Wie sollten Stromnetzentgelte künftig ausgestaltet werden, um Kosten fair zu verteilen, Flexibilität zu fördern und den Netzausbau effizient zu unterstützen? Mit dieser Frage befasst sich ein Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des BDEW. Verglichen werden die von Bundesnetzagentur (BNetzA) und BDEW vorgeschlagenen Modelle zur Weiterentwicklung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom.
Das Gutachten untersucht die Modelle anhand von sieben zentralen Kriterien: Kostenreflexivität, wirtschaftliche Planbarkeit, Netzdienlichkeit, Marktneutralität, Verteilungswirkung, Verständlichkeit und operative Umsetzbarkeit. Im Fokus stehen insbesondere die Ausgestaltung kapazitätsbasierter Netzentgelte, der Umgang mit Netzengpässen, die Behandlung von Kapazitätsüberschreitungen sowie die Einbindung von Prosumern und Haushaltskunden mit intelligenten Messsystemen.
Die Analyse zeigt: Das BDEW-Modell weist insbesondere bei Kostenreflexivität, Planbarkeit und Netzdienlichkeit im Verteilnetz Stärken auf. Das Modell der BNetzA setzt dagegen stärkere Akzente bei Marktneutralität sowie der gezielten Steuerung von Engpässen auf höheren Netzebenen. Zugleich macht das Gutachten deutlich, dass eine abschließende Bewertung erst mit konkreter Parametrierung der Modelle möglich ist. Die künftige Netzentgeltsystematik bleibt damit auch eine Frage politischer Prioritätensetzung zwischen unterschiedlichen Zielkriterien.