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Stromverteilnetzbetreiber veröffentlichen Regionalszenarien

VNB prognostizieren gigantischen Zuwachs der Leistungsbedarfe in den sechs Planungsregionen.

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© Dieter Kuhn / Shutterstock

Die Stromverteilnetzbetreiber mit über 100.000 Kunden veröffentlichten am 28. Januar 2026 ihre sechs Regionalszenarien 2025 auf VNBdigital, dem gemeinsamen Netzportal aller Stromverteilnetzbetreiber in Deutschland. Ein Regionalszenario enthält Prognosen zur künftigen Anschlussleistung für Erzeugung und Verbrauch bis zur angestrebten Klimaneutralität im Jahr 2045. Wichtige Etappenpunkte in den neuen Regionalszenarien sind die Jahre 2030 und 2035. Die Prognosen machen die dramatisch steigenden Anforderungen an das Stromverteilnetz deutlich.

Anschlussleistung im Verteilnetz steigt enorm

Rechnet man die Prognosewerte der einzelnen Planungsregionen zusammen, so ergibt sich eine Vervierfachung der aktuell installierten Leistung von PV-Anlagen im Jahr 2045 auf rund 425 GW (peak). Bei der Windenergie an Land gehen die Verteilnetzbetreiber von einer Verdreifachung des Anlagenbestandes auf rund 175 GW aus. Verglichen mit der Prognose 2045 in den Regionalszenarien 2023 ist damit die Schätzung für die Photovoltaik leicht gesunken, für Wind an Land aber um über zehn Prozent gestiegen. Besonders eklatant ist der Hochlauf von Großbatteriespeichern: Die aktuell rund 2 GW sollen bis 2045 auf rund 68 GW anwachsen – allein im Verteilnetz. Bei Kleinbatteriespeichern (Anlagenleistung < 1 MW) rechnen die Verteilnetzbetreiber mit der siebenfachen heutigen Anschlussleistung im Jahr 2045. Insgesamt bewegen sich die Prognosen für 2045 in einem ähnlichen Feld wie jene des aktuellen Szenario B des Netzentwicklungsplans Strom 2037 /2045, Version 2025 der Übertragungsnetzbetreiber.

Erhebliche Zuwächse auch bei den Verbrauchsanlagen: Bei den Wärmepumpen (ohne Großwärmepumpen) beträgt die prognostizierte Anschlussleistung 78 GW im Jahr 2045, eine Verzehnfachung der heutigen Anschlussleistung. Bei zentralen Wärmelösungen wie Großwärmepumpen sollen es dann über 27 GW sein – derzeit ist es in Summe wenig mehr als ein GW. Auch die Elektromobilität braucht künftig erhebliche Kapazitäten. Ladepunkte aller Art kommen derzeit insgesamt auf etwas über 16 GW, für 2045 ermitteln die Verteilnetzbetreiber einen Bedarf von über 364 GW. Für (eigenständige) Rechenzentren sind im Verteilnetz aktuell weniger als zwei GW Leistung angeschlossen, 2045 sollen es knapp 37 GW sein. Ein beträchtlicher Teil der Elektrolyseure wird zwar an das Übertragungsnetz angeschlossen werden, in vielen Fällen aber auch an das Verteilnetz. Den Prognosen der Verteilnetzbetreiber zufolge sind es über 27 GW im Jahr 2045.

Gemeinsame Grundlage der Netzausbaupläne

Um diesen exponentiell wachsenden Leistungsbedarf zu erfüllen, müssen die Verteilnetzbetreiber ihre Netze über alle Spannungsebenen stark ausbauen. Die Zusammenarbeit der Netzbetreiber ist dabei von größter Bedeutung und in § 14d EnWG rechtlich verankert. Jeder Verteilnetzbetreiber gehört dabei einer von sechs Planungsregionen an (in wenigen Fällen zwei). In jeder Planungsregion erstellen die Netzbetreiber mit über 100.000 Kunden alle zwei Jahre ein gemeinsames Regionalszenario. Über den BDEW stimmen sich die sechs Planungsregionen untereinander sowie mit der Bundesnetzagentur ab

Die Regionalszenarien sind Grundlage für die Netzausbaupläne der einzelnen Netzbetreiber mit über 100.000 Kunden. Die Netzausbaupläne enthalten die konkreten Maßnahmen zur Erneuerung, Verstärkung und Ausbau der einzelnen Verteilnetze. Auch sie erscheinen alle zwei Jahre, das nächste Mal zum 31. Oktober 2026. Die Regionalszenarien fließen auch in die Szenariorahmen bzw. Netzentwicklungspläne der Übertragungsnetzbetreiber ein.

Mitwirkung sämtlicher Stromverteilnetzbetreiber

In die Erstellung der Regionalszenarien 2025 waren erstmals auch alle Stromverteilnetzvertreiber mit weniger als 100.000 Kunden eingebunden. Der BDEW entwickelte mit Vertretern von Verteilnetzbetreibern aller Ebenen und aus allen Planungsregionen, dem VKU und in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur ein praxisnahes Verfahren, mit dem alle Verteilnetzbetreiber mit weniger als 100.000 Kunden die erforderlichen Daten im Sommer 2025 einfach und effizient übermittelten. Mit den Einschätzungen für ihr jeweiliges Netzgebiet trugen diese Netzbetreiber erheblich zur Verbesserung der Prognosen für ihre Planungsregion bei.

Die neuen Regionalszenarien sowie eine Übersicht der Prognosen in Tabellenform finden Sie auf VNBdigital.

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