Elektromobilität

Wo steht Deutschland bei der Elektromobilität? Trends, Statistiken und BDEW-Positionen im Überblick.

 

Debatten rund um Elektro-Autos und das Ladeangebot werden hierzulande häufig gefühlsgeleitet geführt. Wer einmal ein Elektroauto gefahren hat, weiß: leise Beschleunigung, direktes Drehmoment und ruhiges Fahren kennzeichnen das Fahrgefühl und vermitteln ein völlig neues Fahrerlebnis. Wie das Smartphone das Tastenhandy ersetzt hat, erfindet das Elektroauto das Autofahren neu. Zugleich trägt die Elektromobilität dazu bei, Deutschlands und Europas Resilienz zu stärken sowie die Klimaziele zu erreichen.  

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Ladepunkte auf rund 204.000 gestiegen. Allein 2025 kamen 40.000 neue Säulen hinzu – vor allem Schnellladepunkte. Das summiert sich auf eine installierte Leistung von fast neun Gigawatt. Der nächste öffentliche Ladepunkt für E-Mobilistinnen und -Mobilisten ist im Durchschnitt nur fünf Fahrminuten entfernt. 

Die seit 2022 halbjährlich veröffentlichte BDEW-Nutzerumfrage zur Elektromobilität ergibt immer wieder: Wer einmal elektrisch fährt, bleibt auch dabei. 99 Prozent aller E-Autofahrerinnen und -fahrer würden sich wieder ein E-Auto kaufen. Mehr als 80 Prozent der Befragten finden das Laden an öffentlichen Ladepunkten gut oder sehr gut. Die große Mehrheit findet Laden auch besser als Tanken.

Wie entwickelt sich der Markt für Elektromobilität?

Die Zulassungszahlen für E-Pkw steigen. Derzeit fährt jedes vierte neuzugelassene Auto elektrisch. Im ersten Halbjahr 2026 hat der Pkw-Markt dank sinkender Preise für Elektroautos, der schwierigen geopolitischen Weltlage und der Förderung von Familien mit mittlerem oder kleinem Einkommen durch die Bundesregierung Fahrt aufgenommen. Der Markt für E-Autos ist auf dem Sprung in den Massenmarkt. Auch in den Absatz von schweren Nutzfahrzeugen kommt mit höheren Kraftstoffpreisen mehr Bewegung.  

Elektrische Lkw können bundesweit bereits an 88 Standorten mit 355 Ladepunkten Strom laden, ohne abkoppeln zu müssen. Der Ausbau der Ladepunkte für elektrische Lkw schreitet wettbewerbsgetrieben erfolgreich voran und übertrifft die von der Europäischen Union gesetzten Ausbauziele um etwa 250 Prozent.

Der Ladesäulenausbau für Pkw erfolgt flächendeckend und mit hohem Tempo. Das öffentliche Ladeangebot wurde auch im ersten Halbjahr 2026 weiter ausgebaut: Im Juli 2026 standen rund 204.000 Ladepunkte mit einer installierten Leistung von 8,9 Gigawatt. 

Welche Rolle spielt die Energiewirtschaft für den Hochlauf der E-Mobilität? 

Energie- und Ladebranche engagieren sich vor allem in diesen Bereichen, um die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen:

Energiewirtschaft und Ladebranche treiben den Ausbau von Ladepunkten und -parks von Anfang an und im Wettbewerb konsequent voran – sei es für Elektroautos oder für E-Lkw.

Durch das Zusammenspiel von Energiewirtschaft, Ladepunktbetreibern und Elektromobilitätsdienstleistern entwickeln sich immer preislich angemessene und transparente Ladetarife. Diese Entwicklung läuft vergleichbar zum Mobilfunkmarkt.  Für den Kunden entstehen dadurch zeitlich und räumlich stabile Preise, die nicht von Schwankungen an der Strombörse beeinflusst werden.

Die Energiewirtschaft ertüchtigt die Stromnetze für die Elektromobilität und sorgt für die Integration von Ladeinfrastruktur ins Energiesystem. Für den Erfolg der Elektromobilität ist es wichtig, dass die Energienetze in Einklang zum Hochlauf von Ladesäulen und Punkten ausgebaut werden. Diese werden überwiegend an das Verteilnetz angeschlossen. Anders kann dies bei E-Lkw-Ladepunkte ausfallen, die teils in das Hochspannungsnetz integriert werden müssen.

Wer sein Auto nicht mit dem Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage lädt, bezieht den Strom von einem Energieversorger. Die Energiewirtschaft wird auch künftig die verlässliche Versorgung mit Strom sicherstellen. Dieser ist bereits heute zu einem Großteil klimaneutral. 2026 wurden bislang rund 58 Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren Energien erzeugt – Tendenz weiter steigend.

Was braucht es für einen erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität?

Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - diese Technologie hat sich durchgesetzt. Die Energie- und Ladebranche muss als Grundvoraussetzung auf stabile politische Rahmenbedingungen vertrauen können. Sie liegt mit den heute installierten Ladepunkten weit vor dem Hochlauf der Elektrofahrzeuge und braucht weiterhin Planungs- und Investitionssicherheit.

Eine Verwässerung bereits verabschiedeter Maßnahmen und Regeln, etwa bei den bestehenden CO2-Flottengrenzwerte der EU, läuft diesem Ziel zuwider – und bremst den erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität.

Die Netzwirtschaft liefert mit einem gut ausgebauten Stromnetz die Grundlage für den Ausbau der Ladesäulen. Neue Ladeparks werden so schnell wie möglich in das Netz integriert. Damit dies reibungslos ablaufen kann, sollten Netzanschlussverfahren standardisiert und digitalisiert sowie der Netzbetreiber frühzeitig in die Standortwahl des Ladeparks eingebunden werden. Bürokratie sollte hier auf ein Minimum reduziert werden.

Auch die Elektrifizierung des Schwerlastverkehr kommt ins Rollen: Auch hier sind mehr Resilienz und weniger Emissionen das Ziel.  Dies wird auf europäischer Ebene durch die CO2-Flottengrenzwerte sowie die Zielsetzung der Verordnung zum Aufbau von Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) angereizt. Die Tendenzen in Europa, die CO2-Flottengrenzwerte aufzuweichen, könnten die Umrüstung auf E-Lkw bremsen.

Für den Ausbau von E-Lkw-Ladeparks ist neben dem Zugang zu Finanzierungsmodellen, die Bereitstellung geeigneter Flächen Dreh- und Angelpunkt. Die Standorte müssen in das Stromnetz integriert werden. Dies kann je nach Leistungsbedarf einen Anschluss bis an die Hochspannungsebene erforderlich machen.

Die BDEW-Forderungen zur Elektromobilität im Überblick 

Der BDEW und seine Mitglieder setzen sich für einen erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland ein. Dabei sind aus Sicht des BDEW folgende Punkte zentral:

Verlässliche CO2-Flottengrenzwerte sind für den weiteren erfolgreichen Hochlauf der Elektromobilität zentral. Eine Abschwächung der bestehenden CO2-Flottengrenzwerte in der EU bremst den erfolgreichen Hochlauf.

Das Aufweichen von CO2-Flottengrenzwerten schwächt das bisher erfolgreichste Instrument zur Förderung der Elektromobilität in Europa und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Heimatmarktes. Die Vorgaben zu sauberen Unternehmensflotten stärken die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, was den Herstellern Absatzsicherheit gibt.

Die Technologieführerschaft in der Mobilität ist elektrisch. Europäische Elektroautos werden in China nicht kompetitiver, wenn wir in Europa wieder mehr Verbrenner verkaufen.

Nachhaltige Steueranreize für E-Fahrzeuge zeigen deutliche Vorteile gegenüber teuren Förderprogrammen. Steuerliche Anreize müssen dabei den Staatshaushalt nicht belasten. Maßnahmen auf der Nachfrageseite sind entscheidend, um den Standort und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Arbeitsplätze in Europa zu sichern.

Der BDEW lehnt eine staatliche Ladesäulenförderung und staatliche Ladenetze ab. Der Staat ist nicht erfolgreicher im Bau und Betrieb von Ladesäulen als private Energieunternehmen. Unterstützen können Land, Städte und Kommunen bei der Flächenzuweisung und dem Entschlacken von Genehmigungsprozessen in der Verwaltung.

Innovation und Transformation brauchen Planungssicherheit – das gilt nicht nur bei der E-Mobilität. Regulatorisches Hin und Her gefährdet den Hochlauf der Elektromobilität. Verlässliche Rahmenbedingungen sind gerade auch für den privatwirtschaftlich finanzierten Ausbau des Ladeangebots zentral. Hinzu kommt: Künftige Regulierungen dürfen keinesfalls jene benachteiligen, die frühzeitig auf die Antriebsform der Zukunft gesetzt und massiv investiert haben.

Die öffentliche Hand sollte geeignete Flächen unkompliziert und ohne technische Vorgaben für den Aufbau von Ladesäulen ausweisen. Zur Entbürokratisierung und Beschleunigung des Ausbaus sollte geprüft werden, ob der Aufbau von Ladesäulen im Baugesetzbuch privilegiert werden kann. So lassen sich Kosten senken und Zeit sparen.

Drei häufige Fragen zur Elektromobilität

1. Sind E-Autos tatsächlich umweltfreundlicher?

E-Autos stoßen im Fahrbetrieb kein Kohlendioxid aus – im Gegensatz zu Verbrennern. Und: Elektromotoren sind viel effizienter als Verbrennungsmotoren: Bei Elektromotoren liegt der Wirkungsgrad bei mehr als 90 Prozent, bei Verbrennern sind es gerade etwa 30 Prozent. Deshalb ist die CO2-Bilanz von E-Autos auf jeden Fall besser als bei Autos mit Verbrennungsmotor.

2. Sind E-Autos nicht viel teurer als Verbrenner?

Angesichts sich langsam angleichender Kaufpreise von E-Autos und Verbrennern, einer breiteren Modellpalette auch an kleineren Pkw, rund einem Drittel geringeren Betriebskosten sowie hohen Kraftstoffpreisen, ist die elektrische Wahl immer häufiger die Wirtschaftlichste. Ein E-Auto braucht rund 15 bis 20 kWh Strom auf 100 km, das entspricht etwa 1,5 bis zwei Liter Benzin. Entsprechend günstiger ist das Fahren von E-Autos im Alltag.

3. Machen uns E-Autos unabhängiger von Energieimporten?

Die Elektromobilität macht uns unabhängiger von Erdölimporten und den mit geopolitischen Krisen verbundenen Preisschocks. Werden die Ziele der EU zur Elektrifizierung des Verkehrs eingehalten, so sinkt der Rohölverbrauch im Verkehr bis 2030 um zehn Prozent. Dies stärkt die europäische Energiesicherheit und spart jährlich zwölf Milliarden Euro an Energieimporten ein.

E-Autos setzen zudem die verwendeten Rohstoffe effizienter ein. Für die Herstellung von Elektrofahrzeugen ist es nur einmal notwendig, Batterierohstoffe zu fördern. Verbrenner sind hingegen während ihres gesamten Lebenszyklus auf fossile Rohstoffe angewiesen. Elektroautos bewegen sich ganz ohne weiteren Rohstoffbedarf über weite Strecken mit Energie aus Wind und Sonne fort.

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