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Smart Home: Energie sparen mit intelligenter Technik

Intelligente Technik: Mit dem Smartphone den Kühlschrank befüllen. Jeder Spezialist für Fragen rund um Energie, Smart Home und digitale Vernetzung ist spätestens in den eigenen vier Wänden selbst Konsument. Streitfragen stellt Experten eine Frage, die sie aus der Sicht von Kunden beantworten.

Der österreichische Internetforscher Viktor Mayer-Schönberger sagt, was ein intelligenter Kühlschrank können muss.

Streitfragen: Herr Mayer-Schönberger, Ihr Kühlschrank weist Sie darauf hin, dass Ihr Gemüsefach seit drei Wochen leer ist. Er fordert Sie auf, bei Ihrem Hausarzt deshalb Ihren Eisenspiegel checken zu lassen. Wie finden Sie das?

Mayer-Schönberger: Amüsant – denn mein Gemüsefach ist meistens leer. Und ein wirklich intelligenter Kühlschrank weiß das. Im Ernst: Es geht bei solchen Szenarien eben genau darum, den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen die Informationen zu geben, die sie benötigen, um für sich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Hilft mir mein Haushaltsgerät meinen Cholesterinspiegel, wenn ich darum gebeten habe, im Blick zu behalten, dann empfinde ich das als hilfreich und gut. Das erlaubt mir, nicht ständig selbst alles im Blick behalten zu müssen. So entlastet mich die Technik.

Anders, wenn auf diese Weise versucht wird, mich zu manipulieren. Das, um Frau Merkel zu zitieren, „geht gar nicht”.

Der Kern der Lösung liegt in der verantwortungsbewussten Verwendung personenbezogener Daten. Das bedeutet nichts anderes als, dass Unternehmen personenbezogene Daten, ganz gleich wie sie gesammelt wurden, eben nicht beliebig verwenden dürfen. Das erfordert neue und klare rechtliche Rahmenbedingungen, das erfordert aber auch eine effektive Kontrolle, und nicht zuletzt so etwas wie einen Daten-TÜV, der mit entsprechender Expertise die sachgemäße Verwendung auch entsprechend zertifizieren und damit bestätigen kann. Denn sonst droht ein Vertrauensverlust, der nicht mehr wieder wettgemacht werden kann.

Wenn es soweit käme, würde ich bei meinem Kühlschrank den Stecker rausziehen und ins Restaurant um die Ecke gehen.


Viktor Mayer-Schönberger beschäftigt sich mit der Zukunft des Internets.

Zur Person: Viktor Mayer-Schönberger, Jahrgang 1966, arbeitet am Oxford Internet Institute zu Fragen der Internetregulierung. Zuvor lehrte der österreichische Jurist an der Harvard Kennedy School of Government. In seinem 2009 veröffentlichten Buch „Delete“ forderte er ein „Recht auf Vergessen“, 2013 erschien „Big Data“, in dem Mayer-Schönberger sich mit den gesellschaftlichen Folgen der Nutzung von Big Data beschäftigt. Er berät außerdem Unternehmen, Regierungen und internationale Organisationen

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