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Grünes Wachstum:

Ist der Ausbau der Infrastruktur ein Jobmotor?

Die Energiewende erfordert große Investitionen in die Infrastrukturen. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte. 

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© Merle Schenker / BDEW

Die Energiewende nimmt immer mehr an Fahrt auf. Sie lebt von Innovationen und Investitionen in Technik und Infrastrukturen. Das bringt Impulse für den Arbeitsmarkt. Der Jobmotor, (wenn er denn noch ein Verbrenner ist) sollte kräftig brummen. Oder steigt die Drehzahl vielleicht gar in den roten Bereich? Und bekommt der Motor überhaupt genug Treibstoff? Ein Blick unter die Haube.



Stromnetz

Die Stromnetze sind ein wesentlicher Schauplatz der Energiewende. Gerade die Übertragungsnetzbetreiber investieren intensiv in die Weiterentwicklung und den Ausbau der überregionalen Infrastrukturen. Das macht sich auch im Personalbereich bemerkbar: In den neun Jahren ihres Bestehens hat die TransnetBW ihr Mitarbeiterschaft von 340 auf etwa 970 Personen fast verdreifacht. Zudem teilte das Unternehmen 130 offene Stellen mit. Neue Mitarbeiter:innen sucht auch Amprion, von Ingenieur:innen über Projektmanager:innen und Elektrotechniker:innen bis hin zu Genehmigungs- und Zertifizierungsmanager:innen. Mit einem jährlichen Personalwachstum von 10 bis 15 Prozent rechnet TenneT-COO Tim Meyerjürgens. Zudem konstatiert er hier eine gewisse Akzentverschiebung: In Zeiten intensiven Netzbaus rücken die Themen Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Kommunikation zunehmend in den Fokus. 

Elektromobilität

Das Ende des Verbrennungsmotors rückt näher und näher. Das empfindet manch einer in Deutschland, dem Land der Autobauer:innen, als Bedrohung für Arbeit und Wohlstand. Doch die neue Mobilitätswelt bringt auch neue Jobs in neuen Feldern: Eine im Juni 2021 vorgestellte gemeinsame Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung sowie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert, dass durch die Mobilitätswende im Saldo mehr Arbeitsplätze entstehen: Zwar würden bis 2040 rund 220.000 Jobs wegfallen, im selben Zeitraum allerdings 260.000 neue Arbeitsplätze in Zukunftsbereichen der Branche entstehen. 

Wasserstoff

Ein Gas gilt als Treibstoff für die Zukunft im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: mit erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff. Mit ihm lässt sich die Kraft der Sonne speichern und transportieren – eine zentrale Herausforderung in der Energiewende.2020 hat die Bundesregierung die mit rund zehn Millionen Euro ausgestattete „Nationale Wasserstoffstrategie“ verabschiedet. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, skizzierte das Ziel: „Je früher und beherzter wir einsteigen, desto größer ist unsere Chance, dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zu einem neuen Jobmotor in Deutschland wird.“  Eine Folge dürfte eine intensivere Bautätigkeit im Bereich der Gasnetze sein. Schon heute sichern die Investitionen der Netzbetreiber direkt und indirekt gut 30.000 Arbeitsplätze, vor allem in der Baubranche.

Erneuerbare Energien

Die Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht und Wind ist der Dreh und Angelpunkt der Energiewende. Doch ist dieser Bereich auch ein Jobturbo in Deutschland? Nicht wirklich: Wie die Frankfurter Rundschau (FR) berichtet, war der höchste Stand an Beschäftigten in der Branche bereits 2011 erreicht – Folge einer Boom-Phase bei der Installation von Photovoltaikanlagen. Seitdem sinken die Beschäftigungszahlen. 2016 sind vor allem Stellen in der Windkraftbranche abgebaut worden. Die FR nennt den Grund: An Land werden immer weniger Windräder errichtet. Dennoch liegt man mit 121.700 Beschäftigten im internationalen Job-Ranking in dieser Branche auf Platz 2 nach China . In der Solarbranche entstanden ab 2019 wieder neue Jobs, doch liegt die Zahl der Beschäftigten mit 50.000 nur bei etwa einem Drittel des einstmaligen Rekordniveaus. Damit landet man im internationalen Vergleich nur auf dem 9. Platz, überflügelt von Schwellenländern wie Vietnam und Malaysia. 

Digitale Infrastruktur

Datennetze sind das Rückgrat der Informationsgesellschaft. Das illustriert eindrucksvoll der ungebrochene Beschäftigten-Anstieg in der Informations- und Kommunikationstechnik: Über den Zeitraum von 2009 bis 2019 war hier mit 40 Prozent das größte Wachstum aller Branchen zu verzeichnen. Ende 2020 waren erstmals mehr als 1,2 Millionen Menschen in der Digitalbranche in Deutschland beschäftigt. „Die Digitalisierung schafft jedes Jahr Zehntausende neuer Jobs und ist in Deutschland der stärkste Beschäftigungsmotor“, sagt Achim Berg, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. „Die positive Job-Bilanz wird allein durch den Mangel an IT-Spezialisten getrübt, der sich immer weiter zuspitzt.“ Nach einer Bitkom-Studie waren Ende 2019 124.000 Jobs für IT-Experten unbesetzt. Das ist ein Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zu 2018 mit 82.000 offenen Stellen. 

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