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Biomasse:

Weg von den Wurzeln

Aufkeimen, wachsen, importiert werden: Der Weg vieler Pflanzen und Früchte aus aller Welt führt nach Deutschland. Eine Spurensuche.

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© Daria Fürst / BDEW

Avocados: Weiche Schale, harter Kern

Die Avocado boomt: Vermutlich hat im letzten Jahrzehnt kein anderes Produkt aus der Obst- und Gemüseabteilung in Deutschland einen solchen Popularitätsschub erfahren wie die grünfleischige Frucht mit dem großen Kern. 2010 importierte Deutschland rund 28.000 Tonnen – im letzten Jahr waren es 121.000 Tonnen. Über ein Viertel der Früchte kommt aus Peru. Weitere wichtige Lieferländer sind die Niederlande und Mexiko – das Land in Mittelamerika ist mit 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr der weltweit größte Avocado-Produzent. Problematisch: Avocado-Bäume sind durstig. Für ein Kilogramm Avocados werden bis zu 1.000 Liter Wasser benötigt. Zum Vergleich: Die Produktion eines Kilos Tomaten erfordert im Durchschnitt 180 Liter Wasser und geht es um Kartoffeln in derselben Gewichtseinheit, fließen 135 Liter. Avocados werden größtenteils zum Verzehr genutzt – ihr Öl kommt allerdings auch in der Kosmetikindustrie zum Einsatz. 

Palmöl: Jede Medaille hat zwei Seiten

Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gepresst und ist das am meisten verwendete Pflanzenöl der Welt. Jedes zweite Produkt im Supermarkt – von Lebensmitteln bis hin zu Kosmetika – enthält Palmöl. Dennoch ist Palmöl ein umstrittener Rohstoff. Die meist in Indonesien, Malaysia, Thailand und Nigeria wachsenden Ölpalmen-Plantagen – mittlerweile bedecken sie zwölf Millionen Hektar der Erde – rauben vielen Tieren den Lebensraum und sind schädlich für das Klima. Denn Ölpalmen gedeihen ausschließlich dort, wo Regenwald wächst: Illegale Rodungen der Tropenwälder sind daher nicht unüblich. Ungeachtet der Kritik an dem pflanzlichen Öl werden weltweit jährlich rund 77 Millionen Tonnen produziert; in Deutschland werden davon rund 1,8 Millionen Tonnen verbraucht.

Baumwolle: Rohstoff für Kleidung und Geldscheine

Kleidung aus Baumwolle ist überall auf der Welt beliebt: Sie kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, ist angenehm auf der Haut und hat geringes Allergiepotenzial. Neben der Textilindustrie wird die Naturfaser in Medizinprodukten wie Verbänden und Watten sowie für Spezialpapiere, etwa für Geldscheine, verwendet. Baumwolle macht Geld im doppelten Sinn: Weltweit sind nach Fairtrade-Schätzung etwa 100 Millionen Haushalte in 70 Ländern an der Produktion beteiligt – besonders für Menschen in West- und Zentralafrika, Pakistan und Zentralasien ist Baumwolle eine wichtige Einnahmequelle. In den meisten dieser Länder arbeiten allerdings vor allem Kleinbauern. Die größten Exportmengen produzieren Betriebe in den USA, Brasilien und Indien. Im Geschäftsjahr 2020/21 importierte Deutschland 15.000 Tonnen der weißen Naturfasern. Unangefochtener Import-Weltmeister ist China mit 2,8 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum. 

Holz: Deutscher Wald ist weltweit

Der deutsche Wald ist ein Exportschlager. Deutschland hat 10,7 Millionen Hektar Waldfläche und exportiert knapp doppelt so viel Rohholz, wie es importiert. 2021 gab es einen Abholzrekord: Mit 83 Millionen Kubikmetern wurde in Deutschland die größte Menge Holz seit der Wiedervereinigung geschlagen. Die mit Abstand bedeutendste Holzart hierzulande ist die Fichte. Der aus Bäumen gewonnene Rohstoff ist vielseitig: Möbel, Fußböden, Häuser, Brennmaterial oder Papier können daraus hergestellt werden. Die größten Abnehmer von deutschem Holz sind die USA und China. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 hat sich die Menge der Holzexporte mehr als verdreifacht während die Holzimporte um ein Drittel zurückgingen. Der Import ist heikel: Laut einer WWF-Studie stammen sieben bis neun Prozent des nach Deutschland eingeführten Holzes aus illegalen Quellen. 

Hanf: Mehr als Rausch

Auch Menschen mit wenig botanischem Wissen erkennen die Hanfpflanze an ihren Blättern. Doch die Pflanze hat noch mehr zu bieten als ihre berauschenden Blüten. Hanffasern sind für Textilien und Dämmstoffe geeignet. Hanf gilt als genügsame Pflanze, die kaum Unkrautvernichter, Dünger oder zusätzliches Wasser braucht. Deshalb wird Nutzhanf bei EU-Landwirten immer beliebter: Von 2015 bis 2020 ist die Anbaufläche von knapp 20.000 auf 35.000 Hektar angewachsen. Seit 2017 ist der medizinische Einsatz von Cannabis in Deutschland erlaubt. Der rauschauslösende Cannabis in Deutschland stammt fast ausschließlich aus Importen: 2021 wurden rund 20,6 Tonnen zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken eingeführt. Die größte Menge stammt aus Kanada, weitere wichtige Herkunftsländer sind die Niederlande und Dänemark.

Zucker: Viele mögen‘s süß

Deutsche Bürgerinnen und Bürger konsumieren pro Kopf etwa 32 Kilogramm industriellen, weißen Zucker im Jahr. Das liegt deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Dosis: 25 Gramm pro Tag – also rund neun Kilogramm pro Jahr. Zucker wird aus heimischen Zuckerrüben oder tropischem Zuckerrohr gewonnen. 80 Prozent der weltweit produzierten, süßen Kristalle stammt aus Zuckerrohr, 20 Prozent aus Zuckerrüben. Aus sechs Kilogramm Rüben wird ungefähr ein Kilogramm Zucker gewonnen. Der Zuckerpreis ist in den letzten fünf Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Die weltweit größten Zuckerproduzenten sind Brasilien, Indien und die EU. Die Zuckerrohrpflanze landet allerdings nicht nur auf dem Teller: Aus den Fasern können recyclebares Einweggeschirr und Verpackungsmaterial hergestellt werden.


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