Der BDEW erarbeitet Branchenpositionen, findet Lösungen, erstellt Zahlenmaterial und Grafiken und bereitet diverse Informationen rund um die Themen der Energie- und Wasserwirtschaft auf.
Wie die Wasserwirtschaft die Grundlage unseres Lebens bildet.
Die öffentliche Wasserversorgung sowie die Entsorgung und Aufbereitung von Abwässern sind zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge, ohne die unser alltägliches Leben undenkbar ist. Persönliche Gesundheit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung hängen gleichermaßen von der Verfügbarkeit sauberen Trinkwassers und der Entsorgung und Aufbereitung von Abwasser ab.
Rund 5,4 Milliarden Kubikmeter Wasser werden jährlich in Deutschland gefördert, zu Trinkwasser aufbereitet und verteilt. Etwa die doppelte Menge fällt als Abwasser an, das gereinigt und dem Wasserkreislauf wieder zugeführt wird.
Für alle Akteure im Wassersektor gelten dabei hohe Qualitätsstandards und Vorgaben, die gewährleisten, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in Deutschland stets auf sichere und qualitativ hochwertige Dienstleistungen vertrauen können.
Der Klimawandel fordert die Wasserversorger heraus
Fragen der Qualität, der Demografie, des Infrastrukturerhalts und veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen, vor allem aber der Klimawandel und seine Folgen stellen Herausforderungen dar, denen sich die Wasserwirtschaft bei ihrer strategischen Entwicklung aktuell stellen muss. Die Antworten darauf verlangen verstärkte Umdenkprozesse und Anpassungen, sie umfassen bewährte und neue Lösungsansätze und sie müssen vor dem Hintergrund neuer technologischer Entwicklungen und eines sich verschärfenden Fachkräftemangels gefunden werden.
Die Wasserwirtschaft muss resilient und nachhaltig aufgestellt werden
Die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser genießt oberste Priorität und muss Vorrang vor allen anderen Nutzungsarten von Wasser haben. Die Entwicklung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung sollte daher als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet werden. Ein stabiler und zukunftsfähiger Rechtsrahmen ist dabei entscheidend, um eine resiliente, finanzierbare und nachhaltige Wasserwirtschaft zu gestalten.
Wasserressourcen benötigen Schutz
Die Wasserressourcen in Deutschland bilden die Grundlage der Trinkwasserversorgung und bedürfen deshalb eines besonders hohen Schutzes – sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht. Belastungen und Beeinträchtigungen müssen auf ein Minimum reduziert werden. Kritische Einträge aus Industrie und Landwirtschaft, aus chemischen und pharmazeutischen Produkten, erfordern eine konsequente Steuerung, da sie nicht nur die Wasserqualität beeinträchtigen, sondern auch erhebliche zusätzliche Kosten verursachen.
Die Positionen des BDEW im Überblick
Die nachhaltige Sicherung der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung steht aus Sicht des BDEW im Mittelpunkt. Angesichts des Klimawandels, der zunehmenden Stoffbelastung der Gewässer und der Notwendigkeit nachhaltiger Innovationen hat der BDEW acht zentrale Handlungsfelder identifiziert, die die deutsche Wasserwirtschaft für die Zukunft rüsten sollen.
Der aktuelle rechtliche Rahmen reicht nicht aus, um den klimawandelbedingten Herausforderungen gerecht zu werden. Der BDEW fordert eine Modernisierung des Wasserwirtschaftsrechts, um unter anderem
die Verfahrensdauer bei Genehmigungen zu verkürzen,
Transparenz bei Wasserentnahmen zu schaffen,
den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung zu sichern.
Zudem bedarf es Investitionen in Infrastrukturen, um Trockenperioden, Starkregen und deren Folgen besser zu bewältigen.
Die Einträge von Schadstoffen wie Medikamenten, Mikroplastik oder Antibiotika müssen an der Quelle reduziert werden. Der BDEW fordert beispielsweise:
Umsetzung des Verursacherprinzips durch die Einführung der Erweiterten Herstellerverantwortung,
ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Reduktion problematischer Stoffe,
an der Seite der Wasserwirtschaft für eine sachgerechte Entsorgung von Altmedikamenten Sorge zu tragen,
gezielte Aufklärung und Forschung, insbesondere im Medizinsektor.
Die 2023 verabschiedete Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung bietet eine wichtige Grundlage, doch es fehlt an konkreter Umsetzung. Der BDEW fordert daher:
eine klare Priorisierung des Verursacherprinzips,
den Aufbau eines nationalen Wasserregisters,
Leitlinien für den Umgang mit Wasserknappheit und die Umsetzung wassersensibler Stadtplanung.
die vollständige und zeitnahe Umsetzung der in der Richtlinie vorgesehenen Herstellerverantwortung zur Finanzierung der 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen,
risikobasierte Ansätze für Priorisierungen beim Ausbau der Anlagen.
eine pragmatische Umsetzung des EU-Beschränkungsvorschlags,
verursachergerechte Finanzierungsmodelle zur Abdeckung der Aufbereitungskosten,
verstärkte Forschung zu Alternativen und Transparenz bei Eintragspfaden.
Die Landwirtschaft ist eine Hauptquelle für Nitratbelastungen im Grundwasser. Nach Ansicht des BDEW sind unter anderem diese Forderungen essenziell:
eine konsequente Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie,
strengere Regeln für Wasserentnahmen in der Landwirtschaft,
die Schaffung transparenter Monitoring- und Genehmigungssysteme.
Die Nutzung von Klärschlamm und Klärgas als erneuerbare Energie sowie das Phosphorrecycling sind zentrale Bausteine für eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Der BDEW fordert daher
die Förderung der energetischen Nutzung von Klärschlamm und Klärgas,
den Ausbau von Monoverbrennungsanlagen,
gesetzliche Anpassungen, um die Wirtschaftlichkeit des Phosphorrecyclings sicherzustellen.
Klimaneutrale Technologien dürfen die Wasserversorgung nicht beeinträchtigen. Der BDEW drängt auf:
klare Regelungen im Wasserstoffbeschleunigungsgesetz und Geothermiegesetz, die den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung sichern,