Das Wasserstoff-Kernnetz bildet in Deutschland die zentrale Transportinfrastruktur für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und soll Produktionsstandorte, große Verbrauchszentren, Speicher und Importpunkte miteinander verbinden. Das geplante Netz umfasst rund 9.000 Kilometer; etwa 60 Prozent sollen durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen entstehen, 40 Prozent durch Neubau. Die Maßnahmen sollen bis 2032 umgesetzt werden, können abhängig von der Wasserstoffverfügbarkeit jedoch bis 2037 zeitlich gestreckt werden. Wasserstoff ist besonders für Anwendungen relevant, die sich nur schwer direkt elektrifizieren lassen, und kann zur saisonalen Energiespeicherung beitragen. Für die regionale Verteilung ist teilweise eine Umstellung bestehender Gasverteilnetze erforderlich; politische Finanzierungsansätze für Wasserstoffverteilnetze und Anschlüsse an das Kernnetz liegen noch nicht vor.
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Der Übergang zu einer klimaneutralen Energieversorgung gehört zu den zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses ist die Weiterentwicklung der bestehenden Gasinfrastruktur. Während bisher Erdgas als primärer Energieträger in vielen Sektoren genutzt wurde, werden künftig erneuerbar und kohlenstoffarm erzeugter Wasserstoff sowie seine Derivate eine Rolle spielen.
Damit Wasserstoff sein Potenzial entfalten kann, braucht es jetzt politische Entschlossenheit, einen praxisnahen Ordnungsrahmen und gezielte Förderung – allerdings nur dort, wo es besonders sinnvoll ist. Die Energiewirtschaft trägt hierbei eine Schlüsselrolle inne: Sie ist gefordert, die Infrastruktur aufzubauen und den Markt entscheidend zu initialisieren.
Mit dem Wasserstoff-Kernnetz wird in Deutschland eine Infrastruktur geplant und umgesetzt, die den Markthochlauf von Wasserstoff ermöglicht. Für den Industriestandort Deutschland ist das Kernnetz ein wichtiges Fundament, da es die Dekarbonisierung von Produktionsprozessen ermöglicht und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Gleichzeitig schafft das Wasserstoff-Kernnetz die Basis für eine zukunftssichere Energieversorgung.
» Deutschlandkarte: Hier verläuft das Wasserstoffkernnetz
Welche Rolle Wasserstoff künftig spielen wird
Wasserstoff ist ein Energieträger, der vielseitig eingesetzt werden kann und eine wichtige Rolle für eine klimafreundliche Energieversorgung spielt. Er kann unter anderem aus erneuerbarem Strom hergestellt, gespeichert, transportiert und zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden.
Besonders relevant ist Wasserstoff dort, wo eine direkte Elektrifizierung schwierig ist – etwa in bestimmten Industrieanwendungen, im Verkehrssektor oder zur langfristigen Energiespeicherung. Voraussetzung für diese Anwendungen sind eine leistungsfähige Wasserstoffinfrastruktur sowie ein verlässlicher Zugang zu Wasserstoffnetzen.
Fragen & Antworten: Wie funktioniert das Wasserstoff-Kernnetz?
Das Wasserstoff-Kernnetz umfasst etwa 9.000 Kilometer. Rund 60 Prozent dieser Strecke sollen durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen entstehen, während 40 Prozent neu gebaut werden müssen.
Die Kosten für den Aufbau des gesamten Netzes werden mit 18,9 Milliarden Euro beziffert, wobei durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur erhebliche Einsparungen erzielt werden können.
Bis 2032 sollen die geplanten Maßnahmen umgesetzt und das Netz vollständig in Betrieb genommen werden. Abhängig von der zukünftigen Verfügbarkeit von Wasserstoff können die Maßnahmen jedoch bis 2037 zeitlich gestreckt werden.
Die Entwicklung des Kernnetzes basiert auf einer langfristigen Analyse der Bedarfe. In die Planung flossen Verbrauchsprognosen, Lastfallanalysen und regionale Anforderungen ein. Das Wasserstoff-Kernnetz verbindet Produktionsstandorte, große Verbrauchszentren, Speicher sowie Importpunkte. Zu Letzteren zählen Häfen wie Wilhelmshaven oder Rostock, die als zentrale Knotenpunkte für Wasserstoffimporte übe Pipelines und Schifffahrtsrouten dienen.
Neben der inländischen Erzeugung von Wasserstoff sind Importe ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Versorgungssicherheit. Grenzüberschreitende Handelswege wie geplante Pipelines aus den Niederlanden oder Norwegen sowie Importhäfen dienen als zentrale Knotenpunkte für den Wasserstoffhandel. Das Kernnetz gewährleistet die Anbindung an europäische Wasserstoffkorridore, um Flexibilität für den Im- und Export zu schaffen und die Energieversorgung langfristig zu sichern.
Die bedarfsgerechte Ausrichtung des Kernnetzes wird in den regulären integrierten Netzentwicklungsplanungsprozessen kontinuierlich überprüft und angepasst werden. Eine Ausweitung des Kernnetzes ist aufgrund der Verzahnung mit dem staatlich abgesicherten Finanzierungsmechanismus jedoch nicht möglich.
Darüber hinaus kann das deutsche Wasserstoff-Kernnetz als Modell für andere Länder dienen. Die enge Verzahnung mit europäischen Projekten eröffnet Potenziale für internationale Kooperationen, die nicht nur die Energieversorgung stärken, sondern auch den globalen Klimaschutz entscheidend voranbringen können.
Diese Diversifizierung der Bezugsquellen ist entscheidend, um Abhängigkeiten zu reduzieren und eine resiliente Energieversorgung weiterhin zu gewährleisten und zu stärken. Das Kernnetz ist in seinem Umfang auch für saisonale Schwankungen und regionale Spitzenlasten ausreichend dimensioniert. Das ist ein wesentlicher Baustein für die Versorgungssicherheit.
Das Wasserstoff-Kernnetz ermöglicht die saisonale Speicherung von Energie, in dem es Erzeugungsanlagen oder Importrouten mit Speichern verbindet. Dadurch trägt das Wasserstoff-Kernnetz zur Systemstabilität des erneuerbaren Energiesystems bei.
Elektrolyseure, die Überschüsse aus der Stromproduktion Erneuerbarer Energien aufnehmen, wandeln diese in Wasserstoff um. Dies kann das Stromnetz erheblich entlasten, vor allem in Zeiten hoher Einspeisung durch erneuerbare Energien. Der so erzeugte Wasserstoff kann in großvolumigen Speichern, etwa in Salzkavernen, eingelagert und bedarfsgerecht genutzt werden, beispielsweise während des erhöhten Energieverbrauchs im Winter.
Das Kernnetz ermöglicht den Transport des Gases von den Erzeugungsstandorten in die Speicher und zu den Verbrauchern.
Der Aufbau eines leistungsfähigen deutschlandweiten Kernnetzes ist entscheidend für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und eine resiliente, klimaneutrale Energieversorgung. Im nächsten Schritt muss sichergestellt werden, dass der Wasserstoff auch regional verteilt und die Anbindung der Wasserstoffkunden an das Transportnetz gewährleistet wird. Dafür ist eine teilweise Umstellung der bestehenden Gasverteilnetzinfrastruktur erforderlich. Die Gasverteilnetzbetreiber sind bereit und in der Lage, einen bedeutenden Beitrag zum Aufbau dieser Wasserstoff-Infrastruktur zu leisten. Sie stehen in direktem Austausch mit den Verbrauchern, die an ihr Netz angeschlossen sind, und können so gezielt auf deren Bedürfnisse eingehen.
Eine Wasserstoffverteilinfrastruktur ist entscheidend für die Dekarbonisierung von Industrie und Gewerbe, da die Mehrzahl der Unternehmen an das bisherige Verteilnetz angeschlossen ist. Diese Unternehmen benötigen zudem frühzeitig Planungssicherheit über den künftigen Zugang zu Wasserstoff, um Investitionen und Umstellungen ihrer Prozesse verlässlich planen zu können.
Auch für den Wärmemarkt können Wasserstoffverteilernetze einen wichtigen Beitrag leisten. So werden perspektivisch Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung oder zur Absicherung der Fernwärme mit Wasserstoff versorgt werden. Während der Ausbau sowie die Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes bereits angegangen wurde, liegen politische Finanzierungsansätze für ein Wasserstoffverteilnetz sowie für Anschlüsse an das Wasserstoff-Kernnetz noch nicht vor.
Um ein umfassendes Wasserstoffnetz aufbauen zu können, braucht es einen politisch inzentivierten Finanzierungsrahmen, da der Bau solcher Infrastrukturen mit hohen Anfangskosten verbunden ist, während zunächst nur eine begrenzte Kundenzahl vorhanden ist. Ohne eine zusätzliche Absicherung, etwa über Fördermittel, Ausfallbürgschaften oder günstige Kredite, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), können viele Projekte deshalb derzeit nicht realisiert werden.
Kooperationsvereinbarung: Wie der Netzzugang zu Wasserstoffnetzen geregelt wird
Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft erfordert klare, verlässliche und von der Branche gemeinsam getragene Regeln – insbesondere für den Zugang zu den entstehenden Wasserstoffnetzen. Genau hier setzt die Kooperationsvereinbarung Wasserstoff (KoV H2) an.
Die Kooperationsvereinbarung Wasserstoff ist ein von der Branche selbst entwickeltes vertragliches Regelwerk, das den Netzzugang zu Wasserstoffnetzen in Deutschland einheitlich regelt. Sie richtet sich an alle relevanten Marktakteure und schafft Transparenz sowie Rechtssicherheit für den Markthochlauf von Wasserstoff.
Ein zentrales Merkmal der Kooperationsvereinbarung Wasserstoff ist die enge Zusammenarbeit von drei Verbänden: BDEW, VKU und GEODE. Gemeinsam tragen sie die Entwicklung der KoV H2 und bündeln dabei unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen aus der Energiewirtschaft. Diese verbandsübergreifende Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die breite Akzeptanz der Vereinbarung. Die Verbände arbeiten gemeinsam mit den Unternehmen an praktikablen und gut umsetzbaren Lösungen.
Erstmals veröffentlicht wird die KoV H2 voraussichtlich Anfang 2028. Sie basiert auf den gesetzlichen Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sowie auf Festlegungen der Bundesnetzagentur. Während diese Regelwerke einen rechtlichen Rahmen vorgeben, füllt die KoV H₂ diesen mit konkreten, praxisnahen Regelungen.
Ein weiteres besonderes Merkmal der KoV H2 ist die breit angelegte Einbindung unterschiedlicher Stakeholder. Im Rahmen der BDEW/VKU/GEODE-Verhandlungsdelegation verhandeln Vertreterinnen und Vertreter von Fernleitungs- und Verteilnetzbetreibern, Händlern sowie Speicherbetreibern gemeinsam die Inhalte der KoV H2. Dadurch fließen unterschiedliche Interessen und praktische Erfahrungen direkt in die Ausgestaltung der Regelungen ein.
Ziel dieses Ansatzes ist es, Regeln zu entwickeln, die von der Branche gemeinsam getragen werden. Die KoV H2 folgt dabei dem Prinzip der Branchenselbstverwaltung: Die Marktakteure erarbeiten gemeinsam transparente, faire und diskriminierungsfreie Bedingungen für den Wasserstoffnetzzugang.
Um eine noch breitere Beteiligung zu ermöglichen, werden ergänzend Marktdialoge zur KoV H2 durchgeführt. In diesen Austauschformaten erhalten unter anderem die Bundesnetzagentur sowie Netznutzerverbände die Möglichkeit, ihre Positionen und Anforderungen einzubringen. Dieser offene Dialog stärkt die Qualität der Regelungen und fördert die Akzeptanz innerhalb der gesamten Branche.
Neben inhaltlichen Regelungen umfasst die KoV H2 auch Standardverträge, die als Branchenstandard gelten. So wird sichergestellt, dass zentrale Vertragsverhältnisse – etwa zur Buchung von Kapazitäten an Ein- oder Ausspeisepunkten – auf einheitlichen und rechtssicheren Grundlagen beruhen.
Die KoV H2 wird aus mehreren Bestandteilen bestehen, darunter:
- ein Hauptteil zur Zusammenarbeit der Wasserstoffnetzbetreiber untereinander,
- standardisierte Ein- und Ausspeiseverträge,
- Bilanzkreisverträge,
- erste Leitfäden zur praktischen Anwendung,
- sowie ein geregeltes Beitritts- und Änderungsverfahren.
Die Kooperationsvereinbarung Wasserstoff schafft damit eine wichtige Grundlage für einen fairen und transparenten Zugang zu Wasserstoffnetzen in Deutschland. Sie unterstützt die Zusammenarbeit der Marktakteure und trägt dazu bei, Planungssicherheit für zukünftige Wasserstoffprojekte zu schaffen.