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Von Kohleausstieg bis Wasserstoff:

Energiewende auf portugiesisch

Sonne und Meer machen Portugal zum beliebten Reiseziel – und sie bieten Potenzial für eine innovative Energieversorgung. Fünf Fakten

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© Illu: Robert Albrecht/BDEW

In Portugal decken die Erneuerbaren zeitweise 100 Prozent des Strombedarfs.
Mehr als die Hälfte (2019: 55 Prozent) des portugiesischen Stroms stammt aus Erneuerbaren Energien – im Jahr 2000 waren es erst 28 Prozent. Der Blick auf die installierten Kapazitäten (2018: 21,2 GW) zeigt, dass vor allem Wasser- (mit 7,2 GW) und Windkraft (5,2 GW) eine wichtige Rolle spielen, Photovoltaik hingegen kaum genutzt wird (0,7 GW installiert). Im verregneten März 2018 konnte Portugal seinen Strombedarf zeitweise sogar zu 100 Prozent durch Erneuerbare decken; Dürreperioden bremsen die Wasserkraftwerke aber auch immer wieder aus. 

 

Portugal will Anfang 2021 komplett aus der Kohle aussteigen. 
Für 2030 hat Portugal ein Ziel von 80 Prozent Erneuerbaren am Strommarkt ausgegeben, insgesamt sollen dann 47 Prozent der Energienachfrage aus Wind, Wasser und Co. gedeckt werden. Mitte 2020 hat der Betreiber EDP die Stilllegung des letzten portugiesischen Kohlekraftwerks in Sines ab Januar 2021 beantragt,  zwei Jahre früher als ursprünglich geplant: Unter anderem angesichts steigender CO2-Preise könne es kaum mehr rentabel betrieben werden. 2019 stammten in Portugal noch zehn Prozent der Stromproduktion aus Kohle, Gas hatte einen Anteil von 23 Prozent. Atomkraftwerke gab es in Portugal nie. 

 

An der Algarve steht Europas größter Solarpark, der ohne staatliche Förderung auskommt. 
Mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr machen Portugals Südküste zum beliebten Reiseziel – und zu einem lukrativen Standort für Photovoltaik. Das zeigt der Solarpark Solara 4: Mit 700.000 Modulen und 219 Megawatt Leistung ist die Anlage nicht nur die größte des Landes, sondern auch die größte Europas, die ganz ohne staatliche Förderung auskommt. Investor ist die Allianz; finanziert wird Solara 4 über Abnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs), die eine feste Vergütung über die nächsten 20 Jahre garantieren. 

 

Der erste schwimmende Windpark Kontinentaleuropas speist ins portugiesische Netz ein. 
Im August 2020 gingen die drei Turbinen des Windparks WindFloat Atlantic ans portugiesische Netz: Der erste schwimmende Windpark Kontinentaleuropas ist damit in Betrieb. Auf dem Trockendock wurden die 30 Meter hohen Anlagen mit insgesamt 25 Gigawatt Leistung auf dreieckige halbtauchbare Stahlplattformen, die Floats, montiert. Anschließend wurden sie auf hohe See geschleppt und in rund 100 Meter tiefen Gewässern verankert, wo sie selbst bei ungünstigen Wetter- und Seebedingungen stabil bleiben. Die drei Anlagen sollen jährlich rund 60.000 Haushalte versorgen. 

 

Portugal investiert in grünen Wasserstoff – auch für den Export.
Energieträger der Zukunft und Hoffnungsträger für den Klimaschutz: Ganz Europa setzt auf grünen Wasserstoff. Die EU fördert daher Gemeinschaftsvorhaben in den Mitgliedsstaaten – darunter auch „Green Flamingo“ im Hafen von Sines. Aus dem Meerwasser des Atlantiks soll hier künftig Sauerstoff und Wasserstoff erzeugt werden. Dafür entsteht zunächst ein Solarpark, der günstigen Strom für die Elektrolyse liefert. Der Betrieb könnte 2023 starten, bis 2030 soll eine Leistung von 1.000 Megawatt installiert sein. Erst im Herbst 2020 hat Portugal mit der niederländischen Regierung eine Absichtserklärung unterzeichnet, die den grünen Wasserstoff künftig über den Hafen Rotterdam importieren will. Im Mai 2020 hat Portugal zudem eine nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt.


Mehr zur Energiewende in Europa

Europas Energiesektoren – eine Broschüre der EU wirft einen Blick in die Mitgliedsstaaten. Zur Seite

Blickpunkt Portugal – das Jahrbuch 2020 der portugieisischen Organisation für erneuerbare Energien (APREN). Zum Jahrbuch

Europäische Wasserstoffvorhaben – die „Hydrogen for climate action“ liefert einen Projektüberblick. Zur Seite


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