Drucken

Gaspreise

FAQ: Gaspreise


Stand: September 2022


 

Warum sind die Großhandelspreise für Gas in den vergangenen Monaten so stark gestiegen? Welchen Einfluss hat der Krieg in der Ukraine auf die Entwicklung der Preise?

Schon vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stieg weltweit aufgrund der konjunkturellen Erholung die Nachfrage nach Vorprodukten und Rohstoffen. Während es vor Corona ein zeitlich versetztes Wirtschaftswachstum in den unterschiedlichen Weltregionen gab, wurde dieses durch die konjunkturelle Erholung durch Corona synchronisiert. Dies führte in allen Weltregionen gleichzeitig zu einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen und ließ die Preise international stark steigen.

Von diesem ohnehin schon hohen Niveau aus sind die Großhandelspreise für Gas seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine in nie gekannte Höhen geschnellt. Seit Anfang 2021 haben sich die Börsenpreise für Gas nahezu verachtfacht (Stand: August 2022). Das stellt auch für die Unternehmen eine große Belastung dar, die sie in Teilen weitergeben müssen.

Wie sind dadurch die Verbraucher betroffen?

Der Druck auf die Gaspreise steigt aufgrund der stark steigenden Börsenpreise enorm. Das verteuert für die Energieversorger die Beschaffung von Strom und Gas ganz erheblich. Aufgrund langfristiger Beschaffungsstrategien der Energieversorger über mehrere Jahre kommen die Preisentwicklungen an den Großhandelsmärkten nur mit Verzögerung bei den Kundinnen und Kunden an. Je länger das Preisniveau hoch bleibt, desto mehr werden sich die Großhandelspreise jedoch in den Tarifen niederschlagen und diese auch auf längere Sicht beeinflussen. Die Politik muss hier alle Optionen prüfen, wie die Bürgerinnen und Bürger bei steigenden Preisen entlastet werden können.

Es ist daher gut, dass die Bundesregierung nun die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent gesenkt hat. Diese Senkung kann den massiven Preisanstieg zumindest dämpfen. Notwendig sind weitere staatliche Unterstützungsleistungen – hier ist Einiges bereits auf den Weg gebracht. Zudem gilt es, wo möglich Energie einzusparen, um die Kostenbelastung zu dämpfen.

Aktuelle Zahlen und Grafiken zur Entwicklung der Gaspreise finden Sie in der BDEW-Gaspreisanalyse.

Wie viele Gasversorger gibt es in Deutschland?

Insgesamt gibt es in Deutschland über 1.000 Gaslieferanten. In nahezu allen Gasnetzgebieten beliefern mehr als 20 verschiedene Lieferanten Haushaltskunden. In 91 Prozent aller Netzgebiete sind es mehr als 50 verschiedene Lieferanten.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus drei Bestandteilen zusammen:

Steuern und Abgaben, inklusive CO2-Preis:
Der Anteil von Steuern und Abgaben am Erdgaspreis für Haushalte beträgt damit 24 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (EFH) bzw. 25 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh (MFH).

Regulierte Netzentgelte, inklusive Messung und Messstellenbetrieb:
Die Kosten für die Netzinfrastruktur werden über die Netzentgelte auf die Netznutzer und damit die Letztverbraucher im jeweiligen Versorgungsgebiet verteilt. Die Regulierungsbehörden von Bund (Bundesnetzagentur) und Ländern stellen sicher, dass die Netzentgelte angemessen und diskriminierungsfrei sind. Ihr Anteil am durchschnittlichen Gaspreis für Haushaltskunden liegt 2022 bei Einfamilienhäusern (EFH) bei 12 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern (MFH) bei 10 Prozent. Neben den Netzentgelten werden auch Entgelte für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung erhoben. Die Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung werden zu einem Entgelt (für Messstellenbetrieb) zusammengefasst.

Beschaffung und Vertrieb:
Dies sind die vom Gaslieferanten grundsätzlich zu beeinflussenden Preisbestandteile. Ihr durchschnittlicher Anteil am Gaspreis für Haushaltskunden liegt 2022 bei Einfamilienhäusern (EFH) bei 64 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern (MFH) bei 65 Prozent.

Bestandteile EFH + Entwicklung Haushaltspreis Neue Grafik

 

Wie haben sich die einzelnen Preisbestandteile entwickelt?

Der durchschnittliche Erdgaspreis für Haushalte in Einfamilienhäusern* (EFH) mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh liegt im bisherigen Jahresmittel 2022 gegenüber 2021 um 117 Prozent höher und beträgt durchschnittlich 15,29 ct/kWh (Stand: September 2022. Zum Vergleich: 2021: 7,06 ct/kWh; Grundpreis anteilig für einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh enthalten).

Der durchschnittliche Erdgaspreis für Haushalte in Mehrfamilienhäuser* (MFH) mit einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh liegt im bisherigen Jahresmittel 2022 gegenüber 2021 um 133 Prozent höher und beträgt durchschnittlich 14,77 ct/kWh (Stand: September 2022. Zum Vergleich 2021: 6,47 ct/kWh; Grundpreis anteilig für einen Jahresverbrauch von 80.000 kWh/13.333 kWh pro Wohnung enthalten).

Steuern, Abgaben und Umlagen sind auf 3,57 ct/kWh (EFH) bzw. 3,48 ct/kWh (MFH) (2021: 2,17 ct/kWh bzw. 2,05 ct/kWh) angestiegen. Zusätzlich zum Anstieg der Belastung durch die Mehrwertsteuer ist auch der gesetzlich festgelegte CO2 -Preis gestiegen. Dieser betrug 25 €/t CO2 für das Jahr 2021 und beträgt 30 €/t CO2 im Jahr 2022. Damit steigt dieser Aufschlag auf 0,546 ct/kWh (netto) bzw. 0,671 ct/kWh (brutto).

Der Anteil von Steuern und Abgaben am Erdgaspreis für Haushalte beträgt damit 23 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (EFH) bzw. 24 Prozent bei einem Jahresverbrauch von 80.000 kWh (MFH). Die Netzentgelte für Haushaltskunden sind 2022 geringfügig angestiegen: Um 1,2 Prozent auf 1,66 ct/kWh (EFH) bzw. um 0,8 Prozent auf 1,34 ct/kWh (MFH) (2020: 1,64 ct/kWh bzw. 1,33 ct/kWh).

 

Wie haben sich die Gaspreise im Großhandel entwickelt?

Am Gasmarkt ist nach vielen Jahren mit moderaten und zuletzt (2020) niedrigen Gaspreisen nun im Großhandel eine starke entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten. Mit zeitweisen Preisspitzen von über 300 Euro je Megawattstunde sowohl im Spotmarkt als auch im Terminmarkt erreichten die Großhandelspreise nie gekannte Höhen. Im Oktober 2022 waren die Preise am Terminmarkt rund zwölfmal so hoch wie Januar 2021.

Die extremen Preisanstiege werden sich weiterhin preissteigernd auf die Kosten für Beschaffung und Vertrieb auswirken.

 

Wie erklären sich die regionalen Unterschiede im Gaspreis?

Die regionalen Unterschiede beim Gaspreis sind insbesondere auf die regional unterschiedlichen Netzentgelte zurückzuführen. Diese werden durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) anhand regionalspezifischer Faktoren wie der topografischen Beschaffenheit, der Besiedlungsdichte sowie dem Bedarf an Investitionen in den Netzzubau und die Instandhaltung der Infrastrukturen festgelegt. Die Höhe der Netzentgelte wird durch die BNetzA staatlich kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie angemessen und diskriminierungsfrei sind. Dieser Bestandteil des Gaspreises ist somit nicht durch die Gasversorger bei der Preisgestaltung beeinflussbar.

Somit kann es regional zu unterschiedlichen Entwicklungen bei den Netzentgelten kommen. Sie basieren auf den von den Regulierungsbehörden geprüften Kosten für den Betrieb, Erhalt und Ausbau der Netzinfrastruktur in den jeweiligen Versorgungsgebieten. Durch die seit 2009 praktizierte Anreizregulierung sind die Netzbetreiber verpflichtet, ihre Effizienz zu erhöhen und Produktivitätsgewinne weiterzugeben. Obwohl Kostensteigerungen grundsätzlich nur alle fünf Jahre erfasst werden, kommt es doch jährlich zu Veränderungen bei den Netzentgelten. Dies liegt an konkreten Netzausbauprojekten, deren Kosten nach Genehmigung durch die Regulierungsbehörden über die Instrumente "Erweiterungsfaktor" oder "Investitionsmaßnahme" auch während einer laufenden Regulierungsperiode berücksichtigt werden. Weitere Netzentgeltanpassungen resultieren aus Veränderungen bei Kostenkategorien, die durch die einzelnen Netzbetreiber nicht zu beeinflussen sind („dauerhaft nicht beeinflussbare Kostenanteile“ gemäß § 11 Abs. 2 ARegV). Dazu gehören insbesondere vorgelagerte Netzkosten.

zurück zum Seitenanfang

Wie ausgeprägt ist der Wettbewerb zwischen den Gasanbietern auf dem deutschen Markt? Wie häufig wechseln Kunden den Versorger?

Generell ist der deutsche Energiemarkt durch eine große Akteursvielfalt und hohe Wettbewerbsintensität geprägt. Im Vertriebssegment hält Deutschland im europäischen Vergleich eine Spitzenposition inne: In nahezu allen Netzgebieten beliefern mehr als 20 verschiedene Gaslieferanten die Letztverbraucher. In 94 Prozent der Netzgebiete sind es sogar mehr als 50 verschiedene Lieferanten. Im bundesweiten Durchschnitt kann ein Letztverbraucher in seinem Netzgebiet zwischen 129 Gaslieferanten wählen, im gesondert betrachteten Bereich der Haushaltskunden liegt dieser Durchschnitt bei 109 Gaslieferanten.

Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Versorgern zeigen den funktionierenden Wettbewerb. Die jeweiligen Preise und Konditionen der Anbieter sind transparent und leicht zugänglich. Dementsprechend haben die Verbraucher die Möglichkeit, den Anbieter mit dem für sie besten Preis-Leistungs-Verhältnis auszuwählen. Seit der Liberalisierung des Gasmarktes 2007 haben immerhin gut 39 Prozent der Verbraucher mindestens einmal ihren Anbieter gewechselt, wobei neben dem Preis häufig auch Serviceangebote ausschlaggebend sind. Damit nehmen die Kunden gleichzeitig Einfluss auf den Wettbewerb im Gasmarkt.

zurück zum Seitenanfang

Oft wird die Frage gestellt, ob Gasversorger gesunkene Beschaffungskosten an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. Warum ist es bei dieser Frage wichtig, zwischen Spotmarkt und Terminmarkt zu unterscheiden?

Am Spotmarkt wird kurzfristig lieferbares Gas gehandelt. Kurzfristig bedeutet in diesem Zusammenhang 1 - 2 Tage. Auf dem Terminmarkt hingegen werden Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren geschlossen.

Die Versorger decken sich am Terminmarkt mit einem Großteil des von ihnen prognostizierten Bedarfs ein. Am Spotmarkt werden dann die restlichen Mengen eingekauft, um den aktuellen Bedarf zu decken. Die am Spotmarkt eingekauften Mengen dienen insbesondere dem kurzfristigen Ausgleich von prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch der nächsten 24 – 48 Stunden.

Auswertungen, die bei den Beschaffungskosten allein die Preisentwicklungen auf dem Spotmarkt in den Blick nehmen, greifen daher zu kurz. Wesentlich für die Kosten, die den Gasversorger beim Gaseinkauf entstehen, ist die Preisentwicklung am Terminmarkt.

Suche

Anmelden für BDEW plus