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Grün gründen:

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ein Gastbeitrag von Pia Dorfinger, Leiterin des Arbeitsgebiets „Start-up Ökosystem“ bei der dena.

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© Daria Fürst / BDEW

Inflation, Krieg in Europa, Pandemie und die allgegenwärtige Klimakrise: Wir leben in herausfordernden Zeiten. Und wohl kaum jemand blickt völlig sorgenfrei in die Zukunft. Auf den ersten Blick möchte man meinen, dass die Devise jetzt lauten sollte: Bloß kein Risiko eingehen, auf Sicht fahren, abwarten. Ein Unternehmen an den Start bringen? In diesem Umfeld? Bitte nicht. Dabei sprechen viele gute Gründe dafür, dass trotz allem – und insbesondere in der Energiewirtschaft – jetzt ein guter Zeitpunkt ist, die eigene Geschäftsidee in die Tat umzusetzen.

Was der Energiemarkt zu bieten hat

Wer glaubt, die neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern verzage angesichts der massiven Umwälzungen, irrt. Im Gegenteil: Unter dem Dach des Projekts „Start-up Energy Transition – kurz SET – Hub“ hat die dena in den letzten Jahren mit mehr als 100 Start-ups in Deutschland und im Rahmen der SET Global Innovation Platform mit fast 4.000 internationalen Start-ups zusammengearbeitet.

Dabei hat sich gezeigt: Die jungen Menschen wollen nach wie vor gründen. Und zwar in Bereichen, in denen sie sich den aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft widmen und einen Impact erzielen können. Sie wollen etwas bewegen und dazu beitragen, die Dinge zum Positiven zu wenden. In der Energiebranche eröffnet sich ihnen diese Möglichkeit, indem sie dem Klimawandel etwas entgegensetzen und zur Energiesicherheit beitragen können. 

Unterstützung von allen Seiten 

Vor dem Hintergrund der Energiekrise richten sich alle Augen auf Start-ups und Innovationen, die uns helfen, unseren Gasverbrauch drastisch zu reduzieren, eine unabhängige Energieversorgung aufzubauen und letztlich unsere Energiewende- und Klimaschutzziele zu erreichen. Wir beobachten, dass das Venture Capital, das in grüne Start-ups fließt, in den letzten Jahren rasant angestiegen ist. Eine Analyse von Dealroom und Talis Capital beziffert beispielweise das Wagniskapital, das 2021 europaweit im Klimatechnologiebereich investiert wurde, auf 11 Milliarden US-Dollar.

Zum Vergleich: 2017 war es gerade mal eine Milliarde US-Dollar. Aber auch von öffentlicher Seite wird die Unterstützung von grünen Start-ups im Energiebereich stetig ausgebaut und erweitert. In unserer Arbeit im Rahmen des SET Hub haben wir in den letzten sieben Jahren erlebt, dass das gesamte Ökosystem, welches Start-ups von der Gründung bis zum Markteintritt und weiter unterstützt, enorm gewachsen ist. Wer also im Energiebereich gründet, bekommt derzeit so viel Unterstützung wie noch nie zuvor. 

Chancen an jeder Ecke

Die Energiewende ist ein weites Feld – dementsprechend groß ist die Vielfalt von Technologien und Geschäftsmodellen, die Potenziale für Start-ups bieten. Aktuell liegt die Aufmerksamkeit aufgrund der Energiekrise besonders auf Energieeffizienzlösungen. Ebenso wichtig: Innovative Technologien, die der Industrie bei der Reduktion des Gasverbrauchs helfen. Aber auch Lösungen und Geschäftsmodelle, die die Digitalisierung und Dezentralisierung der Energiewende voranbringen, genauso wie Lösungen im Erneuerbaren-Energie-Bereich oder rund um die Zukunft unserer Mobilität, sind essenziell für das schnelle Erreichen unserer Klimaziele. Chancen bieten sich also genügend. Man muss sie nur ergreifen. 

Herausforderungen – und Lösungen 

Seine Vielfalt macht den Energiemarkt so spannend für den unternehmerischen Nachwuchs. Gleichzeitig stellt die Komplexität des regulatorischen Rahmens fast jede Gründerin und jeden Gründer vor Herausforderungen. Um hier den Überblick zu bewahren und folgenschwere Fehler zu vermeiden, sollten Start-ups frühzeitig Expertenwissen einholen und sich beraten lassen. Die dena setzt hier zum Beispiel mit dem SET Hub Projekt an und unterstützt Gründerinnen und Gründer mit unterschiedlichen Angeboten, je nachdem in welcher Phase sie sich befinden.



So stellen wir Wissen rund um den Energiemarkt und den regulatorischen Rahmen in sogenannten SET Academies zur Verfügung. Oder wir helfen Start-ups bei ganz konkreten regulatorischen Fragestellungen im Rahmen eines dreimonatigen Mentoring-Programms. 

Nicht liegen lassen: Fördermöglichkeiten

Was viele Start-ups im Energiebereich außerdem umtreibt, sind Fragen rund um Förderungen und Finanzierung. In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl von monetären und nichtmonetären Förderprogrammen, je nachdem, in welcher Phase der Gründung sie sich befinden. Diese Unterstützungsangebote sollten Start-ups unbedingt wahrnehmen und sich frühzeitig informieren, um Chancen nicht ungenutzt zu lassen. Die dena hat eine aktuelle Übersicht über Förderprogramme veröffentlicht. Außerdem unterstützen wir Start-ups im Rahmen von kostenfreien Workshops, in denen sich Gründende direkt mit Venture-Capital-Gebern und Business Angels austauschen können, um zu erfahren, wann und wie man auf Investoren zugehen soll.

Was wir brauchen: eine Innovationsoffensive 

Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, brauchen wir Innovationen. Gerade Innovationen im Energiebereich, wie etwa neue Entwicklungen im Bereich der Klimatechnologie, sind jedoch langwierig und kapitalintensiv. Zudem ist der Energiemarkt ein regulierter, komplexer Markt, in dem es schwierig sein kann, neue Produkte zur Marktreife zu bringen. Wir brauchen daher eine Innovationsoffensive: einen Fokus darauf, die Hindernisse und Barrieren, die vor allem Start-ups derzeit noch vorfinden, zu reduzieren. Um frische Ideen schneller in den Markt zu bringen und vor allem auch zu skalieren. Dazu gehört auch, die bürokratischen Barrieren weiter abzubauen. Letzteres wurde in der Start-up Strategie der Bundesregierung bereits angestoßen und so soll das Gründen künftig noch einfacher werden.

Was fehlt: eine diversere Perspektive

So groß die Vielfalt der Bereiche, in denen Start-ups die Energiewende vorantreiben können, so einseitig ist derzeit noch die Besetzung der Posten. So haben zum Beispiel weniger als 20 Prozent der Start-ups im Energiebereich überhaupt eine Frau im Gründungsteam. Die Start-up Strategie der Bundesregierung setzt hier an und hat gerade das EXIST-WOMEN-Programm als Erweiterung zum bereits existierenden EXIST Programm aufgesetzt.

Aber nicht nur in Bezug auf Frauen besteht im Bereich der Diversität noch großes Entwicklungspotenzial in der Energiewirtschaft. Eine diverse Aufstellung von Gründungsteams wirkt sich dabei nachweislich positiv auf den Geschäftserfolg auf. 

Fazit: Jetzt erst recht!

Die neue Generation wird mit vielfältigen Krisen und Herausforderungen konfrontiert. Doch statt zu verzagen, ist Mut gefragt. Denn gerade jetzt brauchen wir grüne Innovationen, um die zahlreichen Herausforderungen zu bewältigen – und die Chancen für Gründerinnen und Gründer stehen gut: Nie wartete auf Start-ups im Energiebereich so viel wohlwollende Aufmerksamkeit und Unterstützung, so viel Förderung und so wenig Bürokratie wie heute. Statt „erstmal abwarten“ könnte die Devise von jungen Menschen mit guten Ideen also vielmehr lauten: Wenn nicht jetzt, wann dann?! Oder auch: Jetzt erst recht!

Pia Dorfinger…

…ist seit über zehn Jahren bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) beschäftigt und widmet sich als Leiterin des Arbeitsbereichs „Start-up Ökosystem“ täglich der Aufgabe, junge Unternehmen auf ihrem Weg in den Energiemarkt zu begleiten. Seit 2019 ist sie mitverantwortlich für den „Start-up Energy Transition“ (kurz: SET) Hub. Im Rahmen des SET Hub bietet die dena Start-ups kostenfrei Unterstützung bei der Entwicklung ihrer innovativen Geschäftsmodelle und Lösungen für die Energiewende. 

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