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Stadtwerke Weißwasser erschließen industrielle Abwärme als Zukunftsenergie

Mit Abwärme eines Unternehmens aus der Glasproduktion treiben die Stadtwerke Weißwasser kooperativ die Wärmewende voran – effizient, nachhaltig und regional.

Stadtwerke Weißwasser erschließen industrielle Abwärme als Zukunftsenergie

© Stölzle (Creative Comet)

Die Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) zeigen eindrucksvoll, wie eine kommunale Versorgungsgesellschaft gemeinsam mit der Industrie den Wandel hin zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung gestalten kann. In Kooperation mit der Stölzle Lausitz GmbH soll Abwärme aus Glasöfen mit Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius genutzt werden, um über ein regionales Fernwärmenetz künftig viele Haushalte zu versorgen.

Abwärme ersetzt fossile Wärmequellen

Der Ansatz: Statt Abwärme ungenutzt zu lassen, wird sie – durch innovative Wärmetauscher, hitzebeständige Materialien und angepasste Steuerungstechnik – in das städtische Netz eingespeist und ersetzt so klassische fossile Wärmequellen.

Das Projekt bietet gleich mehrere Best-Practice-Aspekte: Erstens die Gewerke-übergreifende Kooperation: Industrie produziert Abwärme, die Stadtwerke übernehmen die Einspeisung und Verteilung. Zweitens die lokale Wertschöpfung: Bis zu 30 Prozent des städtischen Wärmebedarfs könnten gedeckt, über 7.000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Drittens die technische Innovation: Es gilt, die Abgase bei hohen Temperaturen aufzubereiten, Wärmetauscher mit hoher Belastung einzusetzen und Schnittstellen zur Fernwärme herzustellen. Die Stadtwerke Weißwasser prüfen im Gegenzug die Möglichkeit, Kälte zur Maschinen- und Hallenkühlung für Stölzle bereitzustellen.

Was sich aus dem Projekt für Stadtwerke und Kommunen ableiten lässt

Für andere Stadtwerke und Kommunen lassen sich daraus folgende Leitsätze ableiten:

  • Potenzial identifizieren: Wo entsteht industrielle Abwärme? Wie groß sind Bedarf und Einsparpotenziale? In Weißwasser waren das ca. 125 GWh Wärmebedarf, davon 50 GWh über Fernwärme – rund 40 Prozent.
  • Partner finden: Industrie braucht einen Abnehmer, Stadtwerk braucht Wärmequelle – gemeinsames Ziel: Ressourcenschonung plus Versorgungssicherheit.
  • Technik und Prozesse prüfen: Eine Hitzestufe von 1.500 Grad Celsius bringt enorme Anforderungen – Reinigung, Wärmetauscher, Steuerung. Ohne handfeste technische Planung geht nichts.
  • Wirtschaftlichkeit sichern: Investitionen sind erforderlich, aber Ziel ist stabile Wärmepreise und langfristige Perspektive. In Weißwasser steht die Wirtschaftlichkeitsanalyse aktuell an.
  • Skalierung im Blick behalten: Nicht jede Industrie liefert Abwärme mit geeigneten Bedingungen. Doch das Prinzip gilt – auch für andere Technologie-, Abfall- oder Produktionsprozesse.

Das Projekt in Weißwasser ist kein theoretisches Experiment, sondern ein konkreter Schritt hin zur Wärmewende auf kommunaler Ebene. Es zeigt: Mit Mut, Partnerschaft und Technik lässt sich aus industrieller Abwärme ein strategischer Baustein für Heiz- und Warmwasserversorgung machen – klimafreundlich und wirtschaftlich zugleich. Stadtwerke, die diese Chance nutzen, sichern ihre Zukunft als zentrale Akteure der Energie- und Wärmeversorgung.

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