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Höher, stärker, weiter:

Windkraft von den Anfängen bis heute 

Fünf Meilensteine: Wie moderne Anlagen Deutschland in den letzten Jahrzehnten immer mehr Windstrom liefern.

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© Daria Fürst / BDEW

Vor fast 40 Jahren ging das erste XXL-Windrad in Deutschland offiziell an den Start: Es war ein Symbol für den Aufbruch der modernen Windenergie, scheiterte aber aufgrund technischer Probleme. Die technologische Entwicklung ließ sich jedoch nicht aufhalten. Immer leistungsstärkere zuverlässige Anlagen und Windparks kamen in den vergangenen Jahrzehnten auf den Markt – ob an Land oder auf See. Fünf Meilensteine der modernen Windenergie.

Der Riese an der Nordsee
Ein 96 Meter hoher Turm mit zwei 50 Meter langen Flügeln: Der Gigant Growian am Standort Kaiser-Wilhelm-Koog übertraf mit seinen Maßen 1983 die bis dahin größte Windturbine der Welt aus den USA. Mit drei Megawatt Leistung sollte Growian 4.000 Haushalte versorgen. Die Anlage stand jedoch die meiste Zeit still und wurde 1988 abgerissen. Die Materialien waren den starken Kräften nicht gewachsen, von Rissen in der Nabe bis zu geplatzten Flügeln. Statt der ursprünglich geplanten 15.000 Stunden Betrieb brachte es das Windrad deshalb nur auf 450 Stunden. Ganz umsonst war das Projekt jedoch nicht. Während Hauptkonstrukteur MAN die Anlage entwickelt hatte, war zu Übungszwecken ein „Mini-Growian“ gebaut worden: der Aeroman mit elf Metern Rotorbreite. Die kleine Anlage setzte mit ihrem schwingungsfähigen Turm technische Maßstäbe.

Windpark der ersten Stunde
„Ständigen kräftigen Wind von vorne“, wünschte der damalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins Uwe Barschel (CDU) dem ersten deutschen Windenergiepark Westküste im August 1997. Insgesamt 30 Windkraftanlagen verschiedenen Typs ernteten im Landkreis Dithmarschen auf einer Fläche von etwa 14 Fußballfeldern erfolgreich Strom. Zusammen schafften sie eine Leistung von einem Megawatt. Nach mehreren Repowerings produzieren heute am Standort vier Anlagen eine Gesamtleistung von 7,4 Megawatt. Von dem Know-how, das die Betreiber in dem Park sammelten, profitiert die Windenergiebranche bis in die Gegenwart: Wie verhält sich das Material im rauen Meeresklima? Auf welche Weise lassen sich Windkraftanlagen ans regionale Stromnetz anbinden? Und wie muss das Design eines Windparks aussehen? 

Das erste und einzige Windrad im Osten 
Nicht nur im Westen, auch in der DDR wuchs in den 1980er-Jahren das Interesse an grünem Strom. Im Energiekombinat Rostock wurde zunächst eine 55-Kilowatt-Anlage errichtet, die jedoch technisch nicht ausgereift war. Es fehlte an Material. Erst 1989 meldete die „Aktuelle Kamera“, dass sich im mecklenburgischen Wustrow ein Windenergierad „im Versuchsbetrieb“ dreht. Beim einzigen industriell gefertigten Windrad der DDR handelt es sich um ein dänisches Fabrikat vom Typ Vestas V25. Es hat eine Nabenhöhe von 30 Metern, einen Rotordurchmesser von 25 Metern sowie eine Nennleistung von 200 Kilowatt. Noch heute ist die Anlage in Betrieb und produziert durchschnittlich 500.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Fast alle ihre Originalteile sind erhalten. 

Grüner Strom vom Meer
Ein Windrad, das nasse Füße hat – kann das funktionieren? Nachdem die Dänen bereits 1991 den Schritt aufs Meer gewagt hatten, startete in Deutschland 2006 die erste Offshore-Anlage. Vor dem Rostocker Hafen  baute das Unternehmen Nordex das 125 Meter hohe Windrad vom Typ N90. Alle Materialien und die Mitarbeitenden gelangten per Schiff zur Baustelle im Meer, das an dieser Stelle  etwa zwei Meter tief ist. Das fertige Windrad mit einer Leistung von 2,5 Megawatt war der Startschuss für die Energiewende auf See in Deutschland. Es gilt als Wegbereiter für den ersten deutschen Hochsee-Windpark Alpha Ventus, der 2010 vor der Nordseeinsel Borkum offiziell eingeweiht wurde. Heute drehen sich rund 1.500 Anlagen vor deutschen Küsten. Zusammen kommen sie auf eine Leistung von 7,8 Gigawatt.

Weltweiter Rekordhalter
Mehr Leistung, bitte: Fast 40 Jahre nachdem die erste Großwindkraftanlage in Deutschland gescheitert ist, werden heute im Megawattbereich immer neue Rekorde gebrochen. Im Herbst 2022 bewies das deutsch-dänisch-spanische Unternehmen Gamesa, wie leistungsstark ihr Offshore-Modell SG 14-222 DD ist – das derzeit größte Windrad der Welt. In nur 24 Stunden erntete es 359 Megawattstunden Strom. Die 14-Megawatt-Anlage mit einem Rotordurchmesser von 222 Metern soll im späteren Dauerbetrieb bis zu 18.000 Haushalte jährlich mit Strom versorgen. Die für Offshore-Windparks konzipierte Anlage steht allerdings nicht in Deutschland: Gamesa hat sie 2021 am dänischen Teststandort Østerild errichtet.



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