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Strompreis

FAQ zum Thema Strompreis in Deutschland


Stand: Juli 2022


Inhalt


Warum sind die Großhandelspreise für Strom in den vergangenen Monaten so stark gestiegen?

Die Ursachen für diese extreme Preisentwicklung sind vielfältig. Der Preisanstieg begann bereits im vergangenen Jahr. Das lag zum einen an einer steigenden Nachfrage nach Rohstoffen beziehungsweise Brennstoffen aufgrund der weltweiten konjunkturellen Erholung. Diese hohe Nachfrage ließ die Preise international steigen. Das führte dazu, dass die Großhandelspreise bereits vor Kriegsausbruch auf einem außergewöhnlich hohen Niveau lagen. Der Angriffskrieg Russlands verschärft die Lage nun zusätzlich, da er zu großen Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten führt. Insbesondere der hohe Gaspreis, aber auch deutlich gestiegene Weltmarktpreise für Steinkohle verteuern die Stromerzeugung in den Kraftwerken und führen zu den extremen Preisspitzen. Hinzu kommt, dass sich auch der Preis der hierfür notwendigen CO2-Zertifikate im europäischen CO2-Handel in den vergangenen 24 Monaten mehr als verdoppelt hat.  
Diese Effekte können derzeit durch die sinkenden Kosten der Erneuerbaren Energien nicht kompensiert werden.

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Wie sind dadurch die Verbraucher betroffen?

Der Druck auf die Strompreise steigt aufgrund der stark steigenden Börsenpreise und anderer Faktoren. Diese preissteigernden Komponenten müssen die Stromversorger in ihrer Preiskalkulation berücksichtigen.
Die Bundesregierung hat in diesem Jahr bereits mehrere entlastende Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise die Abschaffung der EEG-Umlage und plant weitere Entlastungen. Diese Maßnahmen können die Auswirkungen auf die Endkundenpreise etwas dämpfen. Ein vollständiger Ausgleich der Zusatzbelastungen durch die Bundesregierung wird angesichts der historischen Dimensionen bei der Entwicklung der Energiekosten jedoch nicht möglich sein.  
Aktuelle Zahlen und Grafiken zur Entwicklung der Strompreise finden Sie in der BDEW-Strompreisanalyse.

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Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Strompreis aus drei Bestandteilen zusammen:

  1. Kosten für Strombeschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten:
     

    Dies sind die vom Stromlieferanten grundsätzlich zu beeinflussenden Preisbestandteile. Ihr durchschnittlicher Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2022 bei 49 Prozent. (Stand: Juli 2022)

     
  2. Regulierte Netzentgelte:


    Die Kosten für die Netzinfrastruktur werden über die Netzentgelte auf die Netznutzer und damit die Letztverbraucher im jeweiligen Versorgungsgebiet verteilt. Die Regulierungsbehörden von Bund (Bundesnetzagentur) und Ländern stellen sicher, dass die Netzentgelte angemessen und diskriminierungsfrei sind. Der dynamische Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hat erhebliche Investitionen in die Übertragungs- und Verteilernetze und steigende Aufwendungen für netzstabilisierende Maßnahmen ausgelöst. Dies führt unter anderem dazu, dass seit 2011 in vielen Regionen Deutschlands steigende Netzentgelte zu verzeichnen sind. Dieser Anteil am Strompreis für Haushaltskunden liegt 2022 im Durchschnitt bei 22 Prozent, kann aber regional stark variieren.

    Neben den Netzentgelten werden auch Entgelte für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung erhoben, wobei aufgrund geänderter rechtlicher Vorgaben die Abrechnungsentgelte ab 2017 nicht mehr gesondert ausgewiesen werden und in den Netzentgelten enthalten sein können. Die Entgelte für Messstellenbetrieb und Messung werden zu einem Entgelt (für Messstellenbetrieb) zusammengefasst.

     
  3. Steuern, Abgaben und Umlagen

    (Paragraph 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage (Stromnetzentgeltverordnung), KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, Umlage für abschaltbare Lasten, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer):
     

    Diese staatlich veranlassten Preisbestandteile liegen im Juli 2022 bei 29,2 Prozent
    Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf null vorgesehengesenkt. Die Vertriebe wer-den verpflichtet, diese Absenkung mit wenigen Ausnahmen an die Verbraucher weiterzu-reichen. Die Abschaffung der EEG-Umlage ist eine wichtige Maßnahme, um Haushalte und viele Gewerbekunden vor zu starken Belastungen zu schützen. 

Grafik zum Strompreis für Haushalte 2021
 

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Wie haben sich die einzelnen Preisbestandteile in den letzten Jahren entwickelt?

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte* liegt im bisherigen Jahresmittel 2022 um 16 Prozent höher als 2021 und beträgt durchschnittlich 37,30 ct/kWh (2021: 32,16 ct/kWh; Grundpreis anteilig für einen Jahresverbrauch von 3.500 kWh enthalten). 

Steuern, Abgaben und Umlagen für Haushaltskunden sind 2022 vor allem aufgrund der weggefallenen EEG- Umlage um 5,52 ct/kWh gesunken und betragen nun 10,91 ct/kWh (2021: 16,43 ct/kWh).

Die Netzentgelte für Haushaltskunden sind 2022 im Durchschnitt um 3,6 Prozent auf 8,08 ct/kWh (2021: 7,80 ct/kWh) gestiegen. 

Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb sind 2022 aufgrund der stark angestiegenen Energiepreise im Großhandel bei Haushaltstarifen durchschnittlich um 131 Prozent (+10,38 ct/kWh) gestiegen. Ihr Anteil am Haushaltsstrompreis beträgt 49 Prozent.

Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Haushaltsstrompreis ist 2022 auf 29,2 Prozent gesunken (2021: 51,1 Prozent). Der Anteil der Netzentgelte beträgt 22 Prozent. 

Der durchschnittliche Strompreis für kleine bis mittlere Industriebetriebe (ohne Stromsteuer) ist im bisherigen Jahresmittel 2022 gegenüber 2021 um 94 Prozent bzw. 18,67 ct/kWh gestiegen. 

Grafik zu der Entwicklung der Strompreisbestandteile für Haushalte

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Welche Steuern, Abgaben und Umlagen werden auf den Strompreis erhoben?

Insgesamt gibt es acht verschiedene Steuern, Abgaben und Umlagen auf den Strompreis:

Konzessionsabgabe
(Höhe individuell je nach Netzgebiet)
Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt an die Kommune dafür, dass Straßen und Wege für den Betrieb von Stromleitungen benutzt werden können. Ihre Höhe variiert in Abhängigkeit von der Gemeindegröße zwischen 1,32 und 2,39 ct/kWh. (§2 der Konzessionsabgabenverordnung (KAV)).
Stromsteuer / Energiesteuer Die Stromsteuer / Energiesteuer ist eine durch das Stromsteuergesetz / Energiesteuergesetz geregelte Steuer auf den Energieverbrauch. Sie gilt seit April 1999.
KWK-Umlage Mit der KWK-Umlage wird die ressourcenschonende gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme gesetzlich gefördert. Die aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Letztverbraucher weitergegeben.
§ 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage Mit der § 19 Abs. 2 StromNEV-Umlage wird die Entlastung stromintensiver Unternehmen von Netzentgelten gesetzlich finanziert. Die aus diesen Entlastungen entstehenden Kosten werden bundesweit an alle Letztverbraucher weitergegeben. Mit der Umlage werden ebenfalls Ausgleichszahlungen berücksichtigt, die aus der Freistellung von den Entgelten für den Netzzugang von Anlagen, welche durch Wasserelektrolyse Wasserstoff erzeugen, resultieren (§ 118 Abs. 6 S. 9 EnWG). Eine separate Wasserstoffumlage wird nicht erhoben.
Offshore-Netzumlage

Mit dieser Umlage (§ 17 f des Energiewirtschaftsgesetzes) werden Risiken der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz abgesichert (z. B. verspäteter Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz an Land oder langdauernde Netzunterbrechungen). Die aus der Umlage entstehenden Belastungen werden bundesweit an die Verbraucher weitergegeben.

Neu: Die Kosten für die Netzanbindung von Offshore-Windparks werden ab 2019 nicht mehr in die Netzentgelte einkalkuliert, sondern vollständig über ein Umlageverfahren refinanziert.

Umlage für abschaltbare Lasten nach §18 AbLaV Die Umlage für abschaltbare Lasten wird im Lieferjahr 2023 nicht mehr erhoben. Der Vortrag aus der Jahresabrechnung 2021 und des Rumpfjahres 2022 wird entsprechend der Abstimmung mit der Bundesnetzagentur nach den Regelungen der ARegV netzentgeltmindernd bei den Übertragungsnetzbetreibern eingebracht. Die Umlage diente zur Vorhaltung von Abschaltleistung nach der „Verordnung zu abschaltbaren Lasten“. Mit der Umlage wurden die Anbieter von Abschaltleistung aus abschaltbaren Lasten vergütet, falls der Netzbetreiber diese zum Zweck der Systemstabilisierung abruft.
Mehrwertsteuer 19 % Die Mehrwertsteuer wird auf den gesamten Strompreis mit all seinen Bestandteilen erhoben und beträgt 19 Prozent.


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Warum haben kurzfristige Schwankungen bei den Beschaffungspreien keinen direkten Einfluss auf den Strompreis?

Um das Risiko stark schwankender Börsenstrompreise zu minimieren, beschaffen sehr viele Versorger den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten. Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht 1:1 auf den Strompreis für Endkunden aus. Die Strategie der Versorger glättet also die Entwicklungen an den Energiebörsen. Deshalb sinkt der Strompreisbestandteil 'Beschaffung' nicht im gleichen Umfang, wenn die Börsenpreise kurzzeitig fallen. Umgekehrt steigt dieser Strompreisbestandteil nicht in gleichem Umfang, wenn die Preise an der Börse vorübergehend deutlich steigen.

In der aktuellen Situation mit anhaltet hohen Großhandelspreisen bedeutet das: Aufgrund dieser langfristiger Beschaffungsstrategien der Energieversorger über mehrere Jahre kommen die Preisentwicklungen an den Großhandelsmärkten nur mit Verzögerung bei den Kundinnen und Kunden an. Je länger das Preisniveau hoch bleibt, desto mehr werden sich die Großhandelspreise jedoch in den Tarifen niederschlagen und diese auch auf längere Sicht beeinflussen.
Der starke Wettbewerb, der auf dem Strommarkt herrscht, sorgt dafür, dass Preisanhebungen nur noch dann vorgenommen werden, wenn sie unumgänglich sind. Verbraucher können in der Regel zwischen weit über 400 verschiedenen Tarifen wählen, die die Vielfalt in der Stromversorgung abbilden.

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Was ist der Unterschied zwischen Spotmarkt und Terminmarkt?

Am Spotmarkt wird kurzfristig lieferbarer Strom gehandelt. Kurzfristig bedeutet in diesem Zusammenhang ein bis zwei Tage. Auf dem Terminmarkt hingegen werden Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu sechs Jahren geschlossen.

Die Versorger decken sich am Terminmarkt mit einem Großteil des von ihnen prognostizierten Strombedarfs ein. Da die Strompreise stark schwanken, kaufen sie nicht alles auf einmal ein, sondern beschaffen den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten.

Am Spotmarkt werden dann die restlichen Strommengen eingekauft, um den aktuellen Bedarf zu decken. Am Spotmarkt der Strombörse EEX wird unterschieden zwischen dem „Day-Ahead-Handel“, mit Angeboten für den Folgetag, und dem „Intraday-Handel“, mit Angeboten für den gleichen Tag. Hier können die Teilnehmer zu viel oder zu wenig georderte Strommengen kurzfristig ausgleichen. 
Da der Stromverbrauch über den Tag variiert (in der Regel ist der Verbrauch tagsüber höher als in der Nacht) können zudem zwei verschiedene Profile an der Börse gehandelt werden:

  • Baseload-Produkte dienen der Abdeckung der Grundlast eines kompletten Tages von 0 bis 24 Uhr.
  • Peakload-Produkte werden geordert, um die Spitzenlast zwischen 8 und 20 Uhr zu bedienen.
     

Grafik zur Preisentwicklung an der Strombörse
 

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Die vollständige aktuelle BDEW-Strompreisanalyse finden Sie hier.

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