Die Stadtwerkestudie 2026 macht deutlich, dass sich Stadtwerke in einer Phase zunehmender struktureller Herausforderungen befinden. Der Umbau der Energieinfrastruktur tritt in eine Umsetzungsphase ein, die durch einen historisch hohen Investitionsbedarf, insbesondere in den Bereichen Stromnetze, Wärmewende und Erneuerbare Energien, geprägt ist. Für neun von zehn der befragten Stadtwerke bedeutet dies einen Investitionshochlauf, der deutlich über das bisherige Niveau hinausgeht – ein Viertel rechnet sogar mit einem Anstieg von mehr als 200 Prozent – und sich zeitlich vor allem auf die kommenden Jahre konzentriert. Die vollständige Studie steht unten auf dieser Seite zum Download bereit.
Weltwirtschaft wirkt sich auf Stadtwerke aus
Diese Entwicklung trifft auf ein anspruchsvolles wirtschaftliches und regulatorisches Umfeld. Die (welt)wirtschaftliche Lage bleibt auch für Stadtwerke angespannt: Lediglich 43 Prozent blicken positiv in die Zukunft. Regulatorische Veränderungen, politische Entscheidungen und sich wandelnde Rahmenbedingungen wirken zunehmend direkt auf die Wirtschaftlichkeit und damit auch auf Investitionsvorhaben. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die hohe Bedeutung verlässlicher und investitionsfördernder Rahmenbedingungen als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende.
Vor diesem Hintergrund verschärft sich der (internationale) Wettbewerb um Kapital, in welchem der steigende Finanzierungsbedarf der Stadtwerke auf begrenzte Finanzierungsressourcen trifft. Für Stadtwerke gewinnt damit die Frage an Bedeutung, unter welchen Bedingungen Investitionen aus Sicht von Kapitalgebern als planbar, risikoangemessen und durchführbar gelten. Die Verfügbarkeit von Kapital ist nicht mehr allein eine Frage des Bedarfs, sondern auch der Struktur, Verlässlichkeit und Transparenz von Investitionsvorhaben.
Anstehende Investitionen zeigen strukturelle Grenzen auf
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Stadtwerke ihre finanzielle Leistungsfähigkeit bereits gezielt über eine Stabilisierung der Innenfinanzierung stärken. Angesichts der Höhe, Dauer und Gleichzeitigkeit der anstehenden Investitionen stoßen die Stadtwerke jedoch an strukturelle Grenzen. 92 Prozent der befragten Stadtwerke sehen sich nur eingeschränkt bis gar nicht in der Lage, die notwendigen Investitionen aus eigenen Mitteln zu stemmen.
Die Festlegung der geeigneten Finanzierungsstrukturen schließt an eine systematische Überprüfung der Unternehmensstrategie hinsichtlich des Dienstleistungs- und Geschäftsportfolios im Hinblick auf Risiko, Rendite sowie der Erwartungen der (kommunalen) Anteilseigner an. Hierbei ist insbesondere zu klären, welche Geschäftsfelder eigenständig betrieben, gemeinsam mit Partnern entwickelt, extern bezogen oder bewusst nicht verfolgt werden sollen.
Energiewende erfordert Zusammenspiel unterschiedlicher Finanzierungsquellen
Die Energiewende kann entsprechend nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Finanzierungsquellen und -instrumente gelingen. Neben klassischem Fremdkapital gewinnen eigenkapitalnahe Instrumente, projektbezogene Finanzierungen, Fördermittel sowie kooperative Modelle an Bedeutung. Entscheidend ist dabei weniger die isolierte Nutzung einzelner Instrumente als vielmehr deren gezielte Kombination. Eine ganzheitliche Finanzierungsstrategie muss zeitliche Investitionsverläufe, bilanzielle Effekte, steuerliche Rahmenbedingungen und die Erwartungen der Gesellschafter gleichermaßen berücksichtigen.
Dies bedarf neben der Stärkung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Stadtwerks, etwa durch eine robuste Kapitalstruktur und professionelle Finanzsteuerung, auch der projektbezogenen Einbindung externer Partner auf Ebene einzelner Investitionsvorhaben und der Nutzung zusätzlicher, ggf. neuer Finanzierungsinstrumente, wie zum Beispiel der Mezzanine-Finanzierung.
Finanzierung der Infrastruktur ist strategische Daueraufgabe
Insgesamt wird deutlich: Die Finanzierung der Infrastruktur der Energiewende ist keine Einzelentscheidung, sondern eine strategische Daueraufgabe. Stadtwerke sind gefordert, Finanzierung frühzeitig mitzudenken, Investitionen und Desinvestitionen bzw. Portfoliomaßnahmen sind vorausschauend zu planen und gegebenenfalls zu priorisieren sowie die verfügbaren Instrumente gezielt aufeinander abzustimmen. Gelingt dies, können Stadtwerke ihre Rolle als zentrale Akteure der Energiewende vor Ort auch unter erschwerten Rahmenbedingungen erfüllen – wirtschaftlich tragfähig, innovativ und im Einklang mit den Erwartungen ihrer kommunalen Träger.
Über die Stadtwerkestudie
In der 24. Stadtwerkestudie, die in Kooperation zwischen EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) durchgeführt wird, beleuchten wir die Finanzierungslandschaft der Stadtwerke im Kontext der Energiewende.
Die Studie untersucht, wie Stadtwerke ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen, welche Investitionsbedarfe sie in den kommenden Jahren erwarten und welchen Herausforderungen sie bei der Finanzierung gegenüberstehen. Darüber hinaus beleuchtet die Studie, welche Finanzierungsinstrumente heute tatsächlich genutzt werden, wodurch der Zugang zu Kapital erschwert wird und welche Rahmenbedingungen aus Sicht der Stadtwerke erforderlich sind, um die notwendigen Investitionen zu tätigen.