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Wärmepioniere

Als deutsche Städte in den 1920ern die Fernwärmeversorgung aufbauten, waren sie weltweit Pioniere. Heute müssen sie zeigen, wie die Energiewende in den Netzen ankommt.

Wer Bilder der deutschen Energiewende sucht, wird schnell fündig: hier ein Foto eines Windrads, dort eine Stromleitung. Was dabei allerdings – in den Bilddatenbanken wie in den Köpfen – oft zu kurz kommt, ist der Wärmemarkt. Immerhin gehen 56 Prozent der Endenergie in Deutschland für Heizung, Warmwasser, Prozesswärme und -kälte drauf, mehr als doppelt so viel wie für Strom. Doch während bereits jede dritte Kilowattstunde Strom regenerativ erzeugt wird, stagniert der Anteil der Erneuerbaren an der Wärmeerzeugung bei rund 13 Prozent. Bei der Fernwärme lag er 2017 kaum höher, nämlich bei 13,8 Prozent. Eine Aufgabe der nächsten Jahre wird es daher sein, Solarthermie, Biomasse oder Geothermie in bestehende Netze zu integrieren.

Energiesparen durch Energieeffizienz, auf dieses Klimaziel zahlt die Fernwärme hingegen an sich schon ein. Schließlich stammen 68 Prozent der Fernwärme in den deutschen Netzen aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Entstehen aus Gas, Kohle oder Abfällen gleichzeitig Strom und Wärme, können bis zu 90 Prozent der Energie genutzt werden, deutlich mehr als bei der reinen Verstromung. Einen weiteren Anteil von drei Prozent am Gesamtabsatz hat die industrielle Abwärme – auch hier kommt Wärme zum Einsatz, die andernfalls einfach verpuffen würde.Fernwärmeabsatz 2017Von der „Städteheizung“ war die Rede, als sich die Fernwärme nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland sprunghaft entwickelte – schließlich funktioniert das Prinzip dann am besten, wenn der Verbrauch hoch und die Leitungsverluste gering, die Wege also kurz sind. Noch heute haben meistens Mehrfamilienhäuser in der Stadt einen Fernwärmeanschluss, vor allem in den Stadtstaaten und in Ostdeutschland hat sie historisch gewachsen eine starke Position. 2017 heizten bundesweit 5,8 Millionen Haushalte mit Fernwärme, 750.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Im Neubau hatte die Fernwärme bezogen auf die Wohnungen im letzten Jahr einen Anteil von fast 25 Prozent. Eine Zukunftstechnologie: Schließlich gilt der Anschluss an ein Wärmenetz (mit mindestens 50 Prozent KWK) nach dem Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz als sogenannte Ersatzmaßnahme, entbindet also von der Pflicht, Solarthermie oder Umweltwärme zu nutzen.Fernwärme in ZahlenOb mehr Erneuerbare, zunehmende Dezentralisierung oder Flexibilisierung: Auch die Umbrüche auf dem Strommarkt verändern die Geschäftsmodelle in der Fernwärme. Ein Beispiel: Werden Kohleheizkraftwerke auf Gas umgestellt, können sie zwar schneller hoch- und heruntergefahren werden und so auf Preissignale am Strommarkt reagieren. Um diese Flexibilität voll ausnutzen zu können, muss möglicherweise aber noch in einen thermischen Speicher investiert werden, damit die stabile Wärmeversorgung trotzdem sicher ist.

Text: Christiane Waas

Von günstigem Windstrom bis zur tiefen Geothermie - was die "Warmewende" konkret für die Fernwärme bedeutet, erläutern vier Praxisbeispiele aus vier Städten.


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