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“Künstliche Intelligenz bietet erhebliche Potentiale für die Energiewirtschaft und die Energiewende“

Künstliche Intelligenz ist in der Energiewirtschaft angekommen. Was das für die Branche bedeutet, erläutert BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae im Interview.

Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft

© shutterstock

Kaum eine andere Technologie erhält derzeit eine solche Aufmerksamkeit wie Technologien, die unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ (KI) zusammengefasst werden. Welche Auswirkungen hat die neue Technologie für die Energiewirtschaft? In einem zusammen mit dem BDEW veröffentlichten Buch berichtet der Energieversorger E.ON über die Erfahrungen beim Einsatz von KI im Unternehmen. Zeitgleich arbeitet der BDEW in einem eigenen Projekt zum Thema „KI in der Energiewirtschaft“. Ein Gespräch mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des BDEW, über Chancen, Risiken und Anwendungen von Künstlicher Intelligenz.

Frau Andreae, nur ein Hype oder nachhaltig wirksam – wie wichtig ist das Thema „Künstliche Intelligenz“ für die Energiewirtschaft?
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird viele Branchen auf absehbare Zeit in einem ähnlichen Umfang verändern, wie es beispielsweise Computer und Internet getan haben. Insofern: Kein Hype, sondern ein echter Wandel, der selbstverständlich auch vor der Energiewirtschaft nicht halt machen wird.

Wieso?
Weil die Energiewelt ohnehin in einem beispiellosen Wandel steckt. Wenn man sich die in den letzten Jahren angestoßenen Veränderungen anschaut - von Kernenergie und Kohleausstieg über den Ausbau der Erneuerbaren Energien und Elektromobilität bis zur damit einhergehenden Volatilität, Flexibilisierung und Dezentralisierung – dann lässt sich sagen: In der Energiewirtschaft bleibt gefühlt kein Stein auf dem anderen. Und Künstliche Intelligenz kann hier eine entscheidende Rolle spielen, um die Transformation zu gestalten. Je komplexer die Energiesysteme werden, desto größer der Bedarf an neuen Technologien, die diese Komplexität händelbar machen.

Bei der Steuerung und Optimierung dieser immer komplexer werdenden Energiesysteme werden KI-Anwendungen unterstützend wirken und bei der Komplexitätsbeherrschung helfen: durch bessere Prognosen der Stromerzeugung oder Netzengpässen, optimierte Gebäudeautomatisierung, vorausschauernde Wartung von verschiedensten Anlagen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in der Energiewirtschaft sind vielfältig und haben oftmals nicht nur einen positiven Einfluss auf das Gelingen der Energiewende, sondern machen auch aus einer betriebswirtschaftlichen Betrachtung Sinn. Die in dem Buch aufgeführten Beispiele von E.ON zeigen das anschaulich.

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Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft klingt aber derzeit noch stark nach einer Zukunftsvision, oder?
Nicht unbedingt, wenn ich mir die aktuellen Anwendungsbeispiele aus der Branche anschaue. Vor allem im Bereich des Maschinellen Lernens hat die Forschung in den letzten Jahren solche Fortschritte gemacht, dass schon heute KI-Technologien viele Aufgaben wesentlich besser umsetzen können als Menschen oder herkömmlich programmierte Software.

Schon heute hilft KI in einem Unternehmen wie E.ON aber auch bei kleinen Stadtwerken vor Ort dabei, die Effizienz zu verbessern, die Kunden besser zu bedienen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Arbeitsweise von Unternehmen generell zu verändern. Das sind keine Zukunftsvisionen, das ist die Gegenwart: Künstliche Intelligenz ist in der Energiewirtschaft angekommen und ein wichtiger Treiber für die Transformation unseres Energiesystems. Umso wichtiger, dabei auch die gesellschaftlichen Fragen nicht aus den Augen zu verlieren, die sich rund um diese Technologie stellen.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche Fragen denn?
Bedenken gibt es und denen muss begegnet werden. Nach meiner Wahrnehmung wird KI in der Öffentlichkeit oft mit permanenter Überwachung, Herrschaft der Maschinen und drohendem Jobverlust verbunden. Ich halte das für ebenso wenig wahrscheinlich wie die Annahme, dass Künstliche Intelligenz der Heilsbringer für alle wirtschaftlichen Herausforderungen sein wird.

Sobald der Einsatz von KI konkret erlebt wird, werden auch die Potenziale realistischer und unterm Strich positiver eingeschätzt. Das gilt auch für die Energiewirtschaft; die Herausforderung ist hier ähnlich wie in anderen Branchen: Wenn wir Vorurteile abbauen wollen, müssen wir Künstliche Intelligenz erlebbar machen und transparent und verantwortungsvoll mit den technologischen Möglichkeiten umgehen.

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Auch der BDEW hat aktuell ein Projekt zu künstlicher Intelligenz. Was ist da geplant?
Als Spitzenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft wollen wir unsere Mitgliedsunternehmen dabei unterstützen, die Chancen der digitalen Transformation zu nutzen. Daher haben wir Anfang 2019 zusammen mit unseren Mitgliedsunternehmen das Projekt „Künstliche Intelligenz für die Energiewirtschaft“ gestartet. Hier geben wir eine verständliche Einführung in die Technologie für die Energiewirtschaft, sammeln Anwendungsbeispiele und bereiten praxisnahe Tipps für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf.

Frau Andreae, vielen Dank für das Gespräch.


Der BDEW hat gemeinsam mit dem Energiekonzern E.ON ein Buch zur Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Energiebranche veröffentlicht.

Hier zu weiteren Informationen, Fallbeispielen und Bestellmöglichkeiten. eon-ki

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