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Hier gelingt die Energiewende, Teil II:

BigBattery Lausitz

Manche Projekte leisten einen einzigartigen Beitrag zur Energiewende. Teil 2 unserer Reihe: die BigBattery Lausitz.

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© Robert Albrecht/BDEW

Was macht diesen Beitrag zur Energiewende einzigartig?
Um Erneuerbare Energien jederzeit nutzen zu können, ist der Ausgleich von Flauten durch Energiespeicher unverzichtbar. Im Braunkohlerevier Lausitz hat die LEAG im vergangenen Jahr einen Batteriepark in Betrieb genommen, der gemeinsam mit dem benachbarten Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe gesteuert wird; auf 54 Megawattstunden beläuft sich die nutzbare Kapazität der „BigBattery Lausitz“. In dieser Kombination und Größenordnung ist das Projekt einzigartig in Europa. Die BigBattery soll auch nach dem Ende der Kohleverstromung in der Lausitz genutzt werden, um die Stromversorgung zu stabilisieren und die Systemintegration Erneuerbarer Energien zu unterstützen.

Direkt neben dem Kraftwerk stehen auf einer fußballfeldgroßen Fläche 13 Container mit je 680 Lithium-Ionen-Batteriemodulen sowie 13 Container zur Spannungsumwandlung. Der Batteriespeicher ist mit dem Leitsystem des Kraftwerks Schwarze Pumpe vernetzt. Die Batteriemodule speichern Strom aus dem Kraftwerk und über einen Netzanschluss auch aus anderen Energiequellen, zum Beispiel dann, wenn die Stromerzeugung in Windparks oder Photovoltaikanlagen kurzfristig den Energieverbrauch übersteigt. Umgekehrt kann der Batteriespeicher schnell Energie abgeben, sobald Mangel herrscht. 

Bereits nach 30 Sekunden steht Strom für eine Dauer von mindestens einer halben Stunde bereit – die sogenannte Primärregelleistung. Insbesondere beim Ausregeln häufig auftretender, kleiner Frequenzschwankungen spielt der Batteriespeicher seine Stärken aus. „Das lässt sich mit einem Kohleblock so effizient nicht machen“, sagt Projektleiter Dr. Gunnar Löhning. Für langanhaltende Netzschwankungen wird hingegen das Kraftwerk als Reserve benötigt. „So kann beides – Batteriespeicher und Kraftwerk – effizienter genutzt werden, als wenn die Komponenten einzeln ans Netz angeschlossen wären.“ Der Aufruf zum Be- und Entladen der Batterie erfolgt vollautomatisiert je nach Netzzustand und Bedarfsmeldung des Übertragungsnetzbetreibers.

Wie wurde das Projekt umgesetzt?
Die Idee, mit einem Batteriespeicher Systemdienstleistungen anzubieten, hatte die LEAG 2017. Die Ausschreibung folgte 2018. Hauptauftragnehmer ist das tschechische Energieunternehmen EGEM, das mit Dienstleistern aus der Lausitz zusammenarbeitete. Das Land Brandenburg fördert das etwa 25 Millionen Euro teure Projekt. 



Mit dem Bau ging es 2019 los. „Die Corona-Pandemie behinderte uns zwar, weil wir nie wussten, wer überhaupt auf die Baustelle reisen oder in der Nähe übernachten durfte, aber bei einem Batteriepark handelt es sich auch nicht um einen Flughafen. So kamen wir mit einer Bauzeit von einem Jahr gut hin“, so Projektleiter Gunnar Löhning. Ende 2020 nahm die BigBattery den Dauerbetrieb auf.
„Für die Anlage haben wir zunächst eine Laufzeit von zehn Jahren vorgesehen. Dann liegt die Speicherkapazität der Batterien noch immer bei mindestens 80 Prozent“, sagt Löhning. Eine spannende Frage sei, wie sich das Netz bis dahin entwickle und was wie anzupassen sei. Wenn das Kraftwerk Schwarze Pumpe, wie im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz vorgesehen, Ende 2038 vom Netz geht, soll der Speicher so modifiziert werden, dass er als eigenständige Einheit weiter genutzt werden kann.

Was braucht ein Energiewendeprojekt zum Gelingen?
Gunnar Löhning, der seit 14 Jahren für die LEAG Projekte umsetzt, rät dazu, Vorhaben nicht auf die lange Bank zu schieben. „Die Netzsituation verändert sich sehr dynamisch, man muss aber zu einem bestimmten Zeitpunkt Verträge schließen, hat Lieferzeiten von acht, neun Monaten. Da kann man nicht zwischendurch alles über den Haufen werfen, wenn sich die Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Damit muss man dann leben.“ 

Auch den Zertifizierungsprozess nach EU-Norm müsse man einmal durchleben, sagt Löhning. „Wenn ich mir aber ansehe, was wir hier mit der BigBattery Lausitz geschafft haben, kann ich sagen: Der Aufwand für dieses spannende Projekt hat sich gelohnt.“

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