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Was Wohnorte lebenswert macht

Per App sparen im ÖPNV, smarte Straßenlaternen und innovative Quartiere: Versorger tüfteln an Zukunftskonzepten für Lebensqualität. 

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© Robert Albrecht/BDEW

Was bedeutet Lebensqualität? Zwar sind auf diese Frage viele Antworten denkbar, denn die Menschen sind verschieden. Stellt man sich die Frage jedoch als Versorger einer Kommune, drängen einige Schlüsselfaktoren ins Bild: Teilhabe, Gesundheit, Sicherheit, Barrierefreiheit, Mobilität. Zielbild ist ein Alltagsleben, das für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen neben der Grundversorgung Abwechslung bietet – und das unter vertretbarem Aufwand. Doch was genau macht eine Stadt lebenswert? Wie können sich Kommunen dem Zielbild nähern? Die folgenden fünf Projekte zeigen, an welchen Stellschrauben Versorgungsunternehmen gerade drehen.



Osnabrück: Fahrgäste sparen dank digitalem Kassensturz
Welche Bus- oder Bahnverbindung ist die günstigste? Darüber entscheidet nicht nur die Entfernung, sondern auch der Fahrpreis. Gerade wer Bus und Bahn nur selten nutzt, tut sich mitunter schwer im Tarifdschungel des ÖPNV. Abhilfe schafft in den Bussen Osnabrücks seit 2020 die App YANiQ. Registrierte Nutzerinnen und Nutzer checken mit ihrem Smartphone ein und haben damit eine gültige Fahrtberechtigung. Per Bluetooth erkennt das System automatisch Ein-, Um- und Ausstiege und berechnet den jeweils günstigsten Fahrpreis. Nach einer Woche erfolgt der Kassensturz: In der Abrechnung werden alle Fahrten gesammelt und das dafür günstigste Ticket gewählt. Der Bestpreis – maximal der eines WochenTickets – wird dann vom in der App hinterlegten Bankkonto abgebucht. Auch das Liniennetz kann von dem Angebot profitieren: Werden weniger Tickets bar bezahlt, lassen sich Standzeiten der Linienbusse verringern. Den Stadtwerken Osnabrück zufolge ist das Angebot deutschlandweit einzigartig. Beim Stadtwerke-Award 2020 belegten sie damit den ersten Platz.

Kiel: Freie Tankstelle, freier Parkplatz
Das E-Auto parken und gleichzeitig tanken: Klingt bequem, doch noch gibt es nicht genug freie Parkplätze mit Ladepunkt. Die Stadtwerke Kiel erleichtern nun die Suche. Rund 80 ihrer Parkplätze mit Ladesäule haben sie 2021 mit Parksensoren ausgestattet. Diese zeigen an, ob ein Parkplatz frei oder belegt ist. Dazu wurden auf sowie unter dem Boden der Parkplätze graue Sensor-Plättchen befestigt. Sie senden Informationen über das „Long Range Wide Area Network“ (Abk. LoRaWAN): Diese Funktechnologie testen die Stadtwerke Kiel bereits seit längerem flächendeckend in der Stadt aus. Denn auch an anderer Stelle leistet das Netzwerk dem Energieversorger wertvolle Dienste. So installierte man die Sensorik etwa bereits, um Fremdwassereinträge in das örtliche Fernwärmenetz zu erkennen. Parallel zu den bisherigen Anwendungen testen die Stadtwerke den Einsatz auch fürs „Smart Parking“, damit der effizienteren Nutzung von E-Ladesäulen in Zukunft nichts mehr im Weg steht.

Düsseldorf: Straßenlaternen mit innovativer Strahlkraft
Der Düsseldorfer Fürstenwall gilt als eine „Straße der Zukunft“. Seit April 2021 leuchten dort 42 smarte Straßenlaternen. Ausgestattet sind sie mit energiesparenden LED-Leuchten, die einzeln steuerbar sind: Je nach Standort, Licht- und Verkehrsverhältnissen kann die Helligkeit jeder Leuchte eingestellt werden – und künftig sollen Einsatzkräfte im Notfall, etwa bei einem Rettungseinsatz im Dunkeln, die Beleuchtung per App oder SMS auf Maximalleistung hochgefahren können. Außerdem helfen die neu entwickelten smarten Beleuchtungsmasten beim Parken: Sie erfassen 170 Plätze in der Nähe und melden Parkplatzsuchenden, welcher frei ist. Wer mit dem E-Auto unterwegs ist, kann an sechs der Laternen sogar Strom tanken. Der Pilot, in dem die vielfältigen Laternenmasten erprobt werden, ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt, der Stadtwerke Düsseldorf (SWD) und Vodafone: Als eine weitere Smart-City-Anwendung testet der Mobilfunkanbieter auf einer Laterne gerade eine neuartige 5G-Antenne.

Jena: Vom Energieversorger zum Rundum-Versorger 
„Die klassischen Stadtwerke entwickeln sich vom Energieversorger zum Rundum-Versorger, der auch außerhalb des Kerngeschäfts für seine Kunden da ist“, sagt Gunar Schmidt, Geschäftsführer der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck. Um in diese Rolle hineinzuwachsen, gründete man Anfang 2021 eine „Innovationsschmiede“, wie Schmidt die Stadtwerke-Tochter jENERGIE nennt. Zunächst übernahm das neue Unternehmen die Federführung im Modellprojekt „Smartes Quartier Jena-Lobeda“: Aktuell werden dort rund 270 Wohnungen saniert und mit Smart-Home-Anwendungen ausgestattet. Mit deren Hilfe lassen sich etwa Heizung, Licht und Raumklima intelligent steuern. Außerdem entstehen Lösungen im Bereich Logistik, Mobilität und Gesundheit. Die Bewohner können die Serviceangebote des Smarten Quartiers nutzen: Einkäufe etwa können nach Hause bestellt oder Mobilitätsangebote gebucht werden – ebenso wie ein technisch ausgerüsteter Telemedizinraum, in dem ab 2023 unter anderem Arztbesuche per Videosprechstunde möglich sein sollen. 
 
Bayreuth: Smarter Wald für bestes Trinkwasser
Gut ein Viertel des Bayreuther Trinkwassers wird am Ochsenkopf gewonnen, dem zweithöchsten Berg des Fichtelgebirges. Die hohe Wasserqualität verdankt sich auch dem Wald. „In Bezug auf die Trinkwassergewinnung wissen wir schon heute, dass Mischwälder mit einem hohen Anteil an Laubbäumen die besten Voraussetzungen für die Wasserwirtschaft bieten“, sagt Jürgen Kramer, der bei den Bayreuther Stadtwerken zuständig für das Nachhaltigkeitsmanagement der Trinkwasserschutzgebiete ist. Im Gegensatz zu Nadelbäumen, die viel Niederschlag verdunsten lassen und für saure Böden sorgen, bietet ein Laubwald eine mineralischere Humusschicht: Dadurch werden Schadstoffe besser aus dem Sickerwasser gefiltert.

Zusammen mit der studentischen Initiative Klimawald Bayreuth wollen die Stadtwerke herausfinden, welcher Bewuchs in Zukunft nachhaltige Wasserversorgung ermöglicht. Versuchslabor ist eine sturmgeschädigte Waldfläche, auf der neben heimischen auch bisher unübliche Arten gepflanzt werden. Über Sensoren an den Bäumen lassen sich Daten wie Bodenfeuchtigkeit, Wachstumsgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung in Echtzeit gewinnen. So wird der Wald smart. 

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