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"Wir müssen Hand in Hand arbeiten"

Julia Braune, Geschäftsführerin von German Water Partnership, über Entwicklungszusammenarbeit in der Wasserwirtschaft. Ein Interview

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© Foto: shutterstock

Frau Braune, welche Bedeutung hat die Entwicklungszusammenarbeit für die Wasserwirtschaft? 
Im internationalen Geschäft eine große. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern zählen neben dem Ausbau der Infrastruktur und der Förderung nachhaltiger Technologien auch das Capacity-Building und der Know-how-Transfer. Die Entwicklungszusammenarbeit kann hier Lücken schließen und wichtige Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung schaffen. Darüber entstehen Projekte und Kontakte in die Entwicklungsländer, die der Einstieg für weitere Geschäftsbeziehungen sein können. Aus unserer Erfahrung ist dafür auch eine enge Verzahnung mit der Außenwirtschaftsförderung von Vorteil.

Können Sie Beispiele nennen? 
Wir setzen jährlich zahlreiche Maßnahmen um, die vom Bundesentwicklungsministerium durch dessen Organisationen wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH oder sequa gefördert und finanziert werden. Dazu gehören die Kammer- und Verbandspartnerschaften mit Verbänden der Wasserwirtschaft im Ausland, etwa mit der African Water Association (AfWA). Es geht darum, diesem Verband zu helfen, die Rahmenbedingungen für die Wasserwirtschaft in Afrika zu verbessern und seine Rolle als Multiplikator für die Mitgliedschaft, aber auch für die Politik zu stärken. Darüber hinaus schaffen solche Projekte ganz neue Netzwerke und Zugänge für die Unternehmen der deutschen Wasserwirtschaft. GWP bietet Mitgliedern im Rahmen dieses Programms zum Beispiel Gemeinschaftsauftritte auf Messen, geförderte Markterkundungsreisen oder eine Beteiligung als Kurzzeitexperte im Land an. So entstehen belastbare Kontakte und ein tieferer Einblick in den Markt.

Das Thema Wasser hat in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit einen immer höheren Stellenwert. Julia Braune, German Water Partnership

Welchen Stellenwert hat das Thema Wasser in der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit? 
Auf jeden Fall einen immer höheren. Alle maßgeblichen Akteure wenden dem Thema mehr Aufmerksamkeit und Kapazitäten zu. Aber nicht nur die wasserbezogenen Maßnahmen und Programme von Bundesentwicklungsministerium, GIZ und KfW zahlen auf das Konto der wirtschaftlichen Entwicklung und Zusammenarbeit ein. Auch alle Maßnahmen zur Förderung wasserwirtschaftlicher Strukturen, die wir im Rahmen von Programmen anderer Bundesministerien umsetzen, leisten einen wichtigen Beitrag, zum Beispiel die Exportinitiative des Bundesumweltministeriums oder das Markterschließungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums.

Sie betonten bereits, wie wichtig die Ver­bindung von Entwicklungszusammenarbeit und Außenwirtschaftsförderung ist. Wie gut funktioniert die? 
In unserer Arbeit und für unsere Mitglieder sehr gut. Trotzdem könnte die Verzahnung der Maßnahmen und Ziele insgesamt noch enger sein – das wäre ein Wunsch für die Zukunft und dringend notwendig. Denn viele andere Länder setzen ihre Fördermaßnahmen und Gelder im Ausland sehr gezielt vor allem im Sinne ihrer heimischen Wirtschaft ein. Gerade nach der aktuellen Krise wird es darauf ankommen, dass die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, von denen die deutsche Wasserwirtschaft geprägt ist, wieder auf die Beine kommen und auch international Aufträge abwickeln können. 


Braune

Die Strukturen unseres Mittelstandes bringen eine Vielzahl von Innovationen und maßgeschneiderten, hochwertigen und nachhaltigen Lösungen hervor. In den ausländischen Märkten wird dies sehr geschätzt. Im internationalen Wettbewerb haben im Preiskampf jedoch oft die internationalen Konzerne und Konsortien die Nase vorn. Daher ist jede Unterstützung für unsere mittelständische Wirtschaft wertvoll.

Frau Braune, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Roman Scherer


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