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Strompreis

FAQ zum Thema Strompreis in Deutschland


Stand: Oktober 2021


Inhalt


Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Strompreis aus drei Bestandteilen zusammen:

  1. Kosten für Strombeschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten:
     

    Dies sind die vom Stromlieferanten grundsätzlich zu beeinflussenden Preisbestandteile. Ihr durchschnittlicher Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2021 bei 24 Prozent.

     
  2. Regulierte Netzentgelte:


    Die Kosten für die Netzinfrastruktur werden über die Netzentgelte auf die Netznutzer und damit die Letztverbraucher im jeweiligen Versorgungsgebiet verteilt. Die Regulierungsbehörden von Bund (Bundesnetzagentur) und Ländern stellen sicher, dass die Netzentgelte angemessen und diskriminierungsfrei sind. Der dynamische Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hat erhebliche Investitionen in die Übertragungs- und Verteilernetze und steigende Aufwendungen für netzstabilisierende Maßnahmen ausgelöst. Dies führt unter anderem dazu, dass seit 2011 in vielen Regionen Deutschlands steigende Netzentgelte zu verzeichnen sind. Dieser Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2021 im Durchschnitt bei 25 Prozent, kann aber regional stark variieren.

    Neben den Netzentgelten werden auch Entgelte für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung erhoben, wobei aufgrund geänderter rechtlicher Vorgaben die Abrechnungsentgelte ab 2017 nicht mehr gesondert ausgewiesen werden und in den Netzentgelten enthalten sein können. Die Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung werden zu einem Entgelt (für Messstellenbetrieb) zusammengefasst.

     
  3. Steuern, Abgaben und Umlagen
    (EEG-Umlage, Paragraph 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage (Stromnetzentgeltverordnung), KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, Umlage für abschaltbare Lasten, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer):
     

    Diese staatlich veranlassten Preisbestandteile liegen 2021 bei 51 Prozent. Am 15.10.2020 haben die Übertragungsnetzbetreiber die EEG-Umlage für 2021 mit 6,5 Cent/kWh bekannt gegeben (2020: 6,756 Cent/kWh). Diese wurde mit Hilfe eines Zuschusses aus dem Bundeshaushalt auf 6,5 ct/kWh gedeckelt. Ohne Bundeszuschuss hätte die EEG-Umlage 2021 vor allem infolge von Einflüssen der Corona-Pandemie 9,651 ct/kWh betragen. Für das Jahr 2022 ist eine Deckelung auf 6,0 ct/kWh vorgesehen. Die Deckelung stellt aber nur eine Obergrenze dar, die tatsächliche EEG-Umlage 2022 kann auch darunter liegen. Die Veröffentlichung der EEG-Umlage 2022 erfolgt am 15.10.2021.
     

Grafik zum Strompreis für Haushalte 2021
 

Hier können Sie die Presseinformation „BDEW zur EEG-Umlage 2021“ abrufen.

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Wie haben sich die einzelnen Preisbestandteile in den letzten Jahren entwickelt?

Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden liegt im Jahr 2021 um 0,4 Prozent höher als im Vorjahr und beträgt durchschnittlich 31,94 ct/kWh (2020: 31,81 ct/kWh bei 19% Mwst./ Durchschnittserlös; Grundpreis anteilig für einen Jahresverbrauch von 3.500 kWh enthalten).

Steuern, Abgaben und Umlagen für Haushaltskunden sind 2021 um 0,15 ct/kWh gesunken und betragen 16,40 ct/kWh (2020: 16,55 ct/kWh). Ihr Anteil am Haushaltsstrompreis ist 2021 leicht auf 51,4 Prozent gesunken (2020: 51,9 Prozent).

Die Netzentgelte inkl. der Entgelte für Messung und Messstellenbetrieb für Haushaltskunden sind 2021 im Durchschnitt um 0,6 Prozent auf 7,80 ct/kWh gestiegen und damit nahezu stabil (2020: 7,75 ct/kWh). Ihr Anteil am Gesamtpreis beträgt 25 Prozent.

Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb sind 2021 bei Haushaltstarifen um 3,1 Prozent gestiegen (+0,23 ct/kWh). Ihr Anteil am Haushaltsstrompreis beträgt 24 Prozent.

Der durchschnittliche Strompreis für kleine bis mittlere Industriebetriebe (ohne Stromsteuer) ist im Durchschnitt Januar bis Mai 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent bzw. 1,32 ct/kWh gestiegen.
 

Grafik zu der Entwicklung der Strompreisbestandteile für Haushalte


Strompreis-Entwicklung seit 1998: Steuern, Abgaben und Umlagen als Preistreiber

Seit Beginn der Liberalisierung des Strommarktes 1998 ist der Anteil der Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreis ist drastisch gestiegen – um über 300 Prozent. Der Anteil der Kosten für Beschaffung, Netzentgelt und Vertrieb ist dagegen mit + 19 Prozent vergleichsweise geringfügig angestiegen. Insgesamt beeinflussen mittlerweile acht verschiedene Steuern, Abgaben und Umlagen den Strompreis für die Kunden.

Steigende Beschaffungskosten aufgrund höherer Preise für CO2-Zertifikate

Die Preise für CO2-Emissionszertifikate steigen seit über zwei Jahren deutlich. Wer in Deutschland Strom in einem Gas- oder Kohlekraftwerk erzeugt, emittiert Kohlendioxid. Für die Kohlendioxid-Emissionen müssen die Kraftwerksbetreiber Emissionsberechtigungen im Rahmen des europäischen CO2-Zertifikatehandels kaufen. Die Menge an CO2-Zertifikaten und damit die Menge an CO2-Emissionen, die jährlich aus Kraftwerken ausgestoßen werden darf, sinkt jedes Jahr. Der Preis für die Zertifikate ist seit 2019 massiv gestiegen. Zwischen Ende 2019 und Mitte 2021 hat er sich mehr als verdoppelt. Dies erhöht die Kosten für die Produktion von Strom.
 

Grafik zur Preisentwicklung der CO2-Emissionszertifikate
 

„Die Steuer- und Abgabenlast auf Strom ist mit über 50 Prozent einfach zu hoch. Das belastet die Bürgerinnen und Bürger und ist gleichzeitig ein Hemmschuh für umweltfreundliche strombasierte Anwendungen wie die Elektromobilität oder Wasserstoff. Die EEG-Umlage sollte daher spätestens bis 2026 schrittweise auf null reduziert werden. Das bedeutet den vollständigen Ausstieg aus der Umlagefinanzierung der Erneuerbare-Energien-Förderung durch die Stromkunden. Die EEG-Förderung selbst bliebe davon unberührt. Bestehende und entstehende Förderzusagen können parallel zu den wachsenden Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung (Brennstoffemissions- und EU-Emissionshandel) sukzessive aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.“

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung


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Welche Steuern, Abgaben und Umlagen werden auf den Strompreis erhoben?

Insgesamt gibt es acht verschiedene Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis:

Konzessionsabgabe
(Höhe individuell je nach Netzgebiet)
Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt an die Kommune dafür, dass Straßen und Wege für den Betrieb von Stromleitungen benutzt werden können. Ihre Höhe variiert in Abhängigkeit von der Gemeindegröße zwischen 1,32 und 2,39 ct/kWh. (§2 der Konzessionsabgabenverordnung (KAV)).
Stromsteuer / Energiesteuer Die Stromsteuer / Energiesteuer ist eine durch das Stromsteuergesetz / Energiesteuergesetz geregelte Steuer auf den Energieverbrauch. Sie gilt seit April 1999.
EEG-Umlage Mit der EEG-Umlage wird die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien gesetzlich gefördert. Die aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entstehenden Mehrbelastungen werden bundesweit an die Letztverbraucher weitergegeben.
KWK-Umlage Mit der KWK-Umlage wird die ressourcenschonende gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme gesetzlich gefördert. Die aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Letztverbraucher weitergegeben.
§ 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage Mit der § 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage wird die Entlastung stromintensiver Unternehmen von Netzentgelten gesetzlich finanziert. Die aus diesen Entlastungen entstehenden Kosten werden bundesweit an alle Letztverbraucher weitergegeben.
Offshore-Netzumlage
(ehem. Offshore-Haftungsumlage)

Mit dieser Umlage (§ 17 f des Energiewirtschaftsgesetzes) werden Risiken der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz abgesichert (z. B. verspäteter Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz an Land oder langdauernde Netzunterbrechungen). Die aus der Umlage entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Verbraucher weitergegeben.

Neu: Die Kosten für die Netzanbindung von Offshore-Windparks werden ab 2019 nicht mehr in die Netzentgelte einkalkuliert, sondern vollständig über ein Umlageverfahren refinanziert. Hierzu wird die bestehende „Offshore-Haftungsumlage“ genutzt und umbenannt in „Offshore-Netzumlage“.

Umlage für abschaltbare Lasten nach §18 AbLaV Hierbei handelt es sich um eine Umlage zur Vorhaltung von Abschaltleistung nach der „Verordnung zu abschaltbaren Lasten“. Mit der Umlage werden die Anbieter von Abschaltleistung aus abschaltbaren Lasten vergütet, falls der Netzbetreiber diese zum Zweck der Systemstabilisierung abruft.
Mehrwertsteuer 19 % Die Mehrwertsteuer wird auf den gesamten Strompreis mit all seinen Bestandteilen erhoben.


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Wie sieht es mit dem Wettbewerb auf dem Strommarkt aus? Wie viele Stromanbieter gibt es? Wie oft wechseln Verbraucher ihren Anbieter?

Die Strompreise bilden sich im Wettbewerb - der Kunde hat die Wahl: In keinem anderen Land Europas gibt es so viele Energieversorgungsunternehmen wie in Deutschland. Neben einer Reihe großer Unternehmen ist eine Vielzahl von kleinen und mittleren Energieversorgern tätig.

In jedem Netzgebiet konkurrieren laut Bundesnetzagentur im Durchschnitt fast 140 Stromanbieter um die Gunst der Verbraucher. Der Wettbewerb am Strommarkt ist deshalb sehr intensiv – Deutschland liegt hier europaweit mit an der Spitze. Die Verbraucher können das Angebot mit dem für sie besten Preis-Leistungs-Verhältnis wählen. In nahezu allen Netzgebieten beliefern mehr als 20 verschiedene Lieferanten die Stromkunden. In fast 90 Prozent der Netzgebiete sind es sogar mehr als 50 verschiedene Lieferanten. Im Zeitraum seit der Liberalisierung im Jahr 1998 bis Oktober 2020 haben gut 49 Prozent aller Haushaltskunden mindestens einmal ihren Stromversorger gewechselt, viele davon auch schon mehrfach.

Die Kunden können bei ihrem Energieversorger in der Regel zusätzlich zum Grundversorgungstarif unter weiteren Angeboten wählen. Die Produktpaletten der Energieversorger umfassen zudem oft auch Ökostrom-Tarife. Daher gibt es neben dem Wechsel zu einem anderen Anbieter auch viele Kunden, die bei ihrem bestehenden Versorger in einen günstigeren Tarif oder Ökostrom-Tarif wechseln.

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Warum haben kurzfristige Schwankungen bei den Beschaffungspreien keinen direkten Einfluss auf den Strompreis?

Um das Risiko stark schwankender Börsenstrompreise zu minimieren, beschaffen sehr viele Versorger den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten. Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht 1:1 auf den Strompreis für Endkunden aus. Die Strategie der Versorger glättet also die Entwicklungen an den Energiebörsen. Deshalb sinkt der Strompreisbestandteil 'Beschaffung' nicht im gleichen Umfang, wenn die Börsenpreise kurzzeitig fallen. Umgekehrt steigt dieser Strompreisbestandteil nicht in gleichem Umfang, wenn die Preise an der Börse vorübergehend deutlich steigen.

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Was ist der Unterschied zwischen Spotmarkt und Terminmarkt?

Am Spotmarkt wird kurzfristig lieferbarer Strom gehandelt. Kurzfristig bedeutet in diesem Zusammenhang ein bis zwei Tage. Auf dem Terminmarkt hingegen werden Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren geschlossen.

Die Versorger decken sich am Terminmarkt mit einem Großteil des von ihnen prognostizierten Strombedarfs ein. Da die Strompreise stark schwanken, kaufen sie nicht alles auf einmal ein, sondern beschaffen den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten.

Am Spotmarkt werden dann die restlichen Strommengen eingekauft, um den aktuellen Bedarf zu decken. Am Spotmarkt der Strombörse EEX wird unterschieden zwischen dem „Day-Ahead-Handel“, mit Angeboten für den Folgetag, und dem „Intraday-Handel“, mit Angeboten für den gleichen Tag. Hier können die Teilnehmer zu viel oder zu wenig georderte Strommengen kurzfristig ausgleichen. 
Da der Stromverbrauch über den Tag variiert (in der Regel ist der Verbrauch tagsüber höher als in der Nacht) können zudem zwei verschiedene Profile an der Börse gehandelt werden:

  • Baseload-Produkte dienen der Abdeckung der Grundlast eines kompletten Tages von 0 bis 24 Uhr.
  • Peakload-Produkte werden geordert, um die Spitzenlast zwischen 8 und 20 Uhr zu bedienen.
     

Grafik zur Preisentwicklung an der Strombörse
 

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Was sagt der BDEW zu dem Vorwurf, die Versorger würden steigende Beschaffungskosten an die Kunden weiterreichen, umgekehrt würden sie die Preise aber nicht senken, wenn die Beschaffungskosten sinken?

Um das Risiko stark schwankender Börsenstrompreise zu minimieren, beschaffen sehr viele Versorger den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten. Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht 1:1 auf den Strompreis für Endkunden aus. Die Strategie der Versorger glättet also die Entwicklungen an den Energiebörsen. Deshalb sinkt der Strompreisbestandteil 'Beschaffung' nicht im gleichen Umfang, wenn die Börsenpreise fallen. Umgekehrt steigt dieser Strompreisbestandteil nicht in gleichem Umfang, wenn die Preise an der Börse deutlich steigen.

Der starke Wettbewerb, der auf dem Strommarkt herrscht, sorgt dafür, dass Preisanhebungen nur noch dann vorgenommen werden, wenn sie unumgänglich sind. Verbraucher können in der Regel zwischen weit über 400 verschiedenen Tarifen wählen, die die Vielfalt in der Stromversorgung abbilden.

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Die vollständige aktuelle BDEW-Strompreisanalyse finden Sie hier.

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