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Iran-Krieg: Versorgungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet

Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten hat Auswirkungen auf die Energiepreise. Wie der BDEW die Lage einschätzt.

Iran-Krieg: Versorgungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet

© Sepahnews via ZUMA Press Wire/picture alliance

 

Was bedeutet der Konflikt in der Golfregion für die Gasversorgung in Deutschland?

Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten. Norwegen ist der größte und wichtigste Lieferant. LNG-Importe aus einer Reihe weiterer Länder sowie Gasspeicher und heimische Förderung tragen ebenfalls zur Versorgungssicherheit bei. Deutschland bezieht zurzeit kein Flüssigerdgas (LNG) direkt aus Katar. 

Wie stark ist Deutschland von Lieferungen durch die Straße von Hormus abhängig?  

Die Sperrung der Straße von Hormus hat wenig direkte Auswirkungen auf die physische Versorgung in Deutschland und Europa, weil nur ein geringer Anteil des in der EU verbrauchten Erdgases direkt aus Katar kommt.

Weil die aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten exportierten Mengen jedoch auf dem Weltmarkt fehlen, spüren wir die Auswirkungen indirekt über die Gaspreise im Großhandel. Hier spielen vor allem die Gaspreisentwicklungen am TTF eine Rolle, dem maßgeblichen Gas-Handelsplatz für Nordwesteuropa.

Wie haben die Energiemärkte auf den Krieg in Iran reagiert?

Durch die Sperrung der Straße von Hormus ist das Angebot von Gas und Öl auf den Weltmärkten reduziert worden, deswegen steigen die Preise. Gleichzeitig sehen wir eine hohe Volatilität an den Großhandelsmärkten für Gas, was auf die Unsicherheit in der aktuellen Situation zurückzuführen ist.   

Welche Auswirkungen hat die Sperrung der Straße von Hormus und der Gas-Produktionsstopp Katars auf die Verbraucher und die Industrie?

In den vergangenen Tagen haben wir starke Preisbewegungen an den Großhandelsmärkten gesehen. Pauschale Aussagen über die Wirkung auf private Verbraucher sind nicht möglich, weil die konkreten Auswirkungen von den individuellen Beschaffungs- und Absicherungsstrategien der Energieversorger und natürlich auch vom jeweiligen Liefervertrag abhängen. Im Allgemeinen sind jedoch die (privaten) Endkundenpreise für Strom und Gas bei den meisten Lieferanten auf längere Zeit im Voraus fixiert und an den Terminmärkten abgesichert.

Die meisten Energieversorger verfolgen eine langfristige Beschaffungsstrategie, um kurzfristige Preisschwankungen abzufedern. Das bedeutet: Steigende Börsenpreise werden nicht sofort und nicht in vollem Umfang an die Endkunden weitergegeben.

Auch die Strom- und Gaspreise für Industriekunden reagieren nicht unbedingt direkt auf Preissprünge an den Großhandelsmärkten, wenn die Lieferanten die Mengen im Voraus beschaffen, wenngleich mit tendenziell etwas kürzerer Fristigkeit als bei Privatkunden. Unternehmen, die hingegen überwiegend am Spotmarkt beschaffen, sind den Preisschwankungen ausgesetzt.

Wie sichern wir die Gasversorgung in Zukunft? 

Ab April beginnt die Phase der Wiederbefüllung der Gasspeicher, steigende Preise für die Sommermonate könnten die wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung belasten. Gleichzeitig haben die Versorger ihren Kunden gegenüber eine Lieferverpflichtung und müssen die im Winter erwartete und schon auf Termin verkaufte Menge beschaffen.

Die Schaffung einer strategischen Gasspeicherreserve ist zur Absicherung von akuten Krisenfällen und unvorhersehbaren Extremereignissen ein sinnvolles Instrument. Sie sichert Handlungsfähigkeit und macht Deutschland resilienter. Eine Speicherreserve darf jedoch ausschließlich zur Sicherung der physischen Versorgung eingesetzt werden und nicht zur gezielten Dämpfung von Preisspitzen. Sie muss auf Notfallsituationen beschränkt sein und ihr Einsatz darf nur so erfolgen, dass Marktverzerrungen vermieden werden und der Markt seiner Verantwortung für die Versorgungssicherheit gerecht werden kann. 

Wie sollte das Energiesystem künftig aufgestellt werden? 

Insgesamt ist der seit längerem eingeschlagene Weg richtig: Deutschland hat seine Lieferketten diversifiziert und breiter aufgestellt. Erneuerbare und kohlenstoffarme Gase wie Wasserstoff und seine Derivate sowie Biogas übernehmen zunehmend eine Schlüsselrolle als Energieträger, als Speicher und für den Energietransport. Dieser Weg muss weitergegangen werden.

Gleiches gilt für die Stromerzeugung: Durch die Erneuerbaren Energien sind wir heute erkennbar unabhängiger. Heimisch erzeugte erneuerbare Energie macht unser Stromsystem handlungsfähiger und resilienter.

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