rasant: mehr Anfragen und stetig steigende Leistung. Ohne leistungsfähige Verteilnetze kann der Strom aus Wind- und Solaranlagen nicht genutzt, neue Verbrauchende nicht angeschlossen und die Klimaziele nicht erreicht werden. Hierfür muss allerdings auch genug Kapazität vorhanden sein. Darüber hinaus gewährleistet ein rechtzeitiger Ausbau die Versorgungssicherheit und hält die Energiekosten langfristig stabil. Verzögerungen beim Netzausbau würden die Klimaneutralität verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaft und Industrie gefährden.
Wo wir aktuell stehen und was noch kommt
Der Netzausbau befindet sich im Übergang von Phase 1 zu Phase 2:
- Phase 1: Bisher reichten punktuelle Erweiterungen aus, da noch genügend Netzkapazitäten vorhanden waren. In Vorbereitung auf die künftigen Entwicklungen wurden in den vergangenen Jahren bereits viele wichtige Weichen gestellt und Ausbauprojekte gestartet.
- Phase 2: In den kommenden Jahren sind flächendeckende Investitionen erforderlich. Grund sind der beschleunigte Ausbau von PV-Anlagen, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und energieintensiven Betrieben. Mit wachsender Nachfrage entstehen häufiger Netzengpässe, sodass Flexibilitätsoptionen wie steuerbare Lasten und intelligente Steuerung entscheidend werden.
- Phase 3: Langfristig wird ein stationärer Zustand erreicht. Hier gilt es, Flexibilitäten dauerhaft netzdienlich einzusetzen, um das Netz nicht überdimensionieren zu müssen.
Schon heute investieren die Verteilnetzbetreiber (VNB) massiv in Netzkapazitätserweiterungen, neue und moderne Infrastruktur, digitale Technologien und innovative Flexibilitätsplattformen – entscheidende Grundlagen für die nächste Ausbaustufe. Während 2024 rund 8,6 Milliarden Euro in die Verteilnetze investiert worden sind, wird sich die jährliche Investitionssumme bis ins Jahr 2030 auf 15,4 Milliarden Euro erhöhen.
Herausforderungen beim Verteilnetzausbau
Der Verteilnetzausbau ist technisch möglich, dafür müssen aber bestehende Hürden überwunden werden: Denn es geht um viele Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren für den Ausbau erforderlich werden. Gerade dafür brauchen die Verteilnetzbetreiber einen passenden Regulierungsrahmen, in dem sie die notwendigen Mittel beschaffen können. Zudem stehen einem schnellen, zielgerichteten Ausbau immer noch uneinheitliche Prozesse, langwierige Prüf- und Genehmigungsverfahren und fehlende digitale Schnittstellen im Wege.
Ein Verteilnetz, das immer leistungsfähiger werden muss, um mit den Herausforderungen Schritt zu halten, kostet auch mehr. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das voraussichtlich höhere Kosten durch steigende Netzentgelte. Um die Kosten des Netzausbaus möglichst gering zu halten, arbeiten die Netzbetreiber eng mit der Politik und den Regulierungsbehörden zusammen und unterbreiten regelmäßig Vorschläge, wie die Kosten im Netzbetrieb begrenzt werden können. Dazu gehören Maßnahmen zur Standardisierung von Prozessen oder zur Optimierung von Investitionen, um langfristig eine kostengünstige Netzversorgung sicherzustellen. Dazu gehört aber auch die Abschaffung bzw. Vermeidung von unnötigen Bürokratiekosten.
Der notwendige rechtlich-regulatorische Rahmen
Damit der Verteilnetzausbau gelingt, müssen Politik und Regulierung verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören vor allem:
- ein Regulierungsrahmen, der Netzbetreibern Zugang zu den erforderlichen Investitionsmitteln verschafft
- schnelle, einfache und unbürokratische Planungs- und Genehmigungsverfahren auf allen Ebenen
- eine klare Vision, wie Netzausbau und Flexibilität im Energiesystem von morgen effizient und optimal zusammenspielen
Fazit
Der Verteilnetzausbau ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Die VNB investieren schon heute massiv in Netze, Digitalisierung und Steuerungstechnik – doch um Tempo und Effizienz zu steigern, braucht es klare politische Weichenstellungen, verlässliche Anreize und schlanke Verfahren.