Moderne Wärmenetze mit digitalen Hausanschlussstationen
Die Stadtwerke Weimar treiben mit Nachdruck die Digitalisierung und Effizienzsteigerung ihres Fernwärmenetzes voran. Im Rahmen des Programms „Neu- und Ausbau von Fernwärmenetzen in zentralen Orten (NAF)“ des Freistaats Thüringen wird das Vorhaben mit 2 Mio. Euro aus EFRE-Fördermitteln unterstützt. Ziel des Projekts ist es, bestehende Hausanschlussstationen durch intelligente, digitale Systeme – sogenannte iHAST – zu ersetzen und so die Wärmeversorgung zukunftssicher und effizienter zu gestalten.
Mit den iHAST wird in den angeschlossenen Gebäuden nicht nur die Wärmeübertragung gewährleistet, sondern gleichzeitig eine kontinuierliche Erfassung und Regelung relevanter Mess- und Betriebsdaten. Dazu zählen unter anderem Temperatur, Druck und Lastprofile. Diese Daten ermöglichen eine automatisierte, bedarfsgerechte Steuerung des Wärmebedarfs, eine effiziente Auslastung der Heiz- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie die Minimierung von Energieverlusten. Damit verbunden sind eine verbesserte Kostenkontrolle, höhere Versorgungssicherheit und gesteigerter Komfort für Kundinnen und Kunden.
Die digitale Vernetzung schafft zudem Transparenz: Energieverbräuche und Betriebskosten werden in Echtzeit abrufbar. Das erleichtert Verbrauchs- und Kostenkontrolle und erlaubt es, zielgerichtet Energieeinsparmaßnahmen umzusetzen. Für Haushalte, Wohnungsbaugesellschaften und Unternehmen in Weimar entsteht so ein klarer Mehrwert.
Mit Blick auf die Zukunft legt das Projekt zugleich die Basis für eine nachhaltige, klimafreundliche Wärmeversorgung. Die iHAST eröffnen die Möglichkeit, erneuerbare Wärmequellen – etwa Solarthermie, Wärmepumpen, industrielle Abwärme oder künftige grüne Technologien – effektiv zu integrieren. Damit kann das Wärmenetz flexibler auf sich verändernde Energiequellen reagieren und langfristig auf fossile Brennstoffe verzichten.
Das Netz der Stadtwerke Weimar versorgt aktuell rund 9.000 Fernwärmekunden. Erste iHAST-Stationen sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, das gesamte Projekt ist bis 2027 geplant. Damit zeigt Weimar, wie sich kommunale Wärmeversorgung technologisch und klimatisch modernisieren lässt – ein Modell, das auch für andere Städte oder Energieversorger Anregungen bieten kann.
Wärmegewinnung aus Abwasser: Ressource für nachhaltige Fernwärme
Parallel zu den digitalen Hausanschlussstationen setzen die Stadtwerke Weimar auf eine weitere Innovation: die Nutzung von Abwasserwärme als klimafreundliche Energiequelle. Im Projekt „Aus Abwasser wird Wärme“ soll Wärme, die bei der Klärung von Abwasser anfällt, künftig für die Fernwärmeversorgung genutzt werden.
Denn gereinigtes Abwasser führt weiterhin nutzbare Wärmeenergie mit sich. Diese will Weimar künftig am Ablauf der Kläranlage über einen Wärmetauscher erschließen – und damit eine lokal verfügbare, ganzjährig stabile Wärmequelle für die Fernwärme gewinnen. Perspektivisch soll so ein erheblicher Beitrag zur Wärmeversorgung entstehen: Als Zielgröße nennen die Stadtwerke, dass rund 45 Prozent der Weimarer Fernwärme über den Standort Kläranlage bereitgestellt werden könnten.
Damit die Wärme bedarfsgerecht genutzt werden kann, ist das System flexibel geplant. Die gewonnene Niedertemperaturwärme wird in einem geschlossenen Kreislauf entweder zu einem Saisonalspeicher transportiert (etwa 1,5 Kilometer entfernt), um sie zeitlich versetzt abrufen zu können, oder sie wird über eine Wärmepumpe auf ein für das Netz geeignetes Niveau angehoben. Angestrebt werden 80 bis 90 °C, sodass eine direkte Einspeisung in die Fernwärme möglich wird.
Das Projekt zeigt, wie sich vorhandene Infrastruktur Schritt für Schritt modernisieren lässt, ohne die Versorgungssicherheit aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig werden Rahmenbedingungen wie Anlagensicherheit, Betrieb der Kläranlage und Umweltaspekte frühzeitig mitgedacht – eine Voraussetzung, damit solche Vorhaben genehmigungsfähig und langfristig robust sind. So wird aus einem bisher ungenutzten Energiepotenzial ein konkreter Baustein der Wärmewende vor Ort – eingebettet in den Transformationspfad hin zu einer klimafreundlichen Fernwärmeversorgung bis 2045.