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EK-Verzinsung muss steigende Risiken und Investitionsbedarfe für Energienetze besser abbilden

Investorenbefragung zeigt: Investoren halten den derzeitigen EKI-Zinssatz für Netzinvestitionen heute und in der Zukunft für zu niedrig. Sie sehen dabei einen steigenden Investitionsbedarf und zusätzliche Risiken für die Netzbetreiber.
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Dies zeigt die im Auftrag des BDEW von Herrn Professor Dr. Schwetzler durchgeführte Investorenumfrage (Anhang) zur Bedeutung der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung (EKI) für deutsche Strom- und Gasnetzbetreiber. Dieses ist mit Blick auf die anstehende Zins-Festlegung für die 4. Regulierungsperiode aus BDEW-Sicht ein wichtiges Signal der Investorenseite. Den Foliensatz finden Sie zudem als Anhang.

Ergebnis der Investorenumfrage

Die Studie wurde von Herrn Professor Schwetzler als Online-Befragung zwischen November 2019 und Januar 2020 durchgeführt. Es haben sich insgesamt 204 aktuelle und potenzielle Investoren in Betreiber von Gas- und Stromnetzen beteiligt. 

Aus der Umfrage geht hervor, dass nach der ganz überwiegenden Einschätzung der Teilnehmer sowohl der Investitionsbedarf (92 %), als auch die Risiken für die Netzbetreiber in den kommenden Jahren (87 %) deutlich zunehmen werden und die Höhe der EKI-Verzinsung für alle Investorengruppen von entscheidender Bedeutung ist. Es besteht die Gefahr, dass durch das weitere Absinken des heute schon im internationalen Vergleich geringen EKI-Zinssatzes die Investition in deutsche Netzbetreiber künftig international nicht mehr wettbewerbsfähig ist. 

Im Einzelnen kommt die Investorenumfrage zu folgenden Ergebnissen:

- Bereits der aktuell geltende EKI-Zinssatz von 6,91 % vor Körperschaftsteuer bzw. 5,64 % nach Steuern für Neuanlagen (Aktivierung ab dem 1. Januar 2006) wird von 90 % der Befragten bereits als zu niedrig beurteilt.

- Der zukünftige EKI-Zinssatz darf nach Meinung der Befragten nicht wesentlich unterhalb von 7 % vor Körperschaftsteuer bzw. 6 % nach Steuern liegen. 

- Die Art des Investors – Kommune, industrieller Eigentümer und Finanzinvestoren – führt dabei nur zu geringen Unterschieden. 

- Die große Mehrheit der Teilnehmer erwartet zugleich zunehmende Investitionen in die Netze durch die Energiewende (92 %), aber auch zunehmende Risiken für Investoren (87 %). Dabei wurden neben den operativen Geschäftsrisiken und politische Risiken aus der Energiewende ebenfalls häufig Risiken aus dem regulatorischen Bereich thematisiert.

- Eine weitere Absenkung der EK-Verzinsung durch die BNetzA wird nach Meinung der ganz überwiegenden Mehrheit der Teilnehmer negative (39 %) bzw. sehr negative (52 %) Auswirkungen haben, z. B. durch die Verlangsamung und Verringerung der Investitionstätigkeit.

Europäischer Vergleich: Deutscher EKI-Zins auf einem der letzten Plätze

Das im März 2020 vom BDEW veröffentlichte NERA-Gutachten mit einem aktualisierten internationalen Zinsvergleich bestätigt, dass die letzte BNetzA-Festlegung auch unter Berücksichtigung aktueller Entscheidungen nach wie vor am unteren Rand liegt: der EKI-Zinssatz von 5,64 Prozent nach Steuern liegt 1,19 Prozent-Punkte unter dem internationalen Durchschnitt und 0,89 Prozent-Punkte unter dem europäischen Durchschnitt (grid news 04/2020 Punkt 14).

Der BDEW hat bereits in seinem Positionspapier „Nachhaltiger Regulierungsrahmen für Netzinvestitionen“ (Newsbeitrag vom 11. Dezember 2019) aufgezeigt, dass nachhaltige und verlässliche Rahmenbedingungen für die milliardenschweren Investitionen in die Netzinfrastruktur notwendig sind und fordert eine wettbewerbsfähige und verlässliche Verzinsung des Eigenkapitals. 

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