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Wärme auf Vorrat: Der Energie- und Zukunftsspeicher Heidelberg

Der fernblaue Energie- und Zukunftsspeicher der Stadtwerke Heidelberg speichert Wärme als heißes Fernwärmewasser. Als ausgezeichnetes Projekt der Internationalen Bauausstellung Heidelberg prägt er das Stadtbild und macht die Wärmewende erlebbar.

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© LAVA

Der Energie- und Zukunftsspeicher der Stadtwerke Heidelberg auf dem ENERGIEpark im Stadtteil Pfaffengrund ist ein Beitrag zu einer nachhaltigen, weitestgehend CO2-freien Wärmeversorgung der Stadt Heidelberg. Der fernblaue Fernwärmespeicher ist ein wesentlicher Baustein aus der Energiekonzeption 2030, mit dem das hundertprozentig kommunale Unternehmen die anspruchsvollen Klimaschutzziele der Stadt Heidelberg im Bereich der Wärmeversorgung voranbringt.

Puffer im Fernwärmenetz

Der Speicher dient als Puffer im Fernwärmenetz: Wie eine überdimensionale Thermoskanne speichert er heißes Fernwärmewasser für Raumwärme, Warmwasserbereitung und zunehmend auch zur Fernkühlung. Das Volumen des Speichers ist groß genug, um den Fernwärmebedarf von Heidelberg über ein Wochenende in der Übergangszeit zwischen Sommer und Winter zu decken. In Kombination mit einer Power-to-Heat-Anlage ermöglicht er es zudem, dass günstiger Strom an wind- und sonnenreichen Tagen in Wärme umgewandelt und über die Speicherung in das Energiesystem integriert wird. Damit wird das Energiesystem insgesamt flexibler. 

Zweizonenspeicher

Der Speicher der Stadtwerke Heidelberg ist ein Zweizonenspeicher mit einem Gesamtvolumen von 20.000 Kubikmetern. Die untere Zone speichert 12.800 Kubikmeter Wasser mit einer maximalen Temperatur von 115° Celsius. Der obere Bereich ist mit kälterem Wasser gefüllt, das den erforderlichen Druck erzeugt, damit das Wasser bei Temperaturen über 100 Grad Celsius ohne zu verdampfen gespeichert werden kann. Das Technikgebäude hat eine Höhe von 40 Metern, durch einen Aufbau kommt das Gebäude auf eine Gesamthöhe von 55 Metern. 

Auszeichnung für Beteiligung der Öffentlichkeit und Architektur des technischen Gebäudes

Das weithin sichtbare Gebäude in der Farbe fernblau soll das Stadtbild zudem durch eine attraktive Außengestaltung bereichern: der Speicher ist von einer helixförmigen Treppe umgeben, über die ein bewegliches Netz mit vielen kleinen Plättchen gespannt ist. Bewegt durch Wind und den Lichteinfall aufnehmend soll es die Flexibilität des Energiesystems und den Fluss der Energie symbolisieren. Auf ihrem oberen Ende ist ein Kronenring befestigt. Daran wird aktuell das Seilnetz befestigt, das dem Speicher sein besonderes Äußeres geben wird. Dafür konnten die Stadtwerke Heidelberg einen der besten Statiker für die Umsetzung gewinnen, der in internationalen Projekten wie das Stadion Wanda Metropolitano in Madrid oder für das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro Preise gewonnen hat. Alles in allem wird der funktionelle Gebäudeteil des Energie- und Zukunftsspeichers ein Gewicht von 360 Tonnen tragen: Krone und Stahlgerüst haben ein Gewicht von 260 Tonnen, der Stahlbau der Helixtreppe kommt mit weiteren 100 Tonnen hinzu. 

Energiespeicher mit Blick Richtung Neckartal © LAVA

Auf dem Dach des Speichers ist eine begehbare Terrasse mit Gastronomie und vielseitigen Events für den Alltag ebenso gedacht wie für besondere Gelegenheiten. So schließt sich das Konzept der Beteiligung, das die Entstehung des Energie- und Zukunftsspeichers flankierte: Schon bevor der Bau begann, wurden die Heidelbergerinnen und Heidelberger zu einem Lichterfest eingeladen. Vor der erstmaligen Befüllung des Speichers mit 20 Millionen Litern Wasser hatten die Stadtwerke Heidelberg zu den Tagen der offenen Baustelle eingeladen – zu einem Event mit optischen und akustischen Highlights im Speicher-Inneren. Für das Beteiligungskonzept wurden die Stadtwerke Heidelberg unter anderem mit einem Preis beim Energiewende-Award ausgezeichnet. 

Die beiden Eckpunkte des Speicherkonzepts – Beteiligung der Öffentlichkeit von der Planung an sowie eine besondere Architektur dieses technischen Gebäudes – hatten außerdem dazu geführt, dass der Speicher ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg wurde. 


Projektdaten „Auf einen Blick“:

  • Standort: Heidelberg-Pfaffengrund, ENERGIEpark der Stadtwerke Heidelberg

  • Versorgungsgebiet: Fernwärmenetz Heidelberg/ Eppelheim; angeschlossene Gebäude: 5.367; Netz-länge: 225,7 km; Netzabgabe: 474,4 Mio. kWh

  • Technologie(n): Der Wärmespeicher funktioniert wie eine überdimensionale Thermoskanne: Wasser aus dem Fernwärmenetz wird dort eingelagert und bei Bedarf wieder eingespeist. Als Speichertechnik wird ein atmosphärischer Zweizonenspeicher eingesetzt: (1) In der unteren Zone mit einem Volumen von 12.800 Kubikmetern wird heißes Wasser bis maximal 115°C gespeichert. (2) Der obere Teil des Speichers ist mit etwas kälterem Wasser befüllt. So entsteht der nötige Druck, damit sich das Heizwasser auch bei über 100°C einlagern lässt – statt zu verdampfen.

  • Speichergröße(n): Höhe: 55 Meter; Bruttovolumen: 20.000 Kubikmeter; Nutzvolumen: 12.800 Kubikmeter;  Zweizonenspeicher mit maximaler Speichertemperatur von 115°C

  • Besonderheiten: Fernwärmenetz; Fernwärme soll bis 2030 weitestgehend klimaneutral werden. Aktuell erreicht: 50 %

  • Bau- oder Projektzeit: Juli 2018 bis Winter 2022

  • Investition: 15 Mio. Euro

  • Konsortialprojektpartner: Anlagenplanung: EEB ENERKO, Aldenhoven; Architektonischer Entwurf: LAVA – Laboratory for visionary architecture, Berlin; Begleitung: IBA Heidelberg; Gesamtprojektleitung: IBF Consulting, Mannheim; Partner für Energie-und Bewegungs-park: adViva, Heidelberg; Generalplanung: LAVA mit Wenzel+Wenzel, Karlsruhe; Tragwerks- und Ausführungsplanung: WES - Weber Engineering Service, Weinheim; Tragwerksplaner: sbp schlaich bergermann partner, Stuttgart; Energiekonzept: Transsolar KlimaEngineering, Stuttgart; Landschaftsplaner: A24 Landschaft, Berlin; Kinetische Fassade: White Void, Berlin; Prozess- und Gebäudeautomation: PGA Gesellschaft für Prozess- und Gebäudeau-tomatisierungstechnik, Sinsheim; Haustechnik: IBH, Frankfurt/Main; Brandschutz: brandkontrolle Andreas Flock, Berlin


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