Drucken

Osterholzer Stadtwerke: Kalte Nahwärme im Windhornsfeld

Wie ein Quartier mit kalter Nahwärme klimaneutrale Versorgung und hohen Wohnkomfort verbindet.

Osterholzer Stadtwerke, Ansicht des Bürogebäudes.

© Osterholzer Stadtwerke.

Die Wärmewende wird zunehmend im Quartier entschieden – dort, wo Planung, Bau und Energieversorgung frühzeitig zusammengeführt werden können. Die Osterholzer Stadtwerke zeigen mit dem Neubaugebiet Windhornsfeld in Hambergen, wie eine solche integrierte Lösung in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht ein kaltes Nahwärmenetz, das vollständig auf erneuerbaren Energiequellen basiert und zugleich Effizienz, Wirtschaftlichkeit und hohen Wohnkomfort vereint.

Im Quartier entstehen rund 30 Grundstücke mit Einfamilien-, Doppel- sowie Mehrfamilienhäusern, die alle an ein gemeinsames Wärmenetz angeschlossen werden. Die benötigte Energie stammt aus dem Erdreich: Über insgesamt 36 Bohrungen mit jeweils rund 140 Metern Tiefe wird die konstante Temperatur des Bodens erschlossen, die ganzjährig bei etwa zehn Grad Celsius liegt. Dieses Temperaturniveau bildet die Grundlage für den Betrieb von Wärmepumpen, die in jedem Gebäude installiert sind und die Umweltwärme auf das erforderliche Niveau für Heizung und Warmwasser anheben.

Stadtwerke übernehmen Wartung der Wärmepumpen

Das Besondere an diesem Ansatz ist das Prinzip der „kalten“ Nahwärme. Anders als klassische Fernwärmesysteme arbeitet das Netz mit niedrigen Temperaturen von unter zehn Grad Celsius. Dadurch entstehen deutlich geringere Wärmeverluste im Transport, was die Effizienz des Gesamtsystems erheblich steigert. Die eigentliche Temperaturanhebung erfolgt dezentral in den Gebäuden, wodurch eine flexible und bedarfsgerechte Nutzung möglich wird.

Ein zentraler Best-Practice-Aspekt liegt in der ganzheitlichen Planung des Quartiers. Die Wärmeversorgung wurde von Beginn an als integraler Bestandteil der Entwicklung mitgedacht und umgesetzt. Die Osterholzer Stadtwerke haben nicht nur das Netz errichtet, sondern übernehmen auch langfristig Betrieb, Wartung und Service der Wärmepumpen. Für die Bewohner bedeutet das eine hohe Versorgungssicherheit und gleichzeitig eine deutliche Entlastung, da technischer Aufwand und Instandhaltungsrisiken minimiert werden.

Ein weiterer Vorteil des Systems ist seine Doppelfunktion: Es ermöglicht nicht nur das Heizen im Winter, sondern auch die Kühlung im Sommer. Überschüssige Wärme aus den Gebäuden wird in den warmen Monaten zurück in den Boden geleitet und dort gespeichert. Das Erdreich fungiert somit als saisonaler Energiespeicher, der im Winter erneut genutzt werden kann. Dieser Ansatz erhöht nicht nur die Energieeffizienz, sondern bietet den Bewohnern zusätzlichen Komfort. Die Kühlfunktion ist dabei bereits im Grundpreis enthalten.

Windhornsfeld: Klimafreundliches Pilotprojekt

Die Kombination aus niedrigen Netztemperaturen, effizienter Gebäudetechnik und hohem Dämmstandard sorgt dafür, dass das System wirtschaftlich betrieben werden kann. Gleichzeitig entfällt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vollständig, da die Wärmeversorgung auf lokal verfügbaren, erneuerbaren Quellen basiert. Dies macht das Modell nicht nur klimafreundlich, sondern auch langfristig preisstabil und resilient gegenüber externen Energiepreisschwankungen.

Das Quartier Windhornsfeld ist bewusst als Pilotprojekt angelegt. Die hier gewonnenen Erfahrungen sollen in weitere Projekte einfließen und die Grundlage für eine breitere Anwendung kalter Nahwärmenetze schaffen – sowohl in Neubaugebieten als auch perspektivisch im Gebäudebestand. Damit zeigen die Osterholzer Stadtwerke einen klaren Weg auf, wie lokale Energieversorger die Wärmewende aktiv gestalten können: durch innovative Technologien, systemische Ansätze und eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Nutzer.

Insgesamt steht das Projekt exemplarisch für eine zukunftsorientierte Wärmeversorgung auf kommunaler Ebene. Es verbindet Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit und zeigt, wie durch kluge Planung und Umsetzung ein skalierbares Modell für die Wärmewende entstehen kann.

Suche